Als „Gesundheitsmaßnahme“ präsentiert
Während wegen der Rubel-Krise die Preise für viele Lebensmittel in Russland rasant steigen, wird Wodka billiger. Ab dem 1. Februar gilt - trotz des weit verbreiteten Alkoholismus in Russland - für einen halben Liter die staatliche Preisgrenze von 185 Rubel, ordneten die Behörden in Moskau zum Jahreswechsel an. Bisher lag der Mindestpreis bei 220 Rubel.
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Die Preissenkung sei eine Maßnahme gegen illegales Schnapsbrennen, gab der Duma-Abgeordnete Viktor Swagelski gegenüber der Agentur ITAR-TASS als offiziellen Grund für die Maßnahme an. Zugleich äußerte er Zweifel, dass der Schritt erfolgreich sein werde. Kritiker meinten, die Preissenkung für den Schnaps sei ein bewusster Schritt, mit dem die Regierung die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung vernebeln wolle, obwohl gerade Präsident Wladimir Putin bisher gegen die Neigung seiner Bürger zum Alkohol Stellung bezog.
Alkoholismus so verbreitet wie sonst kaum wo
Wegen der starken Abwertung des Rubels um bis zu 50 Prozent seit Jahresbeginn 2014 sind Lebensmittel in Russland deutlich teurer geworden. Gerade zum Neujahrsfest drückte das aufs Portemonnaie der Bürger: Die Kosten für den Schmaus zum wichtigsten Familienfest der Russen seien um mehr als elf Prozent im Vergleich zu 2013 gestiegen, berichteten mehrere Medien. Demnach gaben sie für Nahrungsmittel für vier Personen zu Silvester im Durchschnitt rund 4.500 Rubel aus.
Putin selbst sagte Ende Dezember, schwarz gebrannter Alkohol sei noch riskanter für die Gesundheit als der legal hergestellte, weshalb die Preise sinken müssten. Russland steckt wegen der westlichen Sanktionen und des niedrigen Ölpreises in einer Wirtschaftskrise, die für seine Bürger viele Härten mit sich bringt. Wodka ist eine Art Nationalgetränk der Russen, das oft exzessiv konsumiert wird. Ein Viertel aller russischen Männer stirbt vor dem 55. Lebensjahr. Der Alkoholkonsum hat daran einen großen Anteil.
„Gesundheit“ als Argument für alle Fälle
Immer öfter nennt Russland in letzter Zeit „gesundheitspolitische“ Erwägungen als Grund für sachlich kaum begründbare Dekrete, Regeln und Gesetze. Auch die neueste Gesetzesänderung, durch die Transsexuellen der Führerschein entzogen wird, kam aus dem Gesundheitsministerium. Zudem wurden seit den Sanktionen der EU und der USA zahlreiche Importverbote von westlichen Produkten mit angeblicher „Gesundheitsgefahr“ begründet.
Im Frühjahr 2014 hatte Moskau etwa die Produkte aus 15 österreichischen Fleisch- und Molkereibetrieben als gesundheitsgefährdend eingestuft. Während der teils weit unter westlichen Standards produzierte Wodka nun aber billiger wird, macht die russische Gesundheitsbehörde schon seit dem Sommer gegen US-Whiskey mobil. Darin seien „gefährliche Substanzen“ enthalten, erklärte die Aufsichtsbehörde Rosselchosnadsor im August.
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