Themenüberblick

Folgen eines Tropensturms

Dutzende Menschen, darunter zwölf ausländische Trekkingtouristen, sind in den vergangenen Tagen in Nepal durch Lawinen und Schneestürme ums Leben gekommen. Das teilten am Mittwoch Behördenvertreter mit. Die Todesfälle ereigneten sich am Höhepunkt der Wandersaison in Nepal, wo sich acht der 14 höchsten Berge der Welt befinden.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Die Leichen von neun Nepalesen, drei Polen, drei Israeli und einem Vietnamesen seien auf einem Wanderweg in der Nähe des Annapurna – der zehnthöchste Berg der Welt – gefunden worden, so der Verwaltungschef des Mustang-Bezirks, Baburam Bhandari. Die Gruppe soll in einen Schneesturm geraten sein.

Rettungskräfte bei einem Hubschrauber

APA/EPA/Nepalese Army

Soldaten bergen die Leiche eines Wanderes auf dem Annapurna-Rundweg

60 weitere Wanderer, darunter auch einige Deutsche, konnten hingegen gerettet werden. Auch sie seien im heftigen Schneefall festgesessen, sagte Bhandari. Einer der deutschen Touristen habe sich außerdem das Bein gebrochen. Die Geretteten wurden ins nahe gelegene Jomsom-Krankenhaus gebracht.

Von Lawine mitgerissen

Im Nachbarbezirk Manang begrub am Mittwoch eine Lawine vier kanadische und einen indischen Touristen unter sich. Der Pilot eines Rettungshubschraubers habe die Leichen ausfindig machen können, sagte Devendra Laminache, Verwaltungschef des Bezirks. Wegen des schweren Schneefalls könne die Bergung aber noch Tage dauern. Schon am Vortag hatte eine Lawine drei nepalesische Yak-Hirten davongerissen. Zwei von ihnen konnten laut Polizei nur noch tot geborgen werden, der dritte sei noch nicht gefunden worden.

Noch kein Kontakt

Es ist unklar, wie viele Wanderer noch im Gelände unterwegs sind. Die Behörden bestätigten, dass aus dem Basislager des Dhaulagiri drei nepalesische Bergsteiger und zwei slowenische Touristen vermisst würden. „Zu einigen konnten wir keinen Kontakt herstellen, weil die Telefonverbindungen durch den heftigen Regen und Schnee in der Region unterbrochen waren“, sagte Laminache. Er habe aber erfahren, dass sich die meisten auf dem Rückweg befänden. Örtliche Medien zeigten Bilder von Soldaten, die mit ihren Helikoptern Verletzte ausflogen.

Die zwei- bis dreiwöchige Annapurna-Runde gehört zu den Himalaya-Klassikern, vor allem im Frühjahr und jetzt im Oktober sind zahlreiche Wanderer darauf unterwegs. Als das Wetter umschlug, waren laut offiziellen Angaben gerade 168 Wanderer auf dem Weg zum 5.416 Meter hohen Thorang-Pass, dem höchsten Punkt der Route.

Krisenreiches Jahr

Nepals Tourismus erholt sich noch immer von den Folgen einer Eislawine, die im April oberhalb des Mount-Everest-Basislagers 16 Sherpas verschüttete. Nach dem Unglück wurde zunächst eine Trauerwoche angesetzt, in der keine Expeditionen stattfanden. Danach drohten die lokalen Träger und Bergführer mit Streik, sollte sich die Regierung nicht für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen. Viele Anbieter sagten daraufhin ihre Touren für dieses Jahr ab.

Junge Nepalesen gedenken mit Kerzen den Toten

AP/Niranjan Shrestha

Nach dem Lawinenunglück im April trauerte Nepal um die verstorbenen Bergführer

Vier Monate später kamen in der Bergregion Hunderte Menschen durch Überflutungen und Erdrutsche ums Leben, nachdem heftige Monsunrgenfälle über dem Land niedergangen waren. Wochenlang drohte ein durch einen Erdrutsch entstandener Damm zu brechen und ein ganzes Tal zu überfluten. Erst einen Monat später gelang es, das gestaute Wasser kontrolliert abzulassen.

Link: