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OSZE-Sprecher: Wie aus dem Nichts

Ermittler haben mehr als eine Woche nach dem Abschuss des Malaysia-Airlines-Flugzeugs mit 298 Toten in der Ostukraine einen bisher nicht registrierten Wrackteil entdeckt sowie weitere Leichen gefunden. Das berichteten australische Medien am Freitag unter Berufung auf Sprecher der OSZE, die unter anderen australische Ermittler in das Absturzgebiet begleitet hatten.

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Die Ermittler - darunter zwei australische Diplomaten und ein Forensiker - seien zunächst nicht dafür ausgerüstet gewesen, die Leichen zu bergen, berichteten der Fernsehsender ABC und die Zeitung „Sydney Morning Herald“ am Freitag. Bei dem Wrackteil handelt es sich demnach um ein Teil des Rumpfes, in dem Sitze und Fenster noch intakt waren.

Cockpit besonders interessant

In einem dichten Waldstück sei man plötzlich auf das große Rumpfwrackteil gestoßen, sagte Michael Bociurkiw von der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) dem australischen Sender ABC. „Es schien fast so, als sei er wie aus dem Nichts aufgetaucht, denn es waren keine abgebrochenen Äste oder ähnliche Anzeichen zu sehen, die darauf hinweisen, dass ein großes Stück Rumpf dort zu Boden gefallen ist“, sagte Bociurkiw.

Auf besonderes Interesse bei den Ermittlern sei das Cockpit der abgestürzten Boeing 777-200 gestoßen. Dort seien „sowohl persönliche als auch professionelle Gegenstände der Piloten“ noch vorhanden. In dem Absturzgebiet sei nach dem Fund der neuen Leichen und Leichenteile eine detaillierte Überprüfung des Geländes vonnöten, um sicherzustellen, dass nichts übersehen werde, sagte Bociurkiw weiter.

Ukraine will Satellitenbilder übergeben

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sagte die Übergabe von Satellitenbildern zu, auf denen der Absturz der Passagiermaschine genau dokumentiert sein soll. „Für eine transparente Untersuchung des Terroraktes vom 17. Juli werden die Aufnahmen internationalen Ermittlern überlassen“, teilte das Präsidialamt in Kiew am Freitag mit.

Auf den Bildern sei auch zu sehen, wohin die Wrackteile der zerbrochenen Boeing 777-200 gefallen seien. „Es kann also bewiesen werden, dass die Terroristen nach dem Absturz Trümmer entfernt haben“, hieß es. Die Führung in Kiew wirft den Separatisten die Vernichtung von Beweismitteln vor. Unklar war, woher die Satellitenbilder stammen. Die Ex-Sowjetrepublik verfügt offiziell nicht über eigene Flugkörper zur Aufklärung.

OSZE-Ermittler gehen von Abschuss aus

Die malaysischen Ermittler am Absturzort gehen nach OSZE-Angaben von einem Raketentreffer als Ursache für die Katastrophe aus. Dafür sprächen stark durchlöcherte Wrackteile. „Es geht um drei Teile der Außenhaut. Auch die Malaysier gehen davon aus, dass es Metallsplitter, Schrapnelle einer Rakete waren“, sagte Bociurkiw am Donnerstag dem ZDF.

Der Sender zeigte Aufnahmen eines an der Absturzstelle gefundenen Wrackteils der Maschine der Malaysia Airlines. Das stark durchlöcherte Trümmerstück sei auch eine Woche nach der Katastrophe noch immer nicht sichergestellt worden. Die USA und die ukrainische Regierung haben prorussische Aufständische in der Ostukraine beschuldigt, die Boeing 777 an Bord abgeschossen zu haben. Die Rebellen bestreiten das. Eindeutige Beweise für die Täterschaft wurden bisher nicht vorgelegt.

Niederlande: Militäreinsatz bei Absturzstelle?

Die Niederlande schließen den Einsatz einer bewaffneten Militäreinheit an der Absturzstelle vorbehaltlich der Zustimmung der Konfliktparteien nicht aus. Darüber werde am Wochenende von seiner Regierung entschieden, teilte Ministerpräsident Mark Rutte am Freitag im Parlament in Den Haag mit. Auch Australien will sich am Schutz für die internationalen Experten am Absturzort beteiligen.

Nach Angaben von Rutte führen die Niederlande darüber zurzeit Gespräche mit den Vereinten Nationen und der Ukraine. Ein Militär- oder Polizeieinsatz hänge ab von politischen Fragen, dem völkerrechtlichen Mandat und der Mitarbeit der Ukraine und Russlands, betonte Rutte. „Die Risiken sind aber groß“, sagte Rutte. Prorussische Rebellen könnten das als Provokation auffassen, warnte er.

Australien will ein Kontingent von Soldaten zum Absturzort schicken. Premierminister Tony Abbott sprach am Freitag von einer „humanitären Mission“, deren Bedingungen in einem Abkommen mit der Regierung in Kiew festgelegt würden. 90 australische Polizisten wurden bereits nach Europa verlegt, 100 weitere Sicherheitskräfte, dieses Mal Soldaten, sollen laut Abbott folgen. Die australischen Sicherheitskräfte sollen sich an einem internationalen Einsatz beteiligen, der am Absturzort nach verbliebenen Todesopfern und Hinweisen auf die Absturzursache sucht.

Weitere Experten sollen kommen

Zunächst sollten 40 Militärpolizisten in die Ukraine reisen, um die Suche nach Opfern zu unterstützen. Auch sollten sie bei der Untersuchung nach der Ursache der Katastrophe assistieren. Die Niederlande gehen davon aus, dass noch nicht alle 298 Opfer geborgen sind. Die Königlichen Gendarmen würden unbewaffnet sein und auch keine Uniform tragen, betonte der Ministerpräsident.

In den kommenden Tagen sollten insgesamt 23 niederländische Experten zu der Absturzstelle fahren. Auch die forensischen Experten anderer Länder würden die Arbeit in dem Gebiet aufnehmen.

Separatisten wollen Sicherheit nicht garantieren

Angesichts der Rufe nach einer internationalen Polizeitruppe am Absturzort wollten die Separatisten diese Option nicht kategorisch ausschließen. „Wenn sich Malaysia, Australien oder die Niederlande an uns wenden, werden wir den Vorschlag natürlich prüfen“, sagte Sergej Kawtaradse von der „Volkswehr“ in Donezk.

Die Aufständischen könnten die Sicherheit ausländischer Polizisten in der Kampfzone allerdings nicht garantieren. Kawtaradse wies Vorwürfe zurück, die Separatisten würden Ermittlungen und Sucharbeiten behindern. „Wir wollen Plünderungen verhindern und neutrale Untersuchungen ermöglichen“, behauptete er.

Bei dem Absturz der Boeing der Malaysia Airlines über dem Konfliktgebiet in der Ostukraine waren vor einer Woche 298 Menschen getötet worden. Die meisten stammten aus den Niederlanden. Dorthin wurden auch die Opfer übergeführt.

Weitere Opfer in die Niederlande gebracht

Zwei Militärmaschinen mit weiteren Opfern landeten am Donnerstag in den Niederlanden. Die niederländische Hercules-Maschine und ein australisches Frachtflugzeug landeten mit insgesamt 74 Särgen an Bord in Eindhoven. Am Vortag waren die ersten 40 Todesopfer der Katastrophe in den Niederlanden eingetroffen.

Nach einer kurzen Zeremonie und einer Schweigeminute wurden die Särge von Soldaten aus den Flugzeugen getragen. 74 Leichenwagen fuhren anschließend in einer langen Kolonne in das rund 100 Kilometer entfernt liegende Hilversum bei Amsterdam. Dort sollen die Leichen identifiziert werden.

Identifizierung „kann lange dauern“

Ein internationales Team von 200 Experten begann bereits mit der Identifizierung der Opfer. „Der Prozess kann lange dauern“, sagte der Sprecher des Forensischen Teams der niederländischen Polizei (LTFO), Arie de Bruin, am Donnerstag in Bunnik bei Utrecht. Er warnte vor falschen Erwartungen, dass man wie in der US-Krimiserie „CSI innerhalb einer halben Stunde alle Informationen sammeln kann und ein DNA-Match hat.“

In dem Team arbeiten 120 Niederländer und 80 Experten aus Deutschland, Belgien, Großbritannien, Australien, Indonesien, Neuseeland und Malaysia zusammen. Nachdem die ersten Opfer am Mittwochabend in einer Kaserne in Hilversum eingetroffen waren, hatte die Identifizierung begonnen. Das LTFO leitet die Identifizierung aller Opfer. Polizeibeamte sammeln zurzeit in allen Herkunftsländern der 298 Opfer Informationen und DNA-Proben.

Die Identifikation verläuft nach dem Protokoll der internationalen Polizei Interpol in fünf Phasen: 1. Fingerabdrücke. 2. Äußerliche Merkmale wie Kleidung oder Tätowierungen. 3. DNA-Analyse. 4. Gebisskontrolle. Zuletzt werden alle Informationen noch einmal kontrolliert. „Danach werden die Leichen auf würdevolle Weise zurück in den Sarg gelegt“, schilderte der Polizeisprecher. Sobald ein Opfer identifiziert sei, würden immer zuerst die Angehörigen informiert.

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