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Arbeitskräfte fehlen

Viel ist seit Jahren von der „Pflegemisere“ die Rede. Immer schlimmer soll sie werden, weil immer weniger Junge sich um immer mehr Alte kümmern müssen. Bis zum Jahr 2025 werde Österreich 22.500 zusätzliche Vollzeitbeschäftigte in der Pflege und Betreuung brauchen, schätzt das Rote Kreuz. Aber schon jetzt fehlen die Arbeitskräfte.

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2012 waren 1,5 Mio. Menschen in Österreich über 65 Jahre alt. 2020 werden es laut Statistik Austria bereits 1,7 sein - und schon 2040 2,5 Mio. Dann werden sie 27,2 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Im selben Jahr werden der „arbeitenden Bevölkerung“, also der Gruppe von 20 bis 65 Jahre, nur noch 54 Prozent angehören (der Rest sind Ältere und Jüngere). Im Schnitt ist dann erreicht, wovor Demoskopen seit Jahrzehnten warnen: Ein Berufstätiger wird sich um einen nicht Berufstätigen kümmern.

Dass der finanzielle Aufwand enorm sein wird, steht außer Streit. Aber die sich wandelnde Situation stellt das Gesundheits- und Pflegewesen auch vor praktische Probleme. Das nationale Forschungsinstitut Gesundheit Österreich nennt als Zahl für 2012 rund 45.000 Vollzeitstellen im Pflegebereich. Schon 2025 werden aber knapp 68.000 gebraucht. Die muss man erst einmal finden - zehn Jahre sind keine lange Zeit, vor allem, wenn man bedenkt, dass es auch wieder viele Abgänger geben wird.

Neue Ausbildung geplant

In die Pflege von bedürftigen Menschen sind grundsätzlich viele Berufsgruppen eingebunden - man denke an soziale Dienste. Im Pflegesektor soll die Ausbildung nun auf neue Beine gestellt werden. Der Entwurf zum Gesundheits- und Krankenpflegegesetz ging am Mittwoch in Begutachtung. Pflegefachkräfte sollen damit künftig über drei Modelle ausgebildet werden, für den gehobenen Dienst ist die Ausbildung ausschließlich im akademischen Bereich vorgesehen. Die Umsetzung erfolgt in Stufen.

Fix ist bereits, dass es künftig drei Schienen geben soll. Die bisherige Pflegehilfe wird künftig Pflegeassistenz heißen. Diese Ausbildung soll ein Jahr dauern. Pflegeassistenten sollen künftig keine administrativen, hauswirtschaftlichen und logistischen Tätigkeiten mehr übernehmen. Die Assistenten können sich zu Pflegefachassistenten weiterbilden lassen. Diese bekommen weitere Kompetenzen, die Ausbildung dauert gesamt zwei Jahre. Die gehobenen Pflegefachkräfte sollen künftig ausschließlich im akademischen Bereich an Fachhochschulen ausgebildet werden.

Wie viele Menschen Pflegegeld beziehen

Wenn in Österreich über die „Pflegemisere“ gesprochen wird, dann ist meist jener Bereich gemeint, in dem Menschen über einen längeren Zeitraum hin pflegerisch oder therapeutisch betreut werden - also nicht der Job der Krankenschwester in der Notaufnahme. Als eine Zahl - die nicht alle, die gepflegt werden, umfasst - kann die Zahl der Pflegegeldbezieher genannt werden. Das beginnt mit Stufe eins, bei der 60 Stunden an Pflege pro Monat anfallen und endet bei Stufe sieben, was die ständige Betreuung einer bewegungsunfähigen Person bedeutet.

Die Höhe des Pflegegeldes reicht von rund 150 Euro (Stufe eins) bis circa 1.700 Euro (Stufe sieben). Insgesamt haben in Österreich nach Zahlen des Sozialministeriums mit Stand Jänner 2015 rund 458.000 Menschen Pflegegeld bezogen.

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