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Kopilot im Visier der Ermittler

Die letzten Worte aus dem Cockpit der seit über einer Woche verschollenen malaysischen Passagiermaschine hat laut Erkenntnissen der Fluggesellschaft der Kopilot gesprochen. Der Gruß „In Ordnung, gute Nacht“ sei ersten Ermittlungen zufolge von Fariq Abdul Hamid gekommen, sagte der Chef von Malaysia Airlines, Ahmad Jauhari Yahya, am Montag vor Journalisten.

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Diese letzten, ruhig klingenden Worte wurden übermittelt, nachdem das Kommunikationssystem ACARS manuell abgeschaltet worden war. Der Funkspruch ging um 1.19 Uhr Ortszeit rund 40 Minuten nach dem Start an die malaysische Bodenkontrolle. Die Kontrolleure hatten den Piloten kurz zuvor mitgeteilt, dass sie in Kürze vietnamesischen Luftraum erreichen würden. Das letzte Signal des ACARS an Bord war um 1.07 Uhr abgesetzt worden.

Verkehrsminister Hishammuddin Hussein

Reuters/Damir Sagolj

Der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein

Nächstes Signal blieb aus

Es hätte eine halbe Stunde später das nächste Signal senden müssen, wurde den Ermittlungen zufolge aber zwischenzeitlich vorsätzlich abgestellt. Zwei Minuten nach den letzten Worten von Fariq wurde auch der Transponder ausgeschaltet, der automatisch Daten an die Flugkontrolle überträgt. Anschließend verschwand die Maschine mit 239 Menschen an Bord von den zivilen Radarschirmen.

Das vermisste Flugzeug der Malaysia Airlines war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking von den Radarschirmen verschwunden, ohne dass zuvor ein Notruf abgesetzt wurde. Eine Flugzeugentführung oder Sabotage im Cockpit erscheint inzwischen immer wahrscheinlicher.

USA: All das führt ins Cockpit

Zuletzt rückten die beiden Piloten immer stärker ins Visier der Ermittler. Auch die US-Geheimdienste konzentrieren sich offensichtlich auf die beiden Piloten. Das bestätigte der Vorsitzende des Heimatschutzausschusses im US-Repräsentantenhaus, Michael McCaul, am Sonntag (Ortszeit) im Fernsehsender Fox News. Nach allem, was er von ranghohen Vertretern der Geheimdienste und Anti-Terror-Experten wisse, „war irgendetwas mit dem Piloten“, sagte McCaul. „Ich glaube, all das führt ins Cockpit, zu dem Piloten und dem Kopiloten.“

Wohnungen von Pilot und Kopilot durchsucht

Am Samstag durchsuchten Fahnder die Wohnungen des Flugkapitäns Zaharie Ahmad Shah und des Kopiloten. Sie warnten zugleich aber vor „voreiligen Schlüssen“. Der 27-jährige Kopilot Fariq wird von Bekannten und Freunden als ruhig und gut erzogen beschrieben. Der Sohn eines ranghohen Beamten soll mit einer anderen Pilotin verlobt sein, die er vor Jahren in der Flugschule kennenlernte. Fariq besuchte regelmäßig die Moschee in seinem Viertel und nahm ab und zu an Islamunterricht teil, wie der dortige Imam Ahmad Sharafi Ali Asrah sagte. Er nannte ihn einen „guten Burschen“.

Pilot hatte selbst gebauten Flugsimulator

Zumindest laut Kenntnisstand vom Wochenende waren außer den Piloten keine anderen Menschen an Bord, die eine 777 fliegen könnten. Das Augenmerk der Ermittler richtet sich dabei auch auf einen Flugsimulator, den sich der Pilot daheim selbst eingerichtet hatte.

Flugkapitän Zaharie Ahmad Shah vor seinem Flugsimulator

Screenshot: Facebook.com/ZahariePilot

Pilot Zaharie Ahmed Schah vor seinem selbst gebauten Flugsimulator

Der Eigenbausimulator mit seinen drei großen Bildschirmen wurde am Samstag aus dem Haus des Piloten abtransportiert. „Wir haben das Gerät in unseren Büros wieder aufgebaut, und Experten untersuchen es jetzt“, sagte ein Behördenvertreter. Warum die Durchsuchung erst eine Woche nach dem Verschwinden des Flugzeuges stattfand, wollte die Polizei nicht erklären. Die Ermittler wollen offenbar nicht ausschließen, dass der Pilot auf dem Simulator Manöver trainierte, die er mit gutem Grund auf den offiziellen Simulatoren nicht übte.

Mitglied einer Oppositionspartei

Über Ahmed Schah ist inzwischen bekannt, dass er Mitglied der Oppositionspartei des Politikers Anwar Ibrahim ist. Dieser war am Vortag des Fluges MH370 wegen des Vorwurfs der Homosexualität zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Ein Parteifreund Zaharies, der Parlamentarier Sivarasa Rasiah, sowie dessen Assistent wiesen jedoch Medienberichte entschieden zurück, wonach der Pilot nach dem Urteil außer sich gewesen sei. Er habe Ibrahim auch nicht persönlich gekannt, sagte Rasiah.

Ahmed Schah war bisher vor allem durch sein Faible für Heimwerken und unzählige Familienvideos, die er im Netz postete, aufgefallen. Außerdem schildern ihn Bekannte schlicht und einfach als begeisterten Piloten, der auch nach 33 Dienstjahren noch von seinem Beruf begeistert war und seinen Eigenbausimulator voll Stolz allen Bekannten vorgeführt haben soll. Pilot und Kopilot hatten zudem nicht darum gebeten, für Flug MH370 eingeteilt zu werden.

Behörden sehen Indizien für Landung

Die Untersuchungen konzentrieren sich inzwischen auf die Durchleuchtung des Hintergrunds aller Personen an Bord - was angesichts der Tatsache, dass erwiesenermaßen mehrere Menschen mit gefälschten Pässen an Bord waren, schwierig werden könnte.

Nachdem die malaysischen Behörden zuletzt zögerlich einräumten, dass man ein Flugzeugunglück aufgrund technischer Ursachen ausschließen könne, heißt es nun, dass es sogar Indizien für eine Landung des Jets gibt. Ohne ins Detail zu gehen, sagte der Chef der malaysischen Behörde für Zivilluftfahrt, Azharuddin Abdul Rahman, am Sonntag gegenüber der Presse, es sei „möglich, dass das Flugzeug auf dem Boden war, als es einige Satellitensignale sendete“.

Signale von auslaufenden Turbinen?

Offenbar gibt es bei Triebwerkhersteller Rolls-Royce Aufzeichnungen über die Leistung der Turbinen, die im Zuge von Wartungszwecken routinemäßig per Satellit gesendet werden. Diese Daten würden eine ordnungsgemäße Landung wohl abbilden - auch wenn durch das Unterfliegen des Radars niemand weiß, wo. Für den malaysischen Premier Najib Razak steht inzwischen jedenfalls fest, dass das Flugzeug „gezielt“ auf einen neuen Kurs gelenkt wurde, den es bis zu sieben Stunden lang flog.

Polizeiauto verlässt das Grundstück von Pilot Zaharie Ahmad Shah

AP

Polizeiermittlungen im Haus des Piloten am Samstag

Malaysias Polizei ermittelt bei dem verschwundenen Flugzeug nun offiziell wegen Entführung, Sabotage und Terrorismus. Das sagte Polizeichef Khalid Abu Bakar am Sonntag in Kuala Lumpur vor der Presse. Im Zuge der Ermittlungen bat Malaysia laut eigenen Angaben die USA, China, Frankreich und nicht näher genannte weitere Staaten um die Weiterleitung von Daten aus der geheimdienstlichen Satellitenüberwachung

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