Themenüberblick

Politik verspricht wachsenden Wohlstand

Die türkische Wirtschaft schaut trotz der politischen Turbulenzen der vergangenen Monate optimistisch in die Zukunft. In den ersten neun Monaten des Jahres wuchs die Wirtschaft nach amtlichen Angaben um etwa vier Prozent und bewegt sich damit in dem von der Regierung angepeilten Korridor. Den EU-Krisenstaaten fühlt man sich überlegen.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Noch für fünf bis zehn Jahre werde man schneller wachsen als die EU-Staaten, prognostizierte die Regierung in Ankara. Dabei war 2013 für die Türkei kein leichtes Jahr. Der Krieg im Nachbarland Syrien trug Instabilität in den Süden der Türkei und hält weiter einen wichtigen Handelsweg versperrt. Mit Ägypten hat sich das politische Verhältnis stark abgekühlt. Die heftigen Demonstrationen gegen die islamisch-konservative türkische Regierung im Sommer verunsicherten Anleger weltweit. Börsenkurse und die türkische Lira gingen in die Knie.

Große Vorhaben angekündigt

Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, deren Erfolg eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung verknüpft ist, verspricht den Wählern wachsenden Wohlstand. In den nächsten drei Jahren will sie 1,8 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen und die Arbeitslosigkeit auf 8,9 Prozent verringern. Fünf Prozent Wachstum sollen es 2014 und 2015 sein, kündigte Finanzminister Mehmet Simsek an. Im vergangenen Jahr hatte es wegen der internationalen Finanzkrise mit einem Wachstum von etwa 2,2 Prozent einen Dämpfer gegeben (2011: 8,5 Prozent, 2010: 9,2 Prozent, Anm.).

Magnet für westeuropäische Firmen

Bis zum Jahr 2023 - dem 100. Jahrestag der Republiksgründung - will die Türkei zum fünftgrößten Maschinenexporteur aufsteigen. Wie die Exportvereinigung für Maschinenbau und Zubehör, MAIB, erklärt, peilt das Land dann Maschinenexporte im Wert von 100 Mrd. Dollar (72,59 Mrd. Euro) an. Zurzeit liegt die Türkei weltweit auf Rang 27. Allerdings hat sich die Produktion der Maschinenbauer in den vergangenen zehn Jahren von zwei auf nun 14 Mrd. Dollar gesteigert.

Der wirtschaftliche Erfolg zieht weitere westeuropäische Unternehmen an. Erdogans Regierung arbeitet daran, die Türkei weiterhin als Drehkreuz für die ganze Region in Position zu bringen. Allerdings kämpft das Land mit einer negativen Handelsbilanz, die sich vor allem aus den erheblichen Energieimporten und einer rasanten Inlandsnachfrage ergibt. Internationale Experten warnen schon länger vor möglichen Schwierigkeiten.

Überschuldung als Problem

Der Regierung macht vor allem die Überschuldung über Kreditkarten Sorge. Die Kreditkartenschulden stiegen von 14 Mrd. türkischen Lira im Jahr 2004 auf nun 82 Mrd. Lira (29,3 Mrd. Euro). Erdogan persönlich warnte seine Bürger vor dem Zahlungsmittel und einer drohenden Schuldenspirale. Ankara will mehr Regulierung. „Wenn Kredite für Exportfinanzierung, die Produktion und Investitionen ausgereicht werden, sagen wir Ja. Wir werden Nein sagen, wenn es nur um mehr Konsum geht“, sagte Vizeregierungschef Ali Babacan im November.

Links: