Fünf involvierte Banken im Visier
Nach dem Skandal um Zinsmanipulationen infolge von Händlerabsprachen großer Investmentbanken droht der Finanzbranche nun ein weiterer Eklat. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal Deutschland“ („WSJ“) nehmen europäische Finanzbehörden den Gold- und Silberhandel unter die Lupe. Insbesondere geprüft werden Prozesse bei der Festlegung des Preises.
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An dieser Preiserstellung ist traditionell eine Handvoll europäischer Banken beteiligt - so laufen nun Ermittlungen gegen die britische Barclays, HSBC, Bank of Nova Scotia, die französische Societe Generale und gegen die Deutsche Bank. Schließlich sind es diese Banken, die sich zweimal täglich via Telefonkonferenz in Verbindung setzen und im Zuge des Goldfixings über den Goldpreis übereinkommen. Ein Richtwert für den Preis ist die Zahl der Käufer und Verkäufer - der Preis gilt als fixiert, wenn die Zahl der beiden Gruppen ausgeglichen ist.
„Schauen uns Prozesse an“
Beim Silberfixing sind HSBC, Bank of Nova Scotia und Deutsche Bank involviert - diese Banken konferieren dazu einmal täglich. Entsprechend ist die Deutsche Bank im Gold- und Silberpreisfixing eine maßgebliche Adresse. Laut dem Bericht prüft die deutsche Finanzaufsicht BaFin, ob im Metallhandel Missbrauch mit Insiderwissen betrieben wurde. „Die BaFin schaut sich neben LIBOR und EURIBOR auch andere Prozesse wie das Gold- und Silberpreisfixing bei einzelnen Banken an“, sagte ein Behördensprecher gegenüber dem „WSJ“.

Reuters/Olivia Harris
Vom Barclays-Sitz in London aus werden die täglichen Telefonkonferenzen mit vier weiteren Banken abgehalten
Hinweis aus den USA an Briten
Die Untersuchungen würden andauern, hieß es. Von der Deutschen Bank war dazu keine Stellungnahme einzuholen. Auch die britische Finanzdienstleistungsaufsicht (Financial Conduct Authority, FCA) habe Untersuchungen gegen betroffene Banken eingeleitet, zitierte das „WSJ“ eine mit den Prüfungen vertraute Person. Reaktionen von Banken selbst blieben bisher aus - Details nannten auch BaFin und FCA mit Verweis auf die laufenden Untersuchungen nicht.
Doch die Frage nach den unklaren Vorgängen beim Gold- und Silberfixing sorgt bereits seit längerem für Diskussionen: Zu Jahresbeginn brachte die US-amerikanische Aufsichtsbehörde für den Warenterminhandel (Commodity Futures Trading Commission, CFTC) das Thema gegenüber der britischen FCA zur Sprache. Damals hieß es, das Goldfixing solle einer Prüfung unterzogen werden - schließlich lade das Verfahren zu Missbrauch ein, so die Argumentation aus den USA.
Handel intransparent
Nicht nur in Sachen Preisfestlegung liegt vieles im Dunkeln, auch der Handel mit den Edelmetallen unterliegt bemerkenswerter Intransparenz, schließlich werden nicht alle Aufträge über den Future-Markt abgewickelt (Gold wird hier in Form von Futures gehandelt, Anm.), wo die Handelsbedingungen klar definiert und vorgeschrieben und dadurch letztlich transparent sind.
Stattdessen wird insbesondere Gold auf dem Spotmarkt direkt gehandelt - das bringt mit sich, dass es keine zentrale Datenquelle für den gehandelten Preis gibt. „Der Gold-Spotmarkt ist nicht so transparent wie börsennotiertes Gold“, sagte Rohstoffanalyst Andrej Kryuchenkow von VTB Capital dem „WSJ“. „Es ist ein sehr liquider und großer Markt, deshalb wird es hier mehr Überprüfung geben.“
Ölpreise, Währungen und Zinsen im Fokus
Neben der Preisermittlung der Edelmetalle überprüfen die Behörden derzeit auch Leitindizes für Ölpreise, Währungen und Zinsen. Der Stein kam ins Rollen, als Händlerabsprachen großer Investmentbanken bei der Festsetzung der Referenzzinssätze LIBOR und EURIBOR bekanntwurden. Nach und nach kamen auch Verabredungen im Devisenhandel ans Licht. Händler nutzten nach derzeitigen Erkenntnissen Informationsvorsprünge, um Aufträge mit Eigeninteresse rechtzeitig zu platzieren. Mehrere Banken zahlten für die jahrelange Manipulation der wichtigen Bankenzinssätze bereits Strafen in Milliardenhöhe.
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