Datenschützer warnen vor Missbrauch
Geht es nach dem Innenministerium, werden Ausweise in Zukunft nicht mehr analog in Kartenform, sondern digital ausgestellt. Ein entsprechender Vorstoß in Form eines Altersausweises für Jugendliche in Niederösterreich sorgt allerdings für heftige Diskussionen: Denn entgegen der Ankündigung von Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ist dieser offenbar doch nicht „fälschungssicherer“.
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Es hat nur wenige Tage gedauert, bis die neue Jugend-App mit Ausweisfunktion von Hackern als nicht ganz so sicher vorgeführt wurde, wie bei der Vorstellung vergangene Woche vermittelt wurde. Am Mittwoch hatten Mikl-Leitner und Niederösterreichs Jugendlandesrat Karl Wilfing (ÖVP) den digitalen Jugendausweis als „fälschungssicherer“ als die bisher gebräuchliche analoge Jugendkarte vorgestellt. Als Begründung führte Mikl-Leitner an, dass die App nur einmal heruntergeladen werden kann und Jugendliche ihr Handy nur selten an andere verleihen.
Angriff erfolgte prompt
Die Aussage zur Fälschungssicherheit war eine Steilvorlage: Am Wochenende erfolgte ein Angriff auf die Server des Entwicklers Bedengler, dabei sollen Daten von einem anderen Projekt entwendet worden sein, jedoch keine Daten von der Jugend-App. Laut dem Hackerkollektiv von Anonymous (Anon) Austria ist auch die App nicht vor Angriffen und Manipulationen geschützt. Sobald eine gültige Jugendkarte über die App erstellt wurde, könne man diese beliebig oft duplizieren und mit geringem Aufwand auch verändern, hieß es gegenüber ORF.at. Beweise dafür wurden nicht erbracht.

Verein Jugend:info Niederösterreich
Screenshot der App
Laut Anon Austria soll auch die Kommunikation zwischen App und Server teilweise unverschlüsselt ablaufen. Das konnte für die Android-Version nachvollzogen werden. Als Vorsichtsmaßnahme wurde nach dem Angriff auf den Server des Entwicklers laut Projektleiter Martin Trümmel der Server der Jugend-App für Analyse und Updates offline genommen. Man versuche das „Beste daraus zu machen“ und die App niet- und nagelfest zu machen, hieß es von den Zuständigen.
Keine Garantie für Sicherheit
Der Ausweis sei nach hohen technischen Standards gesichert, hieß es auf Rückfrage dazu aus dem Büro des Jugendlandesrats, man könne aber nie ausschließen, dass eine App komplett nachgebaut werde - ein Nachbau sei allerdings auch nicht so einfach. „Wir haben es so schwer wie möglich gemacht“, die App zu fälschen, so das Büro von Landesjugendrat Wilfing. Meldungen, wonach die App und der Ausweis selbst gehackt sind, wies Wilfings Sprecher Florian Liehr von sich. Der Angriff auf den Server soll laut Liehr strafrechtlich verfolgt werden.
Auch im Innenministerium gibt man zu, dass es keine Garantie gebe, dass etwas zu 100 Prozent fälschungssicher ist, egal ob analog oder digital. „Man muss sich permanent überlegen, wie man Missbrauch einen Riegel vorschieben kann“, hieß es aus dem Büro der Innenministerin gegenüber ORF.at. Physische Dokumente wie ein Reisepass würden auch immer wieder gefälscht, trotz immer neuer Sicherheitsmerkmale.
Digitaler Reisepass soll kommen
Die Sicherheit digitaler Identitäten zu garantieren sei eine Herausforderung, verwies Mikl-Leitner bei der App-Präsentation am Mittwoch auf die „Zukunftsmusik“, dass in absehbarer Zeit auch Führerschein und Personalausweis in digitaler Form zu haben sein werden. Dafür brauche es aber europa- und auch weltweit gültige Regeln, weil diese Dokumente auch überall gültig sein müssen, konkretisierte am Montag das Ministerium. Ob das überhaupt realisierbar ist, muss sich erst zeigen.
Gewöhnung an Bürgerkarte?
Für Datenschützer und Sicherheitsexperten Andreas Krisch ist die Jugend-App vor allem ein niederschwelliger Vorstoß, das Konzept der Bürgerkarte für Behördengeschäfte in die breitere Masse zu bekommen. Mit der Jugend-App würden die Kinder daran gewöhnt, ständig ein Handy mit sich zu tragen, über das im Fall des Falles auch jede ihrer Aktivitäten getrackt werden kann.
Das Sammeln von Daten per se sei weniger ein Problem als die Frage, was mit den Daten dann passiert - gerade wenn sie an einem zentralen Punkt zusammenlaufen. Dann sei eine komplette Überwachung sehr einfach möglich, so Krisch. Daher sei die Architektur der Datenabfrage wichtig: So könnte man etwa auch rein Attribute abfragen, also etwa, ob die Person bereits 18 Jahre alt oder ein Bürger der Stadt Wien ist.
Warnung vor ungleicher Machtverteilung
Er warnt zudem vor einer ungleichen Machtverteilung: „Wenn ein Geschäft einen digitalen Ausweis für den Altersnachweis verlangt, bekommt es dadurch weitaus mehr und vor allem wertvollere Daten“. Gerade offiziell bestätigte Daten seien besonders wertvoll und würden dem Geschäft den Vorteil bieten, noch mehr über seinen Kunden in Erfahrung zu bringen - ohne dass dieser etwas dagegen unternehmen kann. Daher sei es besonders wichtig, das Datenschutzrecht entsprechend zu stärken und auch den Staat zur Datenminimierung zu verpflichten. Eine Gefahr sieht Krisch darin, dass den Jugendlichen vermittelt wird, „dass alles fälschbar“ und damit „nur ungefähr sicher“ ist.
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