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Steigende Anzeigen, enorme Dunkelziffer

Studien zufolge werden 17 Prozent aller Frauen Opfer von sexuellen Angriffen. In der US-Armee ist diese Rate noch viel höher. Zwischen 23 und 33 Prozent der Soldatinnen sind Übergriffen ausgesetzt. Angezeigt wird nur ein Bruchteil der Fälle - und die Täter kommen meist davon.

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2011 wurden in der US-Armee mehr als 3.000 sexuelle Angriffe von Frauen angezeigt - Tendenz steigend. Die Dunkelziffer ist um etliches höher. Laut internen Zahlen geht man von 19.000 Fällen pro Jahr aus. Das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt, doch bisher hatte jede Ankündigung einer „Null-Toleranz-Politik“ praktisch keine Folgen gehabt.

Panetta will handeln

Das solle sich nun ändern, sagte auch Verteidigungsminister Leon Panetta im Februar im Kongress: Man müsse die Kommandostruktur viel sensibler für dieses Thema machen, forderte er. Zudem will der den Opferschutz verbessern und Anlaufstellen innerhalb der Armee schaffen. Auch härtere Strafen für Täter werden gefordert.

Tatsächlich sieht die Lage aber trist aus: Vor einigen Jahren sollte eine Plakatkampagne für eine Sensibilisierung von Soldaten sorgen. Die Schlagzeile „Frag sie noch einmal, wenn sie wieder nüchtern ist“, spricht aber eine eindeutige Sprache. Denn Alkohol spielt bei drei Vierteln aller Missbrauchsfälle in der Army eine Rolle, so eine Studie.

Kaum Strafen

Die „New York Times“ berichte Anfang März unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, dass 2010 gerade 21 Prozent der Anzeigen vor Gericht gelandet sind, bei denen endete gerade die Hälfte in Verurteilungen. Sechs Prozent der Angeklagten mussten die Armee verlassen. Häufig gebe es nur geringfügige Strafen. Angesichts dieser Zahlen sei es logisch, dass so viele Soldatinnen einen Missbrauch nicht melden.

Erschwert wird die Situation durch die hierarchische Struktur: In vielen Fällen sind die Täter ranghöher - und nicht selten sogar direkte Vorgesetzte. Und im Vergleich zu anderen Berufen sind die Verbindungen zu den Kollegen intensiver und dichter: Auch entsprechende Untersuchungen von Vorfällen finden innerhalb der Armee und der Kommandostrukturen statt - und nicht von Unbeteiligten von außen. Vor allem bei Einsätzen gibt es zudem kaum Chancen, dem Umfeld zu entkommen.

Die Kongressabgeordnete Jackie Speier, die über einen Gesetzesantrag unabhängige Untersuchungen außerhalb der Kommandokette bei Missbrauch fordert, meint, dass häufig die Opfer noch zusätzlich bestraft würden. In ihren Einheiten würden sie geschnitten und ignoriert. In manchen Fällen werden Frauen auch psychische Probleme unterstellt und sie damit aus dem Dienst entlassen, so Speier laut dem Fernsehsender CBS.

Keine „echten Vergewaltigungen“

In einer ausführlichen Reportage schilderte im Februar auch die Zeitschrift „Rolling Stone“ den Umgang mit Missbrauch in der Army. Vor allem dann, wenn Vorgesetzte Belästigungen nicht ahnden, wird ein Klima geschaffen, das auch sexuellen Missbrauch befördere, heißt es da. Und selbst in den Abteilungen zur Aufklärung von Straftaten in der Armee werde den Opfern häufig nicht geglaubt, schildert eine Soldatin, die drei Jahre in einer solchen Stelle gearbeitet hat. Dort habe es oft geheißen, dass „echte Vergewaltigungen fast nie“ geschehen würden. Und auch „Ich habe nicht eine echte Vergewaltigung gehabt, das ist doch alles Blödsinn“, hätten Kollegen gesagt.

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