Schiff kenterte und fing Feuer
Bei einem neuen Flüchtlingsdrama vor der italienischen Mittelmeer-Insel Lampedusa sind am Donnerstag Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Jüngsten Angaben zufolge sollen sich noch mindestens 40 Todesopfer im Wrack des gesunkenen Schiffes befinden. Bereits zuvor konnten über 90 Menschen nur noch tot geborgen werden.
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Den Angaben zufolge kenterte ein Schiff mit 500 Personen vor der kleinen Nachbarinsel Isola dei Conigli und geriet in Brand. Rund 150 Menschen konnten bisher lebend geborgen werden, so die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini. Von der Küstenwache wurden laut „Corriere della Sera“ und „Repubblica“ bereits 94 Leichen geborgen. Im später entdeckten Wrack sollen sich noch mindestens 40 weitere Todesopfer befinden. Italienischen Medienberichten zufolge könnte die Opferzahl angesichts der zahlreichen Vermissten noch auf über 300 ansteigen.

Reuters/Nino Randazzo/ASP press office/
Überlebende des Unglücks im Hafen von Lampedusa
Unter den Todesopfern befinden sich laut Nicolini auch Kinder und mehrere Frauen. Die Zahl der Überlebenden und auch die Zahl der Todesopfer sei nur provisorisch, betonten die Sicherheitskräfte gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA. „Es ist furchtbar, furchtbar, sie hören nicht auf, neue Leichen zu bringen“, so Nicolini weiter.
Feuer selbst angezündet?
Bei den Flüchtlingen, die sich an Bord des in Brand geratenen Schiffes befanden, soll es sich mehrheitlich um Menschen aus Somalia, Ghana und Eritrea handeln. Ein mutmaßlicher Schlepper, der die Überfahrt der Flüchtlinge nach Lampedusa organisiert haben soll, wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren.
Nicolini sagte dem Sender Sky TG24, Überlebende hätten geschildert, sie hätten selbst ein kleines Feuer angezündet, um die Küstenwache zu alarmieren, nachdem ihr Schiff eine Panne gehabt habe. Doch habe sich das Feuer ausgebreitet, es sei zur Panik gekommen, und das Schiff sei dann umgekippt.

APA/ORF.at
Lampedusa ist wegen seiner Nähe zu Afrika seit Jahren Ziel Tausender Flüchtlinge
Zwei Fischerboote hatten den Alarm gegeben, woraufhin die Küstenwache und der Zoll jeweils ein Schiff entsandten. Auch mehrere Helikopter waren im Einsatz. Als Erstes hätten Menschen geholfen, die mit Freizeitbooten an der Unglücksstelle eintrafen, sagte Antonio Cancela, ein Mitarbeiter der Rettungskräfte.
Zweites Flüchtlingsboot erreichte Insel
Wegen des guten Wetters versuchen zurzeit besonders viele Flüchtlinge, die meisten von ihnen aus Krisenstaaten wie Ägypten und Syrien, in kaum seetauglichen Booten von Afrika über das Meer nach Lampedusa und Sizilien zu gelangen. Am Donnerstag war neben dem Unglücksschiff ein weiteres mit 463 Migranten auf Lampedusa angekommen. Sie wurden in das Auffanglager der Insel geführt, in dem sich zurzeit 700 Personen befinden.
Am Mittwochabend waren weitere 117 Flüchtlinge an Bord eines Bootes gerettet und in den Hafen der sizilianischen Stadt Syrakus gebracht worden. Am Montag kamen 13 Einwanderer aus Ägypten ums Leben, als ihr Schiff vor der Küste Siziliens unterging.
„Globalisierung der Gleichgültigkeit“
Regierungschef Enrico Letta sprach von einer „riesigen Tragödie“. Innenminister Angelino Alfano soll in den kommenden Stunden auf Lampedusa eintreffen. Eine in Rom geplante Pressekonferenz Alfanos über die politischen Entwicklungen nach der von der Regierung Letta bewältigten Vertrauensabstimmung wurde abgesagt. Verkehrsminister Maurizio Lupi forderte von der EU und der internationalen Gemeinschaft eine gemeinsame Initiative zur Bekämpfung des Flüchtlingsstroms über das Mittelmeer.
Die Präsidentin der Abgeordnetenkammer, Laura Boldrini, ehemalige Sprecherin des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR), warnte vor einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“. Das Drama vor Lampedusa sei das Ergebnis fehlender Beschlüsse in puncto Migrationspolitik, so Boldrini.
„Europa muss Maßnahmen ergreifen, um die dramatischen Migrantenfahrten über das Mittelmeer zu verhindern“, sagte der ehemalige Pfarrer der Kirche San Gerlando von Lampedusa, Stefano Nastasi. Auch Papst Franziskus zeigte sich über das neue Flüchtlingsdrama erschüttert. Erst im Juli hatte der Papst Lampedusa besucht. Er wollte auf das Schicksal Tausender Bootsflüchtlinge aufmerksam machen, die ihr Leben riskierten, um nach Europa zu gelangen - mehr dazu in religion.ORF.at.
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