Themenüberblick

„Wäre er schwul, stünde er nicht vor Gericht“

Russlands Präsident Wladimir Putin hat Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi gegen Kritik wegen dessen angeblicher sexuellen Beziehung zu einer minderjährigen Prostituierten in Schutz genommen.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

„Berlusconi steht vor Gericht, weil er mit Frauen zusammenlebt. Wäre er ein Homosexueller, hätte ihn niemand auch nur mit einem Finger angerührt“, sagte Putin auf einer Diskussionsveranstaltung im russischen Waldai. Das Publikum reagierte mit Gelächter.

Putin wird von Kritikern eine homosexuellenfeindliche Haltung vorgeworfen. Bestätigt sehen sie sich unter anderem durch ein von ihm in diesem Jahr unterzeichnetes Gesetz, das die Verteilung von Informationen über Homosexualität an Minderjährige verbietet.

Seit Jahren Freunde

Berlusconi und Putin gelten als Freunde. Der italienische Milliardär wurde im Juni zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil er bezahlten Sex mit der früheren Nachtclub-Tänzerin Ruby gehabt haben soll, als diese noch unter 18 Jahre alt war. Berlusconi hat gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil Berufung eingelegt. Der Medienmogul steht zudem unter Druck, weil er zusätzlich in einem anderen Fall wegen Steuerbetrugs verurteilt wurde.

Die Skandale rund um Berlusconi belasten Italiens ohnehin brüchige Regierungskoalition unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Enrico Letta, an der Berlusconis Mitte-rechts-Lager beteiligt ist.

Putin wirft Westen Sittenverfall vor

Im Streit über staatlichen russischen Druck gegen Lesben und Schwule warf Putin dem Westen übertriebene politische Korrektheit vor. „Sie verfolgen eine Politik, die kinderreiche Familien und gleichgeschlechtliche Partnerschaften auf eine Stufe stellt.“ Zugleich beklagte er einen Sittenverfall. Im Westen gebe es sogar Versuche, Pädophilenparteien zu genehmigen, behauptete Putin bei einem internationalen Diskussionsforum. „Dieser Weg führt direkt zur Erniedrigung und in eine Moralkrise.“

Links: