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Auch IWF in Sorge

China - die Delegation beim G-20-Gipfel in Russland wird von Staatspräsident Xi Jinping angeführt - hat die USA aufgefordert, in ihrer Geldpolitik die „beträchtlichen Nebenwirkungen“ für aufstrebende Volkswirtschaften zu berücksichtigen.

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Beim Gipfel der Industrie- und Schwellenländer (G-20) in St. Petersburg sagte Vizefinanzminister Zhu Guangyao am Donnerstag, China begrüße das wiederbelebte Wachstum in den USA, das gut für die Weltwirtschaft sei. Der angekündigte Abschied von der ultralockeren Geldpolitik der USA sorge aber für große Probleme in Schwellenländern, die Kapitalabflüsse und Abwertungsdruck auf ihre Währungen erlebten.

Es sei aber noch nicht so schlimm, dass über Rettungspakete gesprochen werden müsse. Das am stärksten betroffene Land, Indien, hat laut der russischen Gipfelkoordinatorin Xenia Judajewa bisher nicht die anderen Schwellenländer wegen des Verfalls seiner Währung kontaktiert - trotz eines öffentlichen Appells in der Vorwoche, andere Länder sollten die Rupie stützen.

„Keine besonderen Maßnahmen“

„Wir haben uns bisher auf keine besonderen Maßnahmen verständigt“, sagte Judajewa. Jene Länder, die zuletzt die größten Kapitalabflüsse hinnehmen mussten, seien auch jene mit den schwächsten Wirtschaftsdaten, so Judajewa. In den meisten betroffenen Volkswirtschaften kämen selbst gemachte Probleme und internationale Faktoren zusammen.

Chinas Vize-Finanzminister Zhu Guangyao

Reuters/RIA Novosti/Roman Yandolin

Chinas Vizefinanzminister Zhu fordert von den USA Rücksicht

Der Chef der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, hatte zuletzt eine Flucht aus den Währungen, Aktien und Staatspapieren der Schwellenländer in den Dollar ausgelöst, als er im Mai erstmals ein Zurückfahren der extrem lockeren Geldpolitik ankündigte. Derzeit überschwemmt die US-Notenbank die Finanzmärkte durch ihr Anleihekaufprogramm mit 85 Milliarden Dollar monatlich. Auf den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die Fed noch im September erste Schritte zum Einbremsen des ungewöhnlichen Stimulusprogramms startet. Da, so befürchten Experten, wird weltweit enorme Folgen haben, da sich das Finanzsystem an die billige und unbeschränkte Versorgung mit Dollars gewöhnt hat.

Indiens Wirtschaftsstaatssekretär Arvind Mayaram appellierte an den G-20-Gipfel, eine klare Stellungnahme abzugeben, dass alle Länder der Gruppe die Besorgnis über mögliche negative Effekte teilen. Laut Mayaram würde das einen „deutlich beruhigenden Effekt auf die Märkte in den Schwellenländern haben“.

Xi muss Sorgen zerstreuen

Chinas Staatschef Xi Jinping muss bei seinem ersten großen Auftritt auf der Weltbühne eine für Peking ungewohnte Rolle einnehmen: Xi muss die Sorgen über das langsamere Wachstum in China zerstreuen.

Auch IWF besorgt

Im Vorfeld des Gipfels hatte sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF) besorgt geäußert: Das Einbremsen der Anleihekäufe durch die Fed „könnte Wechselkurs- und Finanzmarktübertreibungen in den Volkswirtschaften von Schwellenländern auslösen, während diese gerade dabei sind, mit eigenen hausgemachten Schwächen und einem langsameren Wachstum umzugehen“, warnte der IWF in einem Papier für den G-20-Gipfel, das Reuters am Mittwoch vorlag.

Als Beispiele nennt der IWF Brasilien, Indien, Indonesien, die Türkei und Südafrika. Sie stünden gleich doppelt unter Druck: durch die Ankündigung eines baldige Zurückfahrens der ultralockeren Fed-Geldpolitik und durch schlechtere Fundamentaldaten in der eigenen Volkswirtschaft. In dem IWF-Papier ist von einer wachsenden Überzeugung auf den Märkten die Rede, dass die USA auf den Wendepunkt in ihrer Geldpolitik zusteuern.

Teilweise werde bereits für September damit gerechnet, dass die Fed ihre Bondkäufe drosseln könnte. Die Folge dieser Überlegungen sei, dass die Renditen für US-Bonds bereits gestiegen seien. Zudem fließe anlagesuchendes Kapital wieder in die Industrieländer und verlasse die Schwellenländer. Das habe zusammen mit Problemen im Inland die Wechselkurse von Schwellenländern mit hoher Teuerung oder hohen Außenhandelsdefiziten unter Druck gebracht.

Auch IWF für Interventionen

Der IWF riet den Schwellenländern, Schwankungen ihrer Wechselkurse als Folge schwächere Fundamentalentwicklungen in der Wirtschaft zuzulassen. Sie sollen sich aber auch wappnen gegen übermäßige und ungeordnete Wechselkursbewegungen. Dabei hält der IWF in solchen Fällen auch Devisenmarktinterventionen jener Länder für vertretbar, die über angemessene Reserven verfügen.

Was die lockere Geldpolitik in den Industrieländern und den Abschied davon angeht, so fordert der IWF „eine klare Kommunikation über die Intentionen der Zentralbank“. Das sei „lebenswichtig, um dabei zu helfen, neue finanzwirtschaftliche Exzesse oder abrupte Umsteuerungen des Kapitalflusses zu verhindern“. „Es gibt durchaus Raum für eine bessere Zusammenarbeit beim Rückführen von unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen, insbesondere durch breitere Zentralbank-Diskussionen von Exitplänen“.

Der IWF forderte die Länder auf, zusätzlich Strukturreformen und glaubwürdige Konsolidierungspläne voranzutreiben, um mehr Finanzstabilität zu schaffen. Das gelte etwa für die USA und Japan. Deutschland könnte durch eine Förderung inländischer Investitionen etwas für den Abbau globaler Ungleichgewichte tun.

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