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Gute Kontakte nach Saudi-Arabien

Lange hat die syrische Opposition über einen neuen Vorsitzenden gestritten. Am Wochenende wählte die Nationale Koalition in Istanbul einen neuen Präsidenten.

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Sie ernannte am Samstag bei ihrer Generalversammlung in Istanbul den Juristen und Geschäftsmann Ahmed Assi al-Dscharba zu ihrem Präsidenten, wie die Koalition mitteilte. Der von Saudi-Arabien unterstützte Stammesführer gehört der moderaten demokratischen Gruppe des Dissidenten Michel Kilo an. Als einer der Vizepräsidenten sei der Vertreter der Muslimbruderschaft, Faruk Tajfur, gewählt worden, hieß es weiter.

Der bisher weitgehend unbekannte neue Präsident der Nationalen Koalition machte selbst bittere Erfahrungen mit dem Regime von Präsident Baschar al-Assad: Nach Angaben der Koalition wurde Dscharba zu Beginn des Aufstands im März 2011 vom berüchtigten Geheimdienst festgenommen und verhört.

Vorgänger warf aus Protest das Handtuch

Dscharba folgt auf Muas al-Chatib, der den Vorsitz im April aus Protest gegen die Untätigkeit der Staatengemeinschaft niedergelegt hatte. Der moderate Prediger äußerte sich enttäuscht über das Engagement der internationalen Staatengemeinschaft im Syrien-Konflikt. Sein Stellvertreter George Sabra - ein Linker und Christ - hatte den Interimsvorsitz übernommen.

Ursprünglich hätte bereits im Mai ein neuer Vorsitzender gewählt werden sollen. Zwischen den verschiedenen Strömungen gab es lange Zeit Streit darüber, wer Chatib nachfolgen sollte. Die Generalversammlung der Nationalen Koalition in der türkischen Metropole sollte ursprünglich bereits am Freitag enden. Die Wahl des Vorsitzenden zog sich dann aber bis Samstag hin.

Tiefe Gräben durch Koalition

Dscharba setzte sich im zweiten Wahlgang mit 55 zu 52 Stimmen gegen den von Katar unterstützen Kandidaten des Lagers der Muslimbrüder - Mustafa al-Sabbagh - durch. Dscharba und seine neu gewählten Stellvertreter müssen nun die tiefe Spaltung der Koalition überwinden. Aus Protest über seine Ernennung legte am Montag der Chef der Schattenregierung, Ghassan Hitto, seine Funktion zurück. Hitto, ein Syrer kurdischer Abstammung, war ebenfalls von Katar unterstützt worden, das die islamistische Muslimbruderschaft fördert.

Weil dem Sammelbecken der Assad-Gegner eine klare Struktur fehlte und auch radikale Islamisten mitkämpfen, zögert der Westen bisher mit Waffenlieferungen. Die Hängepartie in der Koalition blockierte auch die Bemühungen um eine internationale Friedenskonferenz für das Bürgerkriegsland.

Dscharba sagte der Mitteilung der Koalition zufolge, in seiner neuen Funktion habe für ihn zunächst die Lage in der umkämpften Stadt Homs Priorität. Das Oppositionsbündnis rief die Internationale Gemeinschaft dazu auf, „das syrische Volk vor Assads ständigem Artillerieangriff und seinem Einsatz von Chemiewaffen zu schützen“. Unter anderem werde ein „humanitärer Notkorridor“ benötigt, um Zivilisten aus der Stadt zu bringen.

Familiäre Kontakte zu saudischem König

Dscharba wurde 1969 in der nordostsyrischen Stadt Kamischli nahe der türkischen Grenze geboren. In Beirut studierte er Jus, wurde später Geschäftsmann. Der Sunnit spielte in den vergangenen Monaten eine zentrale Rolle bei dem Versuch, westliche und arabische Staaten davon zu überzeugen, die Rebellen mit Waffen zu beliefern.

Die Koalition teilte mit, Dscharba habe die „syrische Revolution“ seit Beginn mit medizinischer und militärischer Hilfe unterstützt. Seine guten Kontakte zu Saudi-Arabien beruhen auch auf familiären Beziehungen: Dscharba ist entfernt verwandt mit einer Ehefrau des saudischen Königs Abdullah.

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