Wohnkosten nagen am Haushaltsbudget
Die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt lässt sich in einem einfachen Satz zusammenfassen: Die Preise sind 2012 erneut kräftig gestiegen und sie werden weiter steigen, wenn vielleicht auch nicht mehr im selben Tempo. Wie sich parallel dazu die Einkommen entwickeln, steht auf einem anderen Blatt. Ein Blick zurück zeigt allerdings, dass Wohnen immer mehr vom verfügbaren Haushaltseinkommen auffrisst.
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Laut dem am Dienstag vom Fachverband der Immobilientreuhänder der Wirtschaftskammer (WKÖ) präsentierten „Immobilienpreisspiegel 2013“ zogen die Preise von Bau- und Betriebsgrundstücken über Miet- und Eigentumswohnungen bis hin zu Zinshäusern im vergangenen Jahr weiter an - und das teils deutlich.
Besonders Eigentumswohnungen - Neu- wie auch Altbauten - wurden erneut kräftig teurer, nachdem diese „auch im Vorjahr eine beliebte Geldanlage“ gewesen seien, so der Fachverband. Am stärksten fiel der Preisanstieg (bei Neubauten) mit 9,1 Prozent in Wien aus, in Salzburg kosteten gebrauchte Eigentumswohnungen im Vorjahr um 10,12 Prozent mehr als noch 2011. In Wien waren es 8,33 Prozent.
Neubaueigentum in Wien am teuersten
Der durchschnittliche Quadratmeterpreis lag für Neubaueigentum in Wien 2012 bei 3.598,62 Euro und war der bundesweit höchste. Das zweitteuerste Pflaster war mit 3.321,44 Euro pro Quadratmeter Salzburg. Am billigsten waren Eigentumswohnungen im Neubau im Burgenland (1.583,90 Euro). Bei gebrauchtem Eigentum lagen die durchschnittlichen Quadratmeterpreise bei 2.158,58 (Salzburg) bzw. 2.319,56 Euro in Wien. Schlusslicht war die Steiermark mit 1.078,38 Euro.
Bei Mietwohnungen (mit freiem Mietzins, Anm.) „zeigte die Kurve ebenfalls in allen Bundesländern nach oben“, so der Fachverband. Am stärksten fielen die Preissteigerungen mit plus 5,97 Prozent (auf durchschnittlich 8,16 Euro pro Quadratmeter) in Vorarlberg aus. In Wien seien die Mieten - knapp über dem bundesweiten Durchschnitt von 3,5 Prozent plus - neuerlich um 3,76 Prozent gestiegen: auf 9,11 Euro netto (ohne Betriebskosten) pro Quadratmeter.
Zinshausmarkt „bricht alle Rekorde“
In Wien, so der Fachverband unter Verweis auf eine Studie der Otto Immobilien Gruppe, breche der Zinshausmarkt „derzeit alle Rekorde“. Im Vorjahr hätte sich das Transaktionsvolumen auf 829 Mio. Euro belaufen - der höchste Wert der letzten fünf Jahre.
Die Verkäufer seien zu zwei Drittel Privatpersonen gewesen, auf Käuferseite hätten sich zu über 50 Prozent Unternehmen befunden, die internationale Nachfrage sei „größer denn je“, heißt es in der Presseaussendung des Fachverbands. Die „Großwetterlage“ auf dem Immobilienmarkt verglich Fachverbandsobmann Thomas Malloth in der Aussendung, mit „Schönwetter“, allerdings zurzeit ohne wesentliche weitere „Temperaturanstiege“.
Wie sieht Wohnkostenbelastung aus?
Doch „Schönwetter“ für Investoren und Eigentümer bedeutet mitunter das Gegenteil auf Mieterseite. Höhere Kaufpreise für Immobilien ziehen auch höhere Mieten mit sich. Mit Preisanstiegen, die über der Entwicklung der Einkommen liegen, wird es für manche eng, legen Daten nahe, die im Vorjahr von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) erhoben wurden.
Die OeNB widmete sich unter dem Titel „Wohnkostenbelastung der österreichischen Haushalte“ (Geldpolitik und Wirtschaft Q4/2012) der Frage, wie es um das Verhältnis von Haushaltseinkommen und Kosten für Wohnen und Energie bestellt ist. Ein hauptsächliches Fazit der Studie: Mieter seien stärker belastet als Eigentümer, Wenigverdiener stärker als Haushalte mit einem höheren verfügbaren Einkommen.
Wohnungseigentümer mussten laut der Erhebung, basierend auf einer vom Institut für Sozialforschung (IFES) durchgeführten Umfrage (unter über 2.000 repräsentativ ausgewählten Haushalten), 25 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für das Wohnen (Kreditrückzahlungen, Betriebs- und Energiekosten etc.) aufwenden, Mieter im Durchschnitt 34 Prozent. Besonders im untersten Einkommensviertel sei die Belastung bei Mietern mit 51,3 Prozent sehr hoch. Im obersten Einkommensviertel liegt der Anteil bei Mietern bei 19 Prozent.
Probleme für einkommensschwache Haushalte
Einkommensschwache Haushalte müssten folglich mittlerweile „einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens zur Abdeckung ihrer Wohnbedürfnisse“ aufwenden. Bei ihnen könne ein weiterer Anstieg der Preise bzw. ein Rückgang des verfügbaren Einkommens dazu führen, dass sie ihre Miete nicht mehr zahlen können.
Dasselbe gelte für Haushalte mit noch nicht abbezahltem Eigentum. Eigentümer seien mitunter häufiger verschuldet „und bei der Darlehenstilgung Zinsschwankungen und bei Fremdwährungskrediten zusätzlich Wechselkursschwankungen ausgesetzt“. Eine höhere Wohnkostenbelastung führe dann mitunter dazu, dass die Haushalte bei anderen Ausgaben Abstriche machen müssten, so ein weiteres Fazit der OeNB-Studie.
Neun Prozent der Befragten hätten sich zum Zeitpunkt der Umfrage in einer solchen Situation befunden und auf die Entwicklung in erster Linie so reagiert, „dass sie einen größeren Anteil des Einkommens für Wohnzwecke verwendeten und andere Ausgaben einschränkten“. Im untersten Einkommensviertel hätten über 40 Prozent angegeben, ihre Ausgaben in Richtung Wohnkosten umschichten zu müssen.
Georg Krammer, ORF.at
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