Ermittlungen in zwei Richtungen
Nach zwei Bombenexplosionen beim traditionsreichen Marathonlauf in der US-Ostküstenstadt Boston spricht alles für einen Terroranschlag - auch wegen des symbolträchtigen Datums: Der Bostoner Marathon wird traditionellerweise am Patriots’ Day ausgetragen, der an den Beginn des US-Unabhängigkeitskrieges mit den Gefechten von Lexington und Concord - unweit von Boston - erinnert.
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Nach offiziellen Angaben wurden bei den Anschlägen am Montag mindestens drei Menschen getötet und mindestens 100 weitere verletzt, einige von ihnen schwer. In Medienberichten war von mehr als 140 Verletzten die Rede. Die beiden heftigen Explosionen ereigneten sich am Montag gegen 14.50 Uhr (Ortszeit, 20.50 Uhr MESZ) im Abstand von etwa 15 Sekunden nahe der Ziellinie des Bostoner Marathons. An der ältesten jährlichen Marathonveranstaltung der Welt, die seit 1897 ausgetragen wird, nahmen mehr als 20.000 Läufer teil. Hunderttausende Zuschauer säumten die Straßen.
15. April als „Reizdatum“ für Extremisten
Es gibt noch keine Bekennerbotschaft zu den Anschlägen. Das Datum der Anschläge kann als Spur in zwei Richtungen interpretiert werden: Es eignet sich als Symbol gleichermaßen für rechtsradikale US-Täter wie für islamistische Terroristen. Die Behörden verfolgen beide Ermittlungsrichtungen zugleich, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters Dienstagfrüh unter Berufung auf höchstrangige Geheimdienstkreise.

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Die Orte der Anschläge
Der Zeitpunkt der Attacke spricht demnach für einen Angriff einheimischer Rechtsradikaler, die die Macht des Staates zurückdrängen wollen. Der 15. April ist in den USA auch die Frist für die Abgabe der Steuererklärung, ein sensibles Thema für derartige Extremistengruppen. In dieser Woche - am 19. April - nähern sich zudem zwei Jahrestage mit symbolischer Bedeutung: das gewaltsame Ende der Waco-Belagerung 1993 in Texas und der Anschlag in Oklahoma City 1995, bei dem knapp 170 Menschen ums Leben kamen.
Patriots’ Day und Patriot Day
Als zweite Theorie wird eine Verbindung zu islamischen Extremisten diskutiert. Hierfür spreche die Vorgehensweise, berichtete Reuters unter Berufung auf die laufenden Ermittlungen. Die Zündung zweier Sprengsätze kurz hintereinander bei einem Großereignis sei Thema gerade in englischsprachigen Al-Kaida-Aufrufen an Muslime im Westen, Angriffe selbst mit bescheidenen Mitteln auszuführen. Erst zuletzt seien dabei detaillierte Anleitungen zum Eigenbau und Einsatz von Sprengsätzen verbreitet worden.

APA/AP/The Boston Globe/David L Ryan
Chaotische Szenen direkt nach den Detonationen
Zudem bildet gerade der Patriots’ Day, der nur in den Bundesstaaten Massachusetts und Maine gefeiert wird, eine symbolische Brücke zu den Terrorattacken vom 11. September 2001: Der Jahrestag dieser Anschläge wird seither als landesweiter Feiertag unter dem Titel Patriot Day begangen. Die US-Nachrichtenagentur AP berichtete Dienstagfrüh (Ortszeit) unter Berufung auf Gespräche mit einem hochrangigen Vertreter der pakistanischen Taliban, dass diese radikalislamische Gruppe jegliche Verantwortung für die Anschläge zurückgewiesen habe.
Die Leitung der Ermittlungen übernahm die US-Bundespolizei FBI. Chefermittler Rick DesLauriers wollte Berichte von US-Medien nicht bestätigen, dass mehrere nicht detonierte Sprengsätze entdeckt und unschädlich gemacht worden seien. Auch sonst hielten sich die Behörden bedeckt und wollten etwa Gerüchte über eine Fahndung nach einem Mann in einem Kapuzenpulli, der als möglicher Verdächtiger gelten soll, nicht kommentieren.
Auch 41 Österreicher als Läufer angemeldet
Laut der Website der Organisatoren waren auch 41 Österreicher für den Marathon angemeldet. Es gebe allerdings keine Hinweise darauf, dass sich Österreicher unter den Toten oder Verletzten befänden. Vertreter einer Reisegruppe aus Österreich schilderten ihre Erfahrungen dem ORF Niederösterreich - mehr dazu in oesterreich.ORF.at. Als Reaktion auf die Explosionen erhöhte die Polizei in New York ihre Sicherheitsvorkehrungen. Auch in der Hauptstadt Washington, in Los Angeles und in anderen Städten des Landes galt eine höhere Alarmstufe.
17 Verletzte in kritischem Zustand
Die Profis hatten den Wettkampf längst beendet, und Amateurläufer kamen ins Ziel, als sich das Sportfest in eine blutige Katastrophe verwandelte. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie auf der linken Seite der Strecke hinter bunten Flaggen nach einer Explosion eine dunkle Rauchsäule aufstieg. Läufer wurden von der Wucht zu Boden gerissen. Kurz darauf folgte weiter hinten an der Marathonstrecke eine zweite Detonation.
Unter den drei Todesopfern soll sich Medienberichten zufolge ein achtjähriger Bub befinden. Der Nachrichtensender CNN berichtete, dass mehr als 140 Menschen in Krankenhäusern behandelt würden. Der Gesundheitszustand von mindestens 17 Verwundeten sei „kritisch“. Mehreren Verletzten hätten Beine amputiert werden müssen. Die Ärzte würden den Opfern auch Kugellager aus dem Leib operieren - ein Zeichen dafür, dass die Sprengsätze als Splitterbomben gebaut worden seien. Offenbar wurden auch mindestens acht Kinder verletzt.
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