Folge des „Dreamliner“-Schlamassels
Seit fünf Wochen ist das Flugverbot für Boeings Prestigejet „Dreamliner“ nun aufrecht. Neben den wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch den zum Stillstand gekommenen Absatz muss sich der US-Konzern nun offenbar auch mit Platzproblemen für sein Pannenflugzeug herumschlagen. Dabei sind Boeings neue Schwierigkeiten hausgemacht.
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Schließlich laufen die Rollbänder im größten Boeing-Werk in Everett im US-Bundesstaat Washington, etwa 50 Kilometer nördlich der Metropole Seattle, weiter - und das auf Hochtouren. Auch im Werk in North Charleston im Bundesstaat South Carolina wird die Endfertigung auf 110.000 Quadratmetern unvermindert fortgesetzt.
Die Frage nach dem Wohin
Dieser Umstand treibt seltsame Blüten: So kämpft Boeing mit Platzproblemen, schließlich müssen die gerade zusammengebauten 787-Maschinen irgendwo untergebracht werden. Infolge dessen reiht sich auf der Werksfläche in Everett eine Maschine an die andere, die neuen Flugzeuge stehen faktisch Nase an Heck, auf einem Gelände, das sich insgesamt auf 415 Hektar erstreckt.

AP/Elaine Thompson
Platz an der Sonne: 787 „Dreamliner“ auf dem Boeing-Werksgelände
Mehr Platz für neue „Dreamliner“
Die „New York Times“ („NYT“) zitierte eine Redakteurin eines Fachmagazins, die „schockiert“ am Produktionsgelände in Everett vorbeigefahren sei: „Überall stehen geparkte 787-Maschinen“, berichtete Mary Kirby. Die Zeitung bezieht sich außerdem auf die Aussagen von Insidern, die über Boeings Pläne Bescheid wüssten. Demnach habe das Unternehmen bereits bei zwei der größten Flugzeugabstellplätze um Stellflächen für Maschinen angefragt. Laut den Insidern will das Unternehmen Platz für die „Dreamliner“-Maschinen schaffen, die wegen eines Verbots der US-Luftfahrtaufsichtsbehörde nicht abheben dürfen und so in und um das Boeing-Werk in Everett geparkt werden müssen.
Kosten für Produktionsstopp zu hoch
Boeing setzt die Produktion der Maschinen mit unverminderter Geschwindigkeit fort. Denn ein Anhalten der Förderbänder käme teuer, schließlich besteht eine Reihe von Abkommen mit Zulieferern, die Teile des „Dreamliner“ herstellen und für den Zusammenbau fertig in die Boeing-Produktionsstätten liefern.
Die Motoren werden etwa in Großbritannien hergestellt, der Rumpf kommt aus Italien, und verschiedene Teile der Flügel werden aus Südkorea, Australien und Japan geliefert. Diese Aufträge auf unbestimmte Zeit anzuhalten bzw. zu stornieren käme für Boeing sehr teuer. Die riesigen Teile werden - wie in diesem Blog dokumentiert - weiterhin in 747-„Dreamlifter“-Maschinen, dem weltweit größten Frachtflugzeug, auf den Paine-Field-Flughafen, der unmittelbar neben dem Boeing-Werk in Everett liegt, angeliefert.

Corbis/Rick D'Elia
Möglicher Alternativstandort für neue Boeings: die Wüste Arizonas
„Haben genug Platz“
Doch Boeing streitet durch eigene Flugzeuge verursachte Platzprobleme ab: „Wir haben genug Platz, um unsere Flugzeuge im Everett-Werk unterzubringen“, gab Boeing-Sprecher Marc Birtel gegenüber der „NYT“ per E-Mail an. „Wir werden öffentlich nicht über Fragen der Auslastung in der Zukunft spekulieren“, hieß es weiter.
Zwei „Ausweichquartiere“ stehen dem „NYT“-Bericht zufolge jedenfalls schon für eine Aushilfe parat: Der Abstellplatz Pratt & Whitney’s Southern California Aviation im kalifornischen Victorville bietet laut eigenen Informationen Platz für 330 Flugzeuge. Ein Flugzeugfeld in der Wüste Arizonas (Marana Aerospace Solutions) würde etwa 200 Plätze bereithalten. Es sei nicht unüblich, dass neue Flugzeuge auf solchen Feldern abgestellt werden, so der Geschäftsführer des Marana-Eigentümers Relativity Capital, Joyce Johnson-Miller, gegenüber der „NYT“. Die Firma arbeitet mit Boeing bereits seit längerem zusammen.
Boeing will mit Zehnpunkteplan FAA überzeugen
Ein Ende des Flugverbots für 787-Maschinen ist laut der Flugaufsichtsbehörde nicht abzusehen. Die FAA gab bisher nicht bekannt, wie lange das Flugverbot für den „Dreamliner“ gelten soll. Es wird allerdings erwartet, dass Boeing den US-Luftfahrtaufsehern am Freitag Vorschläge unterbreitet, wie die Brandgefahr bei den eingebauten Batterien beseitigt werden könnte, schrieb das „Wall Street Journal“ am Mittwoch.
Boeing wolle den Vertretern der FAA bei einem Treffen einen Zehnpunkteplan vorlegen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Zu den Vorschlägen zähle die Anbringung eines feuerfesten Gehäuses um die Batterien. Langfristig solle das Batteriedesign geändert werden; kurzfristig sollten die Checklisten für die Piloten vor dem Start erweitert werden. Die Gespräche könnten sich allerdings noch eine ganze Weile hinziehen. Die FAA musste sich bereits Kritik anhören, weil sie das ursprüngliche Batteriedesign genehmigt hatte.
Problem muss noch geklärt werden
Die US-Fluggesellschaft United Airlines glaubt unterdessen nicht an eine baldige Aufhebung. Schließlich überarbeitete die US-Linie ihre Flugpläne, um ihre sechs Maschinen vom Typ 787 bis zum 30. März durch andere Jets zu ersetzen. Wenn absehbar sei, wie lange die „Dreamliner“-Maschinen noch auf dem Boden bleiben müssen, würden „weitere Anpassungen“ vorgenommen, hieß es am Dienstag.
Nach einer Pannenserie in Zusammenhang mit den Lithium-Ionen-Batterien an Bord der Maschinen hatte die FAA Mitte Jänner ein weltweites Flugverbot für die insgesamt 50 „Dreamliner“ verhängt. Auf der Suche nach den Ursachen der Pannen absolvierte Boeing mehrere Testflüge mit der Maschine und stoppte die Auslieferung bis zur Klärung des Problems.
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