Aus dem Stand auf Platz zwei
Der frühere Journalist Jair Lapid war wohl die größte Überraschung bei der israelischen Parlamentswahl. Erst Mitte 2012 gegründet, ist die Partei Jesch Atid des „schönsten Politikers Israels“ nun zweitstärkste Kraft in der Knesset.
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Der Fernsehmoderator und Anchorman ist künftig die Nummer zwei in der neuen Regierung von Likud-Chef Benjamin Netanjahu. Lapid hatte - erfolgreich - damit geworben, dass er die Prioritäten der israelischen Politik ändern wolle. Lapid will gegen Korruption, für Bildung, eine stärkere Verpflichtung der Orthodoxen (etwa in Form eines Wehrersatzdienstes, Anm.) und „zwei Staaten für zwei Völker“ kämpfen. Dementsprechend auch der Name der Partei, der wörtlich übersetzt „Es gibt eine Zukunft“ lautet.
Einige der Forderungen finden sich im aktuellen Koalitionsprogramm wieder - doch erst der politische Alltag wird zeigen, wie viele von Lapids Forderungen tatsächlich umgesetzt werden. Schon bei der angepeilten Verkleinerung der Regierung musste Lapid etwa einige Abstriche machen.
„Neue, saubere Politik“
Lapid verspricht jedenfalls eine „neue, saubere Politik“, wohl auch in Anspielung auf den kürzlich wegen einer Korruptionsaffäre zurückgetretenen Außenminister Avigdor Lieberman. Beobachter kritisierten sein Parteiprogramm aber als „zu schwammig“. Die Bevölkerung scheint den aus Fernsehen und Zeitung bekannten Saubermann jedoch zu lieben. Der gut aussehende, eloquente Tel Aviver will sich bewusst von aktiven Politikern abgrenzen. Er verstehe die Mittelschicht, möchte sie entlasten, sagt er. Zudem will er eine gerechtere Sozialpolitik - unter anderem günstigere Wohnungen für Studierende und Veteranen des israelischen Militärs.
„Lernen, mit den Arabern zu leben“
In Bezug auf die Friedensgespräche mit den Palästinensern signalisierte Lapid Bereitschaft zur Wiederaufnahme, wurde diesbezüglich jedoch nie konkreter. Im vergangenen November hatte er aber in einer Diskussion über den Nahost-Konflikt gesagt, die Israelis müssten „lernen, mit den Arabern zu leben“.
Der 49-Jährige ist der Sohn des verstorbenen stellvertretenden Ministerpräsidenten Josef „Tommy“ Lapid und der Bestsellerautorin Shulamit Lapid. Er trat bis Mai vergangenen Jahres sowohl als Journalist und Kolumnist der Zeitung „Maariv“ sowie des Boulevardblatts „Yedioth Ahronoth“ als auch als Talkmaster und Anchorman auf, beispielsweise bei dem israelischen Fernsehsender Channel 2. Zudem schrieb er Gedichte, Lieder, Bücher und Theaterstücke und betätigte sich als Schauspieler.
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