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Schleppende Bergungsarbeiten

Vor gut 15 Monaten hat das italienische Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ einen Felsen vor der Insel Giglio gerammt und ist gesunken. 30 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Die Bergung des Wracks begann im Sommer, kommt aber nur schleppend voran. Bis September soll das havarierte Schiff noch vor der italienischen Küste liegen.

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Am 13. Jänner 2012 um 21.45 Uhr ereignete sich das folgenschwere Unglück: Die „Costa Concordia“ war gerade auf der Fahrt vom italienischen Hafen Civitavecchia in die ligurische Stadt Savona, als ein lauter Knall zu hören war. Das 290 Meter lange Kreuzfahrtschiff rammte einen Felsen vor der Insel Giglio. Das Schiff hatte 4.229 Menschen an Bord, der Großteil davon befand sich zum Zeitpunkt der Kollision gerade beim Dinner im Speisesaal. Die „Costa Concordia“ neigte sich innerhalb kurzer Zeit stark zur Seite, Teller und Gläser rutschten von den Tischen, und das Licht ging aus.

Costa Concordia umgeben von Bergungskränen

Reuters/Stefano Rellandini

Bergungsarbeiten am Wrack mit Kränen und einer riesigen Arbeitsplattform

Evakuierung erst nach einer Stunde

Unter den Passagieren brach Panik und Chaos aus, aufgeschreckte Menschen liefen zu den Rettungsbooten. Aus den Lautsprechern war allerdings zu hören, dass es lediglich Probleme mit der Stromversorgung gebe. Erst eine Stunde später heulten letztlich die Schiffssirenen zur Evakuierung.

Aufgrund der starken Schieflage konnten die Rettungsboote nur langsam ins Meer gelassen werden. Im Teil des Schiffes, der unter Wasser lag, blieben zahlreiche Menschen eingeschlossen. Gegen 1.00 Uhr waren noch einige Hundert Passagiere an Bord. Rettungskräfte und die Küstenwache zogen etliche Schiffbrüchige aus dem Meer und brachten sie auf die Insel Giglio. Dort versorgten Einwohner die Menschen mit Decken, Mänteln und heißen Getränken. Schulen, Kindergärten und Kirchen wurden für die Opfer des Schiffsunglücks geöffnet.

Noch immer zwei Vermisste

30 Menschen kamen ums Leben, zwei gelten noch immer als vermisst. Bei den Vermissten handelt es sich um ein indisches Crewmitglied und um eine italienische Passagierin. An Bord des Kreuzfahrtschiffes waren auch 77 Österreicher, sie konnten aber alle gerettet werden. Der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) war unter den letzten Passagieren, die das Schiff verlassen konnten.

Bergung teurer als erwartet

Noch immer liegt die „Costa Concordia“, die zur italienischen Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere gehört, wie ein gestrandeter Wal vor der Insel Giglio. Eine riesige Arbeitsplattform und Kräne wurden aufgefahren und sollen die Bergung des Schiffswracks vorantreiben. Die Bergungsarbeiten hatten im Sommer begonnen, gestalteten sich aber schwieriger als erwartet und kamen nur schleppend voran.

Zunächst hatte man damit gerechnet, die Bergung des Schiffes bis zum ersten Jahrestag schon über die Bühne gebracht zu haben. Nach derzeitigem Stand dürfte das Wrack aber nicht vor September abgeschleppt sein. Franco Porcellacchia von der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere erklärte, die Kosten für die Bergung seien bereits von 300 auf 400 Millionen Euro gestiegen und könnten weiter steigen.

Gigantischer Arbeitsaufwand

Laut dem Umweltverband Legambiente berichteten das italienische Unternehmen Micoperi und die US-Firma Titan Salvage, die mit der Bergung beauftragt wurden, über Probleme bei der Verankerung der zur Bergung benötigten Pfähle im Meeresboden. Die Verankerungen sollen die Unterwasserplattform tragen, die das Wrack stützen soll, sobald es wieder in eine senkrechte Position gebracht worden ist. Zuvor muss die Costa Concordia am Meeresgrund gesichert und dann mit Hilfe von Containern und Kränen aufgerichtet werden.

Das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia liegt vor der Insel Giglio auf der Seite

APA/EPA/ANSA/Luca Zennaro

Das Wrack der „Costa Concordia“ vor Giglio

Die Herausforderung ist gewaltig: In leerem Zustand wiegt das Schiff so viel wie 100 Flugzeuge des Typs Boeing 747. 400 Fachleute und 20 Schiffe sind rund um die Uhr im Einsatz. Laut Legambiente werden die Arbeiten auch durch die schwierige Wetterlage im Winter verlangsamt. Außerdem sei noch nicht bestimmt worden, in welchen Hafen das Schiff geschleppt werden soll.

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