Von Demokratie bis zu digitalem Abwasch
Rund 6.000 Computerexperten, Bürgerrechtler und Netzaktivisten sind am Donnerstag zum jährlichen Kongress des deutschen Chaos Computer Clubs (CCC) zusammengekommen. Das sei die größte Teilnehmerzahl in der 31-jährigen Geschichte des Vereins, sagte CCC-Sprecherin Constanze Kurz. Zentrale Aussage des „Hackerkongresses“ war der Aufruf zum Widerstand gegen staatliche Überwachung im Netz.
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Zum Auftakt des viertägigen Treffens warnte etwa der US-Hacker und WikiLeaks-Unterstützer Jacob Appelbaum vor Plänen von Geheimdiensten für den Aufbau umfassender Überwachungssysteme. Als Beispiel nannte er den Bau eines großen Rechenzentrums des US-Geheimdienstes NSA im Bundesstaat Utah. Appelbaum rief den Teilnehmern zu: „Widersetzt euch diesem Überwachungsstaat!“
„Angriff auf die menschliche Würde“
Appelbaum wandte sich gegen die Haltung, dass nur diejenigen von Überwachungsmaßnahmen betroffen seien, die es auch verdient hätten. „Absicht des NSA-Rechenzentrums ist es, uns alle auszuspähen, das ist die Realität“, sagte der 29-jährige Aktivist der Hackergruppe Cult of the Dead Cow. Dieser „Angriff auf die menschliche Würde“ werde dazu führen, dass Demokratie weltweit in Gefahr gerate.
Der renommierte CCC hatte den „29. Chaos Communication Congress“ unter das Motto „Not my department“ (Nicht mein Fachgebiet) gestellt - eine Anspielung auf die Neigung von Technikern, sich nicht um Verantwortung und Konsequenzen ihres Handelns zu kümmern. Das sei Unsinn, „die ganze Welt ist euer Fachgebiet“, sagte Appelbaum. Auf dem Hacker-Kongress geht es aber nicht nur um Computertechnik, Sicherheit und Datenschutz.
Weites Feld von Themen
So zeigte etwa der Psychologe und Journalist Kai Biermann am Beispiel von aktuellen Schlagwörtern wie Rettungsschirm und Nacktscanner, wie Medien und Politiker die Wahrnehmung von Wirklichkeit beeinflussen. Die Themen der mehr als 90 Vorträge reichen von Computersicherheit und Urheberrecht über die Notwendigkeit einer Netzphilosophie bis zu den Möglichkeiten, Zensurmaßnahmen im Internet zu umgehen.
Auch Platz für „Nerds“
Daneben ist auch Platz für typische „Nerd“-Themen: Der Schweizer Maschinenbau-Ingenieur Alexis Wiasmitinow präsentierte etwa sein Projekt EveryCook, das alle verfügbaren Informationen und Techniken rund um das Kochen integriert und in einem „Internet der Dinge“ vernetzt. „Jetzt brauchen wir nur noch Investoren“, sagte Wiasmitinow am Freitag in Hamburg.
Wiasmitinow aus Winterthur hat den Prototyp einer Kochmaschine entwickelt, die auf eine Datenbank mit Rezepten und Informationen zu Nährstoffen zugreift und mit Hilfe von Sensoren Gerichte nach präzisen Angaben zur Menge von Zutaten oder zur Kochtemperatur zubereitet. Auch eine Küchenwaage, Mikrowellengeräte oder Kühlschränke könnten eingebunden werden, sagte Wiasmitinow. Die entscheidende Frage einer Zuhörerin blieb allerdings noch offen: „Wie organisiert das System dann den Abwasch?“
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