Präsentation von drei Studienergebnissen
Im Bildungsbereich steht der Dezember fast schon traditionell im Zeichen der Präsentation von Schülerleistungsvergleichen. Zwar lässt die Veröffentlichung der Resultate der neuesten PISA-Studie noch bis Dezember 2013 auf sich warten - dafür werden am Dienstag gleich drei andere mit Spannung erwartete Studien vorgestellt.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Bereits zum wiederholten Mal gibt es die Ergebnisse der beiden internationalen Volksschul-Vergleichsstudien PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study) und TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study). Eine Premiere sind dagegen die Ergebnisse der ersten nationalen Bildungsstandardtestungen für Mathematik in der achten Schulstufe.
Für den ersten österreichweiten Durchlauf der Bildungsstandardtestungen wurden im Mai 2012 alle rund 80.000 Schüler der 4. Klassen AHS/Hauptschule/Neue Mittelschule im Bereich Mathematik getestet. Festgestellt werden soll damit, inwieweit die Kinder zentrale fachliche Kompetenzen erworben haben. Ziel ist, aufgrund der Ergebnisse an den Schulen gezielte Qualitätsentwicklungsprozesse in Gang zu setzen. Keinen Einfluss haben die Resultate auf die Noten einzelner Schüler und die dienstrechtliche Bewertung der Lehrer.
Gezielte Förderung einzelner Schüler kein Ziel
Eine gezielte Förderung leistungsschwacher Schüler ist kein Ziel der Standardüberprüfungen und wäre aufgrund des Designs gar nicht möglich: Nur der Schüler selbst erfährt nämlich über eine Internetplattform, wie er persönlich abgeschnitten hat. Lehrer erhalten (ebenfalls über die Plattform) die anonymisierten Rückmeldungen für ihre Klasse, Direktoren einen allgemeinen Schulbericht und Detailberichte zu den Klassen, die Schulaufsicht die allgemeinen Schulberichte sowie Regionalergebnisse, die Landesschulräte die Landesergebnisse und die Unterrichtsministerin einen Bundesbericht mit zusammengefassten Ergebnissen.
Am Dienstag werden nur Ergebnisse aus dem Bundesbericht bzw. den Landesberichten vorgestellt, nicht geplant ist die Publikation von Schulrankings. Die Lehrergewerkschaft befürchtet allerdings indirekt das Publikmachen von Ergebnissen: Die aus Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern bestehenden Schulgemeinschaftsausschüsse bzw. Schulforen (Eltern- und Lehrervertreter) erhalten nämlich vom Direktor ebenfalls die Schulberichte - über diese könnten die Schulergebnisse an Medien weitergegeben werden.
Schüler sehen Durchschnitt und eigenes Ergebnis
Und so sieht die Rückmeldung für Schüler aus: Die erreichten Punktwerte werden zwischen 200 und 800 liegen - je höher das Testergebnis, desto besser die Leistung. Zunächst wird der Österreich-Schnitt angegeben, der rund 500 Punkte betragen wird, dann das persönliche Ergebnis ebenfalls in Punkten. Daneben wird außerdem das statistische „Vertrauensintervall“ angezeigt, durch das dem Umstand Rechnung getragen wird, dass zwar alle Schüler Aufgaben des gleichen Schwierigkeitsgrades bekommen haben, allerdings zum Teil unterschiedliche Testhefte (um Abschreiben zu verhindern).
Das „Vertrauensintervall“ (z. B. plus/minus 20 Punkte) gibt an, in welchem Punktebereich das Ergebnis läge, wenn der Schüler ein beliebiges anderes Testheft bearbeitet hätte - erst wenn das Testergebnis inklusive Vertrauensintervall vollständig über bzw. unter dem Durchschnitt liegt, wäre der Schüler also mit hoher Wahrscheinlichkeit besser/schlechter als der Durchschnitt.
Detailliertes persönliches Ergebnis
Außerdem wird das Testergebnis des Schülers als Prozentrang angegeben: Dieser zeigt an, wie viele Schüler (in Prozent) ein schwächeres Ergebnis erzielt haben - je höher der Prozentrang, desto besser also das Ergebnis. Weiters wird die Leistung des Schülers in eine von vier Kompetenzstufen eingeordnet (von „Bildungsstandards übertroffen“ bis „Bildungsstandards nicht erreicht“). Abgerundet wird die Ergebnisrückmeldung durch die Resultate in den einzelnen Handlungsbereichen („Darstellen und Modellbilden“, „Rechnen und Operieren“, „Interpretieren“, „Argumentieren und Begründen“) bzw. Inhaltsbereichen („Zahlen und Maße“, „Variable, funktionale Abhängigkeiten“, „Geometrische Figuren und Körper“, „Statistische Darstellungen und Kenngrößen“).
Ergebnisse nach Geschlecht und Herkunft
Die Direktoren erhalten in ihrem Schulbericht neben dem Durchschnittswert ihrer Schule und der prozentmäßigen Verteilung der Schüler auf die unterschiedlichen Kompetenzstufen unter anderem auch Werte über die Streuung der Leistungen sowie die Ergebnisse nach Geschlecht und nach Migrationshintergrund. Ebenfalls im Schulbericht enthalten sind die Ergebnisse der einzelnen Klassen sowie mittels Fragebögen bei den Tests erhobene statistische Aufstellungen über Migrationshintergrund, Erstsprache, sozioökonomischen Status, Wohlbefinden und Motivation der Schüler.
„Fairer Vergleich“ im Vorfeld umstritten
Im Vorfeld umstritten war vor allem der ebenfalls im Bericht enthaltene „faire Vergleich“: Dabei wird angegeben, welches Ergebnis unter den gegebenen strukturellen Rahmenbedingungen der Schule (Standort und Zusammensetzung der Schülerpopulation) zu erwarten wäre. Zurückgegriffen wird dabei auf den sozioökonomischen Status der Schüler, für den der Beruf der Eltern, deren höchste abgeschlossene Ausbildung sowie die Anzahl der Bücher im Haushalt herangezogen werden. Eine Schule mit hohem Migrantenanteil, in der Eltern vor allem lediglich einen Pflichtschulabschluss aufweisen, wird dementsprechend einen niedrigeren Erwartungswert aufweisen als eine Schule, in der praktisch alle Kinder Deutsch als Erstsprache und Akademiker als Eltern haben.
Liegt der Wert der Schule über dem Erwartungsbereich, sind die Ergebnisse der Schule besser als von den Rahmenbedingungen her zu erwarten bzw. umgekehrt. Der „faire Vergleich“ soll den Schulen zusätzlich zum Durchschnittswert eine bessere Einordnung ihrer Resultate ermöglichen.
PIRLS und TIMSS bereits Routine
Bereits Routine ist die Publikation der PIRLS- und TIMSS-Ergebnisse. Die beiden kleinen Geschwister der PISA-Studie werden zum zweiten (PIRLS) bzw. dritten Mal (TIMSS) veröffentlicht. PIRLS testet im Abstand von fünf Jahren die Lesekompetenz von Schülern der vierten Klasse Volksschule, TIMSS im Abstand von vier Jahren deren Mathematik- und Naturwissenschaftskompetenz. Im vergangenen Jahr fielen die Erhebungszeiträume der beiden Studien zusammen.
An PIRLS hat Österreich 2006 erstmals teilgenommen: Damals erreichten die getesteten Volksschüler einen Mittelwert von 538 Punkten und Platz 20 von 45 Teilnehmerländern, das entspricht Platz zwölf der 19 teilnehmenden OECD-Länder (OECD-Mittelwert: 537). Für Österreich zeigte PIRLS außerdem, dass jeder sechste Volksschulabgänger nicht sinnerfassend lesen kann. Nur acht Prozent fallen dagegen in die Gruppe der Spitzenleser, die überdurchschnittlich gut lesen.
An TIMSS nahm Österreich nach 1995 und 2007 das dritte Mal teil (1999 und 2003 wurde darauf verzichtet, Anm.). Erreichten die österreichischen Schüler 1995 mit einem Mathematikmittelwert von 531 Punkten noch einen Platz im oberen Mittelfeld, lag das Ergebnis 2007 mit 505 Punkten um 26 Punkte deutlich schlechter und war gerade noch Mittelmaß (Platz 17 von 36 Teilnehmerländern). In den Naturwissenschaften verschlechterte sich das Ergebnis zwischen 1995 (Mittelwert 538) und 2007 (Mittelwert 526) „nur“ um zwölf Punkte. Österreich lag an der 15. Stelle und damit im Mittelfeld.
Links: