„Einer der großen Außenseiter“
Dass Jura Soyfer als Inbegriff linker österreichischer Protestliteratur der Zwischenkriegszeit gilt, war ihm ganz und gar nicht in die Wiege gelegt. Soyfer kam am 8. Dezember 1912 in Charkiw in der Ukraine als Sohn einer jüdischen Industriellenfamilie zur Welt. Die bürgerliche Gesetztheit der Familie wurde jedoch jäh durch die kommunistische Revolution unterbrochen.
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1920 flüchtete die Familie Soyfer, in der deutsch, französisch und russisch gesprochen wird, vor den Bolschewiken nach Österreich. Trotz dieser biografischen Erfahrung entwickelte sich der junge Soyfer noch in der Schule selbst zum glühenden Linken. Ab 1931 publizierte er Gedichte, Kritiken und Reportagen in der sozialdemokratischen „Arbeiter Zeitung“, bereits zuvor versuchte er sich erfolgreich beim Politischen Kabarett.
Wiederentdeckung eines „Vergessenen“
Soyfer war ein Vielschreiber: Von seinem umfangreichen Werk, das ihn zahlreiche Sprachen übersetzt ist, sind rund 1.000 Seiten aus nur rund fünf Schaffensjahren erhalten. Man lernt darin einen Autor kennen, der gerade, und das in höchstem Tempo, seinen Stil entwickelt. Von eher ungelenker Kampfrhetorik findet er dabei zu einem eigenen expressiven Stil, wie vor allem sein Fragment gebliebener Roman „So starb eine Partei“ beweist, in dem er den Niedergang der Sozialdemokraten in den 30er Jahren nachzeichnet.
1936 entstanden die Theaterstücke „Der Weltuntergang“ und „Der Lechner Edi schaut ins Paradies“. In den Stücken „Astoria“ und „Vineta“ karikierte er faschistische Staatsideologien. Der Literaturwissenschafter Wendelin Schmidt-Dengler nannte Jura Soyfer einst „einen der großen Außenseiter der österreichischen Literatur“. Bis zum Erscheinen der Werkausgabe 1980 sei er „vergessen“, ja „ein Geheimtipp“ gewesen. Seit seiner Wiederentdeckung gehöre er jedoch „ganz fest zum Kanon der österreichischen Literatur“.
Irrtümliche Verhaftung als Anfang vom Ende
1937 wurde Soyfer unter dem austrofaschistischen Regime verhaftet, das jedoch nur wegen einer Verwechslung. Quasi durch Zufall fanden die ständestaatlichen Behörden heraus, dass auch der irrtümlich verhaftete Soyfer der „staatsfeindlichen Betätigung“ schuldig sei. Im Februar 1938, in den letzten Tagen des von Nazi-Deutschland unter Druck gesetzten ständestaatlichen Österreich, kam er durch eine Amnestie für alle politischen Gefangenen frei, die vor allem den „illegalen“ Nazis galt.
Am 13. März 1938, einen Tag nach dem „Anschluss“ Östereichs an Nazi-Deutschland, wurde er bei einem Versuch, in Vorarlberg die Grenze in die Schweiz zu überschreiten, verhaftet. Österreichische Richter, die noch gar nicht auf das Hitler-Regime vereidigt waren, lieferten ihn an die Nazis aus. Er wurde ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Ein halbes Jahr später kam er dann ins Konzentrationslager Buchenwald. Als 1939 seine Entlassungspapiere eintrafen - Eltern und Schwestern waren bereits in Amerika - war er bereits an Typhus gestorben.
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