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Zahlreiche Sendungen in Radio und TV

Am 8. Dezember jährt sich der Geburtstag von Jura Soyfer zum 100. Mal. Ö1 widmet dem Schriftsteller „Gedanken für den Tag“ (3. bis 7.12.) und am 8. Dezember eine „Hörspiel-Galerie“ und ein „Diagonal: Zur Person“. In ORF2 ist ein Beitrag in "kultur.montag (3.12.) sowie der Film „Voll Hunger und voll Brot ist diese Erde“ (8.12.) und in ORF III Soyfers Stück „Vineta“ (7.12.) zu sehen.

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Unter dem Titel „Augen offen halten und warten“ präsentiert Literaturkritiker und Übersetzer Cornelius Hell seine „Gedanken für den Tag“ - von Montag, 3., bis Freitag, 7. Dezember, jeweils um 6.56 Uhr in Ö1. Jüdische Messiaserwartung und christlicher Advent, der marxistische Schriftsteller Jura Soyfer, und Kinderaugen, die auf den Nikolaus gerichtet sind - auf unterschiedliche Weise bezeugen sie: Warten ist der Grundmotor des Lebens.

Der erfundene Staat „Astoria“

In der „Hörspiel-Galerie“ am Samstag, den 8. Dezember (Ö1, 14.00 Uhr) steht Soyfers Werk „Astoria“ aus dem Programm. In der DRS-Produktion aus dem Jahr 1979 ist unter anderem Peter Simonischek zu hören. „Astoria“ ist Sofyers letztes Stück, 1937 wurde es in Wien uraufgeführt. Es beruht auf einer Zeitungsnotiz, nach der tatsächlich eine Bande von Schwindlern durch Aufmachung einer „Astorischen Gesandtschaft“ in London leichtgläubigen Menschen Geld aus der Tasche gelockt hat.

In dem Stück wird der Obdachlose Hupka von einer feinen Dame von der Straße weg beauftragt, einen Staat zu gründen, den sie ihrem Vater zum Geburtstag schenken möchte. Hupka erfindet den Staat Astoria und rekrutiert dafür Geldgeber, Aktionäre, Lakaien und ein Volk. Vor der astorischen Botschaft drängen sich arme Menschen, um ein Visum in jenes glückliche Land zu erhalten. Hupka beginnt ein verbrecherisches Spiel mit der Hoffnung der Verzweifelten. Doch als ihn die Reue einholt, hat Astoria ein Eigenleben entwickelt.

Als Kind nach Österreich geflohen

„Diagonal - Radio für Zeitgenoss/innen“ präsentiert am 8. Dezember ab 17.05 Uhr in Ö1 „Zur Person: Jura Soyfer - Paradies und Untergang“. Darin wird Soyfer als einer der wichtigsten österreichischen Dichter der Zwischenkriegszeit vorgestellt: Er verband politische Anliegen mit Elementen des Volkstheaters, schrieb für Zeitungen und Zeitschriften, verfasste Satiren und Songtexte, Theaterstücke und einen Roman. Dabei lernte er erst mit neun Jahren Deutsch - seine Eltern waren vor den Bolschewiken aus der Ukraine nach Wien geflohen.

Dennoch wurde Jura Soyfer ein Dichter der Linken; die politischen Katastrophen und Untergänge spielen, mehr oder weniger verfremdet, in seinen Werken eine wichtige Rolle: Das Romanfragment „So starb eine Partei“ handelt vom Scheitern der Sozialdemokratie gegenüber dem aufkommenden Faschismus, die Theaterstücke „Der Weltuntergang oder Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang“ (1936) und „Vineta“ (1937) von einer bevorstehenden Apokalypse, was sich wenig später bewahrheiten sollte.

Soyfer als Geburtshelfer für heimisches Kabarett

„Kultur.montag“ widmet sich dem Dichter am 3. Dezember ab 22.30 Uhr und „Voll Hunger und voll Brot ist diese Erde“ steht am Samstag, den 8. Dezember ab 16.55 Uhr auf dem Programm von ORF2. In dem Film von Fritz Wendl erinnern sich einstige Soyfer-Weggefährten wie der Schauspieler Leon Askin und das österreichische Allround-Genie Helmut Qualtinger, der Soyfer für „Österreichs Büchner“ hielt und maßgeblich zu dessen Wiederentdeckung beitrug.

Der Film bietet außerdem Soyfer-Interpretationen unter anderem von Qualtinger, Otto Tausig, Maria Bill, den Schmetterlingen, Herwig Seeböck, Ernst Meister und Lukas Resetarits, der in den 70er Jahren bei Recherchen für sein erstes Kabarettprogramm im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) auf Soyfer gestoßen war, womit Soyfer auch als Pate der Wiedergeburt des politischen Kabaretts in Österreich gelten kann. Der Film ist auch am Sonntag, 9. Dezember, um 13.05 Uhr in 3sat und am Dienstag, 11. Dezember, um 21.55 Uhr in ORF III zu sehen.

„Vineta“ ist Wien

ORF III sendet am Freitag, 7. Dezember, ab 0.20 Uhr „Vineta“, eine Aufzeichnung aus dem Jura-Soyfer-Theater am Spittelberg im Rahmen der Wiener Festwochen 1984. Das mittelalterliche Vineta ist eine Stadt des Vergessens, in der die Menschen ohne Zeit- und Raumgefühl verharren, ohne Sehnsucht nach Veränderung.

Hinter dieser versunkenen Stadt versteckt sich Wien unter dem autoritären Regime von 1937, vom Faschismus verschlungen. Nur einer, der Matrose Johnny, sehnt sich nach Zukunft, nach Leben. Schließlich wird Vineta zum Traumbild, ein Gleichnis für den möglichen Zustand der Welt und einer nahenden Sturzflut. In der Inszenierung von Horst Hawemann wirken Walter Skotton, Klaus Uhlich, Karl Dobravsky, Ferdinand Kaspar, Franz Berger und Alfred Solm mit.

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