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S&P will Urteil anfechten

Ratingagenturen haben sich schon recht bald nach Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 Bewertungsfehler vorwerfen lassen müssen. In den USA leitete die Börsenaufsicht Untersuchungen ein, in Australien wurde die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) zu Schadenersatzzahlungen verurteilt - ein möglicherweise brisanter Präzedenzfall.

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S&P habe mit einem Toprating auf hochriskante Investments Investoren in die Irre geführt, heißt es in einem Anfang November in Sydney veröffentlichten Urteil. Den betroffenen Anlegern, die nach dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 den Großteil ihres Geldes verloren hatten, stehe deshalb sowohl von S&P als auch den Instituten, welche die Papiere vertrieben hatten, Entschädigung zu.

Es handelte sich dabei um hoch komplexe Derivatkonstrukte, genannt Constant Proportion Debt Obligations (CPDOs). Von dem Urteil betroffen sind neben S&P die niederländische Bank ABN Amro sowie das australische Unternehmen, das die Papiere vertrieben hatte, die Local Government Financial Services Ltd. (LGFS). Die Bewertungen seien „falsch" und irreführend“ gewesen, heißt es in dem laut „Financial Times“ 1.500 Seiten umfassenden Gerichtsakt. S&P kündigte Rechtsmittel an.

„AAA“-Investments plötzlich nichts mehr wert

Im Lauf der Finanzkrise, die ihren Ausgang 2007 mit dem Crash auf dem „Subprime“-Sektor (Hypotheken mit schlechter Bonität, Anm.) des US-Immobilienmarktes genommen hatte, waren zahlreiche Wertpapiere, in denen zum Beispiel „faule“ Kredite gebündelt waren, wertlos geworden. Zuvor hatten sie allerdings beste Bonitätsnoten erhalten. Dadurch gerieten auch zahlreiche Banken in Schieflage, Höhepunkt war die Insolvenz der Großbank Lehman Brothers Mitte September 2008.

Danach wurden Vorwürfe von Bewertungsfehlern an die „Big Three“ der Ratingagenturen, neben S&P sind das Moody’s und Fitch, immer lauter. Im Sommer leitete die US-Börsenaufsicht Securities und Exchange Commission (SEC) Untersuchungen wegen etwaiger Regelverstöße bei den Bewertungen ein.

„Grotesk komplizierte“ Konstruktionen

Nun sei es das erste Mal, dass eine Ratingagentur für die Folgen ihrer Beurteilung der Bonität eines solchen Finanzprodukts zur Verantwortung gezogen werde, sagte der Ökonom Harald Scheule von der Technischen Universität Sydney der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg. Die Entscheidung des australischen Federal Court dürften sich andere Ratingagenturen, aber auch Investoren und Investmentbanken „wohl genauer ansehen“, hieß es in der „Financial Times“. Die Klage hatten 13 Kommunalverwaltungen, die mit den laut Richterin Jayne Jagot geradezu „grotesk komplizierten“ Investments zum Handkuss gekommen waren, eingebracht.

Die Anwältin der Klägerseite, Amanda Banton, beurteilte den Gerichtsentscheid als bahnbrechend: „Das ist ein ziemlicher Schlag für die Ratingagenturen“, die jahrelang profitiert hätten, ohne auch nur in irgendeiner Weise für ihre Einschätzungen geradestehen zu müssen. „Nun werden sie sich nicht mehr hinter Disclaimern verstecken und sich von ihrer Verantwortung freisprechen können“, zitierte sie die „Financial Times“.

Folgen ähnliche Klagen in Europa?

Die betroffenen Stadtverwaltungen hatten sich auf das Toprating („AAA“) verlassen und rund 16 Mio. australische Dollar (etwa 12,9 Mio. Euro) in Investments platziert, die sich hinterher als hoch riskant herausstellten. In der Finanzkrise verloren sie mehr als 90 Prozent ihrer Einlagen. Sie fühlten sich von S&P und der beteiligten ABN Amro Bank hinters Licht geführt. Richterin Jagot sprach ihnen gut 30 Mio. australische Dollar (über 24 Mio. Euro) Entschädigung zu, um die Verluste sowie Zinszahlungen und Anwaltskosten auszugleichen.

Die Anwaltsfirma IMF aus Sydney, die die Klage für die Stadtverwaltungen führte, ziehe nun ähnliche Prozesse auch in Europa in Erwägung, sagte ihr Direktor, John Walker. Er zeigte sich überzeugt, das Urteil werde zu „deutlichen Regressen“ auch in Europa führen. Laut „Wall Street Journal“ zeigte sich S&P „enttäuscht von der Entscheidung des Gerichts“. Man weise jegliche Unterstellung, die Einschätzungen seien unsachgemäß gewesen, zurück und werde das Urteil bekämpfen, hieß es in einer Aussendung von S&P.

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