Themenüberblick

UBS will nachhaltigere Bilanzen

Die Schweizer Großbank UBS reagiert mit einem verschärften Sparprogramm auf die schwache Ertragslage. Das Institut will bis 2015 knapp 10.000 Stellen streichen und so insgesamt 5,4 Milliarden Franken (4,5 Mrd. Euro) einsparen, teilte die UBS vergangene Woche in Zürich mit. Vor allem im Investmentbanking stehen harte Einschnitte an - die Großbank zieht damit die Konsequenzen aus der Finanzkrise.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Die Pläne waren bereits zuvor durchgesickert. Für den anstehenden Umbau nahm die Bank bereits im dritten Quartal hohe Belastungen in Kauf. Abschreibungen im Investmentbanking führten zu einem Vorsteuerverlust von 2,5 Milliarden Franken nach einem Gewinn von knapp einer Milliarde vor einem Jahr.

Anders als Branchenriesen wie Goldman Sachs und Deutsche Bank, die das risikoreiche Investmentgeschäft längst wieder in vollem Umfang aufgenommen haben und damit derzeit auch satte Gewinne machen, will die UBS schrittweise aus dem riskanten Handel mit Anleihen und Zertifikaten aussteigen.

Weniger Risiko in Bilanz

Damit sollen die Bilanzrisiken reduziert und rasch die neuen höheren Eigenkapitalquoten von Basel III erreicht werden. An ihre Aktionäre will die Bank mittelfristig 50 Prozent des Gewinns ausschütten. Die UBS beschäftigt derzeit rund 63.750 Personen. Das Investmentbanking brockte der Bank im dritten Quartal einen Milliardenverlust ein. Der Umbau der Geschäftssparte hatte Abschreibungen von 3,1 Milliarden Franken zur Folge. So lief ein Verlust von 2,87 Milliarden Franken auf. Die Neubewertung eigener Schulden führte außerdem zu einer Belastung von 863 Millionen Franken.

Unter dem Strich stand ein Konzernverlust von 2,2 Milliarden Franken nach einem Gewinn von einer Milliarde ein Jahr zuvor. Ohne die Sonderfaktoren hätte der Gewinn insgesamt zugenommen, teilte die Bank weiter mit. Doch auch im vierten Quartal rechnet UBS mit einem Verlust.

Zinsengeschäft wird abgewickelt

Das Investmentbanking wird sich in Zukunft auf Aktien, Devisen und Edelmetalle sowie Beratung konzentrieren. Die Bilanzrisiken sollen in der Sparte auf 70 Milliarden Franken mehr als halbiert werden. Das Anleihen- und Zinsengeschäft wird zunächst vom Rest des Investmentbanking abgetrennt und schrittweise abgewickelt. Diesen Bereich übernimmt der frühere Kochef der Sparte, Carsten Kengeter, der aus der Konzernleitung ausscheidet. Die weiterlaufenden Bereiche stehen unter der Führung des bisherigen zweiten Co-Heads Andrea Orcel, der im Juli zur UBS gekommen war.

Die Bank werde nicht länger wesentlich in Bereichen tätig sein, „in denen die risikobereinigten Renditen ihre Kapitalkosten nicht nachhaltig decken“, schrieben Konzernchef Sergio Ermotti und UBS-Präsident Axel Weber an die Aktionäre. Insgesamt sollen die Bilanzrisiken (RWA) gemäß Basel III bis Ende 2017 unter 200 Milliarden Franken fallen.

Bei den reichen Anlegern liegt UBS weiterhin gut im Rennen. Der Bank flossen im „Wealth Management“ netto 7,7 Milliarden Franken neues Geld zu. In Amerika vertrauten die Kunden den Schweizern unter dem Strich 4,8 Milliarden Dollar an. Die Sparte steigerte ihren Vorsteuergewinn auf 600 Millionen Franken von 502 Millionen im Vorquartal.

50 Milliarden verloren

Die UBS hatte in der US-Hypothekenkrise 50 Milliarden Dollar (38,7 Mrd. Euro) in den Sand gesetzt. Eine im Sommer des letzten Jahres eingeläutete Sparrunde von zwei Milliarden Franken bis Ende 2013 war Mitte dieses Jahres zur Hälfte umgesetzt. Es wurden 1.300 Arbeitsplätze abgebaut, mehr als 1.000 davon im Investmentbanking. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor rund fünf Jahren wurden in der Finanzbranche global Zehntausende Jobs gestrichen.

Auch Credit Suisse verschärft Sparkurs

Auch der Schweizer Erzrivale Credit Suisse kündigte letzte Woche einen verschärften Sparkurs an. Die Bank setzt auf das bis 2013 laufende Kostensenkungsprogramm von drei Milliarden Franken eine weitere Milliarde drauf, die bis 2015 eingespart werden soll. Damit und mit der Aufgabe unrentabler Geschäfte im Investmentbanking werde die Bank die neuen Eigenkapitalvorschriften erfüllen und die angestrebte Eigenkapitalrendite von 15 Prozent oder mehr über den Marktzyklus hinweg erreichen können, so Konzernchef Brady Dougan. Was der Kostenschnitt für die knapp 48.500 Mitarbeiter der zweitgrößten Schweizer Bank bedeutet, blieb offen. „Es wäre aber unrealistisch zu sagen, es gibt keine Entlassungen“, sagte Finanzchef David Mathers.

Links: