Mehrere Flüchtige in Haft
Dank einer verschärften Offensive gegen das Organisierte Verbrechen sind der italienischen Polizei zuletzt mehrere flüchtige Paten der berüchtigten kalabrischen ’Ndrangheta ins Netz gegangen.
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Mit Giuseppe Aquino konnte erst am Mittwoch einer der führenden Clan-Chefs der ’Ndrangheta verhaftet werden. Der 50-Jährige befand sich seit zwei Jahren auf den Fahndungslisten. Aquino gilt als Chef eines besonders gefährlichen Clans, berichteten italienische Medien.
Aquino wurde in einem unterirdischen Versteck in der Wohnung seiner Mutter in der Ortschaft Marina di Gioiosa Jonica festgenommen, dessen Eingang mit einem elektronischen Gerät aktiviert wurde. Im Bunker fanden die Carabinieri komplizierte technische Geräte, mit denen der Boss sich der Festnahme zu entziehen versuchte - Video dazu in iptv.ORF.at.
Bulgarien liefert Drogenboss aus
Zuletzt wurde zudem von Bulgarien ein mutmaßlicher Drogenboss an Italien ausgeliefert. Der 47-jährige Evelin Banev alias „Brendo“ sei zusammen mit einem mutmaßlichen Komplizen Ende vergangener Woche den italienischen Ordnungskräften übergeben worden. Nach Angaben des bulgarischen Innenministeriums wurden Ende Juni und Mitte Juli bereits fünf andere Mitglieder des mutmaßlichen Drogenhändlerrings an Italien ausgeliefert.
Der internationale Ring soll zwischen 2004 und 2007 illegal 40 Tonnen Kokain aus Lateinamerika nach Italien eingeführt haben. Italienischen Ermittlungen zufolge war auch die ’Ndrangheta daran beteiligt. Eine bulgarische Bande mit Stützpunkten in Mailand und dem spanischen Alicante versorgte die ’Ndrangheta demnach mit dem Suchtgift.
Mafia-Pate samt Frau und Töchter verhaftet
Kurz zuvor konnte auch Domenico Arena in der Stadt Catanzaro in einer Luxuswohnung festgenommen werden. Der 58-Jährige war 2011 wegen Mafia-Zugehörigkeit zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er zählte zu den letzten fünf flüchtigen Bossen des Clans. Zudem konnten fünf Personen festgenommen werden, die 2007 in Lamezia Terme Mitglieder eines rivalisierenden Clans ermordet haben sollen.
Rund eine Woche zuvor konnte der seit 14 Jahren flüchtige Domenico Polimeni gefasst werden. Der 69-Jährige zählte zu den meistgesuchten Kriminellen Italiens. Ihm werden Morde und andere Verbrechen vorgeworfen. Er wurde deswegen bereits verurteilt und muss eine Haftstrafe absitzen. Der Boss, der als Führungsfigur des einflussreichen Clans Polimeni-Mazzagatti gilt, wurde mit seiner Ehefrau und seinen beiden Töchtern verhaftet.
Besitztümer beschlagnahmt
Neben den Festnahmen wurden in den vergangenen Wochen Besitztümer der ’Ndrangheta in Kalabrien im Wert von mehreren hundert Millionen Euro beschlagnahmt - darunter nach Angaben der Behörden auch einer der größten Windparks Europas. Im Zentrum der Ermittlungen stehe ein Neffe des Chefs des Arena-Clans. Pasquale Arena, Leiter des Bauamts der süditalienischen Gemeinde Isola di Capo Rizzuto nahe der Stadt Crotone, soll den Windpark mit Hilfe von Strohmännern und Tarnfirmen für den Clan gebaut haben.
Reichste Mafia-Organisation
Die ’Ndrangheta gilt als die reichste Mafia-Organisation in Italien. Die Anti-Mafia-Behörde hatte kürzlich vor dem immer tieferen Eindringen der ’Ndrangheta in das Wirtschaftssystem des Landes gewarnt.
Einige der Tarnfirmen sollen ihren Sitz in Deutschland haben, andere in San Marino und in der Schweiz, wie die Polizei mitteilte. Bei diesen Unternehmen könnten Durchsuchungen anstehen, das sei aber Sache der jeweiligen Behörden, sagte ein Polizeivertreter. Die Ermittlungen der deutschen Polizei machten „Fortschritte“.
Neben dem Windpark wurden drei Unternehmen in der Region um die Stadt Crotone beschlagnahmt, die von dem Arena-Clan geführt wurden, wie die Polizei mitteilte. Der Windpark selbst zählt 48 Windräder und ist demnach in Bezug auf Grundfläche und produzierter Strommenge einer der größten Europas.
Beschlagnahmungen auch in Neapel
Güter im Wert von mehr als 800 Millionen Euro haben Mafia-Fahnder auch bei einem Bauunternehmer im Raum Neapel sichergestellt. Der Mann soll mit dem berüchtigten Casalesi-Clan der Camorra Geschäfte gemacht haben, wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtete.
Seinen großen Besitz habe der Bauunternehmer zum Teil auf einen Strohmann eintragen lassen. Die Mafia ist in illegalen Baugeschäften äußerst aktiv. Beschlagnahmt wurden außerdem Güter eines zweiten Unternehmers im Wert von 200 Millionen Euro. Er soll vom kalabrischen Lamezia Terme aus Geschäfte mit der ’Ndrangheta gemacht haben.
„Armani der Büffelmozzarella“ in Haft
Im Zuge von Ermittlungen gegen die Mafia nahmen Sondereinheiten der Polizei Mitte Juli auch den größten Produzenten von Büffelmozzarella des Landes, Giuseppe Mandara, fest. Zudem seien Vermögen im Wert von rund 100 Millionen Euro beschlagnahmt worden. Auch Mitarbeiter von Mandaras Unternehmen wurden in Gewahrsam genommen.
Ein Vertreter der Carabinieri sagte laut AFP, Mandaras gesamtes Unternehmen sei beschlagnahmt worden. Mandara bezeichnete sich einst selbst in einem Interview als „Armani des Mozzarellas“. Seine Firma stellt täglich etwa 78.000 Stück Mozzarella her und beschäftigt rund 180 Mitarbeiter.
Das Unternehmen ist einer der größten Mozzarellaproduzenten auf dem Weltmarkt und beliefert unter anderem große Handelsketten in Europa, den USA und Japan. Laut Polizei wurde es von dem Mafia-Clan Casalesi aus Neapel kontrolliert. Ermittlungen liefen zuletzt unter anderem wegen des Verdachts, bei der Herstellung des Käses der teureren Büffelmilch günstigere Kuhmilch beigemischt
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