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„Es war wirklich aufregend“

Nach außen hin war jene Kolonne aus drei Pkws und einem Lastwagen, die im Mai auf einer spanischen Schnellstraße mit konstanten 85 km/h unterwegs war, nichts Besonderes. Vielleicht hätte auffallen können, dass die Autos mit nur sechs Metern Abstand recht knapp hintereinander fuhren. Das Besondere daran war jedoch: Nur der erste Fahrer lenkte.

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Es war das erste Mal, dass ein „road train“ („Straßenzug“) auf einer öffentlichen Straße getestet wurde. Dahinter steht das EU-Projekt SARTRE (Safe Road Trains for the Environment/Sichere Straßenzüge für die Umwelt), das seit 2009 unter Beteiligung von europäischen Autofirmen, Technologieclustern und Wissenschaftlern läuft. Rund 10.000 Testkilometer hat die Technologie bereits erfolgreich absolviert. Die Feuerprobe in der Nähe von Barcelona Ende Mai bedeutete aus der Sicht der Projektverantwortlichen den Durchbruch.

Kurven, Steigungen, Gegenverkehr, Wind

Die Kolonne war in den normalen Verkehr integriert und legte auf einer überdurchschnittlich abwechslungsreichen Strecke 200 Kilometer in einem Stück zurück. Gerade am Testtag gab es zudem recht kräftigen Wind und mehr Gegenverkehr als erwartet. Die Autos waren untereinander per drahtloser Computerverbindung vernetzt und darüber hinaus mit Kameras, Radar- und Lasersensoren ausgestattet, die die Fahrbewegungen aller Autos in der Kolonne aufeinander abstimmten.

Autokolonne

Volvo Car Corporation

Die SARTRE-Kolonne unterwegs in Spanien

Projektverantwortliche Linda Wahlström sprach von einem „Meilenstein“: „Es war wirklich aufregend.“ Das Projekt bedeute eine Zukunft von sicherem („Es eliminiert menschliches Versagen“) und umweltschonendem Individualverkehr: Das konstante Tempo senkt den Energieverbrauch maßgeblich. Durch den geringen Abstand fahren die Fahrzeuge außerdem im Windschatten des Kolonnenführers, was weitere Vorteile bringt. Außerdem sind die Kosten, um die SARTRE-Technologie in Fahrzeugen zu implementieren, relativ gering.

Billiger und besser als die Konkurrenz

„Wir haben uns wirklich sehr darauf konzentriert, so wenig wie möglich in bestehenden Systemen zu ändern“, erklärte Wahlström gegenüber der britischen BBC. Alles „sollte ohne infrastrukturelle Änderungen an den Straßen oder teuren zusätzlichen Komponenten in den Autos funktionieren“. Die SARTRE-Autos würden sich „eigentlich nur durch das drahtlose Netzwerk“ von anderen Autos unterscheiden, die „heutzutage in Verkaufsräumen stehen“.

Mit dem Kostenfaktor hat SARTRE einen schlagenden Vorteil gegenüber Konkurrenzprojekten, etwa den Roboterautos des US-Softwarekonzerns Google, die ebenfalls schon Straßentests absolvieren. Der vielleicht noch größere Vorteil ist, dass der menschliche Faktor erhalten bleibt, und damit aus rechtlicher Sicht auch die Verantwortung. Pure Roboterautos dürften noch auf längere Sicht keine Straßenzulassungen bekommen, weil die Haftung bei einem Unfall unklar wäre.

„Elektronisches Abschleppseil“

Bei SARTRE-Kolonnen müsste kaum rechtliches Neuland betreten werden - vereinfacht gesagt würde es dabei lediglich um einen Fall von „elektronischem Abschleppmanöver“ gehen. Dass es noch Zeit brauchen wird, bis die Skepsis hinsichtlich autonom fahrender Autos beigelegt ist, wissen auch die Verantwortlichen. „Mit dem Voranschreiten der Generationen werden sie sich mehr daran gewöhnen“, meinte ein beteiligter Ingenieur. Sein kleiner Sohn frage ihn jedoch schon, warum nicht jetzt schon jedes Auto mit Robotertechnologie unterwegs sei.

Grafik zeigt die Funktionsweise der SARTRE-Technologie

Volvo Car Corporation

Schematische Darstellung der SARTRE-Technologie

Technik schon ausgereift

Der Test zeigte jedoch jetzt schon, wie es dann funktionieren könnte: Jeder der beteiligten Fahrer gibt sein Fahrtziel ein. Wenn ein passender Kolonnenführer gefunden wird, lässt sich auf Knopfdruck eine Anfrage an diesen durchführen. Er hört dann den von Computerstimme vorgetragenen Wunsch, dass sich ihm jemand anschließen will und kann ablehnen oder annehmen. Wenn sich die Wege von Kolonnenführer und seinen Anhängseln trennen, informiert der Computer rechtzeitig darüber, dass man wieder das Steuer übernehmen muss.

Für die Fahrer der „Autowaggons“ bedeutet das vor allem „Bequemlichkeit“, so Wahlström: Sie könnten „auf ihren Laptops arbeiten, ein Buch lesen oder sich entspannen und gemütlich einen Happen essen“. Auch dafür gilt jedoch noch eine Gewöhnungsphase: Die einzigen risikoreichen Verkehrssituationen im Zuge der nunmehrigen Testfahrt führten „normale“ Autofahrer herbei, die abgelenkt waren, weil in der Nebenkolonne eine Fahrerin Zeitung las, während der Fahrer dahinter mit einem Tablet-PC herumspielte.

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