Themenüberblick

Spielwut trotzt 1:176.000.000-Chance

Der größte Jackpot aller Zeiten hat in den USA ein wahres Lottofieber ausgelöst. Bei der Ziehung am Freitagabend stehen mindestens 540 Millionen Dollar (406 Mio. Euro) auf dem Spiel - ein Weltrekord. „Das ist der größte Lotto-Jackpot in der Geschichte“, konstatierte Spielveranstalter Mega Millions auf seiner Website.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Der Gewinn wird letztlich jedoch noch höher sein, denn der Ansturm wächst und wächst. Schon am Donnerstag bildeten sich an Tankstellen, Zeitungsständen und vor Greißlereien lange Menschenschlangen, und die vierfache Menge der sonst verkauften Tipps war schon abgegeben. Für den Freitag wurde ein noch größerer Ansturm erwartet, denn bis 15 Minuten vor der Ziehung um 23.00 Uhr Ostküstenzeit (Samstag, 5.00 Uhr MESZ) ist die Teilnahme möglich.

Jackpot wuchs seit drei Monaten

In 42 von 50 US-Bundesstaaten und in Washington DC ist das Glücksspiel zugelassen. Die Lotteriegesellschaft heizte das Fieber zusätzlich an, etwa mit speziellen „Ich habe um den größten Jackpot der Welt gespielt“-Lottoscheinen. Man bewege sich im Hinblick auf die Gewinnsumme aber „auf unbekanntem Territorium“, sagte der Lotterieverantwortliche Buddy Roogow der Boulevardzeitung „USA Today“. Erst am Freitag werde „der Wahnsinn so richtig losgehen“.

Schlange vor Verkaufsstelle für das Lotteriespiel "Mega Millions in den USA

Reuters/Jonathan Alcorn

Menschenschlange vor einer Lottoannahmestelle

Verglichen mit dem nunmehrigen Jackpot nehmen sich bisherige Rekordspielsummen geradezu bescheiden aus, etwa als sich im März 2007 zwei Gewinner 390 Millionen Dollar teilten. Bei dem Spiel muss man fünf Richtige aus einem Pool von 56 Zahlen tippen und noch dazu eine Extrazahl aus einem zweiten Pool von 46 Zahlen. Ein Tipp kostet einen Dollar. Ziehungen finden immer dienstags und freitags statt. Seit drei Monaten beziehungsweise 18-mal in Folge tippte jedoch niemand die richtigen Zahlen. Die Wahrscheinlichkeit ist auch entsprechend gering: Sie liegt bei eins zu 176 Millionen.

Ernüchternde Zahlenvergleiche

Auch „USA Today“ versuchte seine Leserschaft mit Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik vor allzu großen Enttäuschungen zu bewahren: Vom Blitz getroffen zu werden sei 176-mal wahrscheinlicher als der Lottogewinn. Neunmal wahrscheinlicher sei es, noch heuer durch ein TV-Gerät zu sterben, das einem auf den Kopf fällt. Die Wahrscheinlichkeit, sich selbst noch heuer mit Feuerwerkskörpern zu töten, sei immer noch 3,76-mal höher.

Verkaufsstelle für das Lotteriespiel "Mega Millions in den USA

AP/Darron Cummings

Eine Lottoannahmestelle

Jackpot ist nicht gleich Gewinnsumme

Die Dimensionen des Gewinns rechnet die Zeitung ernüchternd in das Einkommen eines durchschnittlichen US-Haushalts um: Dieser müsste demnach 10.800 Jahre arbeiten, um auf die nun ausgespielte Gewinnsumme zu kommen. Die US-Regierung umgekehrt braucht für das Ausgeben von 540 Millionen Dollar nur eineinviertel Stunden. Von derlei Zahlen ließen sich die Spielwütigen jedoch kaum beeindrucken - ebenso wenig wie von der Tatsache, dass der Jackpot zwar 540 Mio. Dollar beträgt, die Gewinnsumme aber deutlich weniger.

Erstens zahlt die Lotterie ihre Großgewinne generell in Raten aus. Wer auf einer einmaligen Auszahlung besteht, bekommt nur eine „Abschlagszahlung“, die im konkreten Fall freilich auch an die 400 Millionen Dollar betragen würde. Davon muss aber noch rund ein Viertel versteuert werden - ebenso bei der an sich vorgesehenen Ratenzahlung. Die würde aber immer noch bei jährlich über 19 Millionen Dollar liegen, 26 Jahre lang.

Links: