Die Geschichte von der bösen Lottofee
Ein einfaches Arbeiterpaar aus Mittelengland hat Ende letzten Jahres die Schlagzeilen britischer Medien bis hinauf zu den respektabelsten Qualitätsblättern beherrscht. Mit einer Mischung aus Voyeurismus, Neid und Märchenfantasien widmete sich das ganze Land der Geschichte vom riesigen Lottogewinn, der anscheinend „die Falschen“ traf.
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Dave und Angela Dawes wurden durch den Gewinn von 101 Millionen Pfund (117 Mio. Euro) von der britischen Unterschicht direkt auf Platz 703 der Rich List 2011 der „Sunday Times“ katapultiert. Das bedeutet einen Platz noch vor Musiklegende David Bowie und weit vor anderen Showbizpromis wie Musiker Ozzy Osbourne und Schauspielerin Gwyneth Paltrow. Die Daweses zelebrierten ihren Reichtum danach sehr öffentlich.
Öffentliches Schwelgen in neuem Reichtum
Schon eine Pressekonferenz unmittelbar nach dem Lottogewinn - bei der das Paar Champagner spritzend seinen neuen Reichtum vor sich hertrug - sorgte für säuerliche Kommentare etwa im „Independent“ und im „Telegraph“. Gemildert wurde das lediglich durch den Umstand, dass die Dawes’ dabei erklärten, sie wollten auch andere an ihrem Reichtum teilhaben lassen und hätten „eine Liste gemacht, von so ungefähr 15 oder 20 Leuten, die wir zu so was wie Millionären machen wollen“.

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Die Hände von Dave und Angela Dawes während der Pressekonferenz
Daneben präsentierten die beiden ihre Zukunftspläne: Sie wollen nie wieder arbeiten und sich zwei luxuriöse Wohnsitze besorgen: einen in größtmöglicher Nähe zum Stadion des Fußballclubs FC Chelsea, einen zweiten in der Sonne Portugals, wo die angeblich nur aus Geldmangel aufgeschobene Hochzeit des Paares in großem Stil nachgeholt werden sollte. Inzwischen solle Angela einen „deutlich“ teureren Verlobungsring als den bisherigen bekommen, hieß es. Nach der Pressekonferenz wurden sie von einem Hubschrauber des britischen Nobelkaufhauses Harrods abgeholt.
Wenig ruhmreiche Vergangenheit
Zu geradezu gleichnishaften Figuren über unverdienten Reichtum wurde das Pärchen aus Sicht der britischen Presse jedoch durch den Umstand, dass Angela Dawes anscheinend eine weniger ruhmreiche Vergangenheit hat - mit einem offenbar nach Strich und Faden betrogenen ersten Ehemann, der nach wie vor für ihre Verschwendungssucht büßen muss, und einem inzwischen 17-jährigen Sohn, den sie ignoriert.
Angelas erster Ehemann John Leeman sagte gegenüber britischen Medien, seine damalige Frau habe ihn mit mehreren Männern betrogen, während er als Kraftfahrer unterwegs gewesen ist. Geblieben seien ihm nur Schulden für Kleidung. Selbst die Einrichtung für ihr „Liebesnest“ habe er bezahlen müssen. Nach der Scheidung sei der Sohn bei ihr geblieben, sie habe sich jedoch bald danach, im Jahr 2006, seiner entledigt - und dabei sogar dessen persönliche Gegenstände behalten.
Lotteriegesellschaft wollte Märchengeschichte retten
Für Sohn Steven hatte die Mutter laut den Angaben seither nie Unterhalt gezahlt und keinerlei Kontakt gepflegt: „Wenn sie auf der Straße an mir vorbeigeht, ignoriert sie mich komplett.“ Dass sie sich den Medien als „verlobte Angela Dawes“ präsentierte, sahen Vater und Sohn als Versuch, ihre wahre Identität zu verschleiern. Als „Angela Leeman“ war sie nach wie vor von der britischen Fürsorge wegen jahrelanger Unterhaltsrückstände gesucht.
Der britischen Lotteriegesellschaft Camelot, die dank der Dawes’ einen Rekordzulauf verbuchen konnte, passte die Geschichte vom betrogenen Mann und im Stich gelassenen Sohn gar nicht ins Konzept. Sie gab eine Presseaussendung heraus, laut der Angela „sehr traurig“ über die Berichte sei. „Vieles“ daran stimme nicht. Zudem habe sie immer in Kontakt mit ihrem Sohn sein wollen. Dave und Angela Dawes selbst wurden zeitgleich bei ausgedehnten Shoppingtouren in London beobachtet.
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