350 Millionen Euro Schulden
Venedig sitzt auf einem Schuldenberg von 350 Millionen Euro. Im Zuge des von der Regierung Mario Monti aufgezwungenen Sparkurses ist die Stadt nun offenbar gezwungen, zum Schuldenabbau Teile seines Immobilienbestands zu verkaufen, berichtete die Zeitung „Sole 24 Ore“. Denn allein der Erhalt dieser historischen Gebäude - Palazzi, Brücken und Denkmäler - belastet das Budget der Touristenstadt.
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Die seit August vergangenen Jahres eingehobene Touristensteuer, die auch den Erhalt der historischen Monumente finanzieren soll, reicht offenbar nicht aus. Die Stadtverwaltung muss sich schon seit längerer Zeit Vorwürfe gefallen lassen, dass sie touristische Plätze „ausverkauft“. Für die Renovierung baufälliger Brücken und Gebäude wird immer wieder nach privaten Sponsoren gesucht. Diese pflastern dann während der Umbauarbeiten Palazzi und Brücken mit riesigen Werbeplakaten zu.
Palazzi an Johnny Depp und Prada
Im Zuge des Ausverkaufs soll nun auch Venedigs Spielcasino mit einer Verschuldung von 177 Millionen Euro privatisiert werden. Die internationale Wirtschaft profitiert von der venezianischen Privatisierungspolitik jedenfalls. Interesse am Casino kam etwa aus den USA und Frankreich. Der Palazzo „Dona Sangiantoffetti“ wechselte bereits im vergangenen Jahr um rund zehn Millionen Euro den Besitzer und ging an den Schauspieler Johnny Depp.
Für besondere Empörung sorgen nun aber die Pläne von zwei großen Modeunternehmen. Prada kaufte für 40 Millionen Euro den bekannten Palazzo „Ca’ Corner della Regina“. Dagegen kündigte die Denkmalschützergruppe „Italia Nostra“ nun eine Klage an, berichtete die italienische Zeitung „Corriere della Sera“.

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Aus dem Palazzo „Fondaco dei Tedeschi“ soll ein Benetton-Megastore werden
Benetton zahlte 53 Millionen Euro
Gegen die Vorhaben des Modekonzerns Benetton gibt es schon seit einigen Wochen heftige Proteste. Das Unternehmen kaufte den bekannten Renaissancepalast „Fondaco dei Tedeschi“ am Canal Grande um 53 Millionen Euro. Der Palazzo bei der Rialto-Brücke war im 16. Jahrhundert die Niederlassung deutscher Händler, später Zollhaus und zuletzt die venezianische Niederlassung der italienischen Post. Die früheren Fresken von Tizian und Giorgione sind mittlerweile nicht mehr zu sehen.
Nun soll aus dem Gebäude ein mindestens 6.800 Quadratmeter großer Megastore entstehen. Viele Venezianer laufen gegen die Pläne des Architekturbüros OMA (Office for Metropolitan Architecture) rund um Rem Koolhaas Sturm. Es soll ein weiteres Stockwerk dazukommen - Dachterrasse mit Aussicht inklusive und Rolltreppen für den Aufstieg.
„Geschichte der Veränderung“
„Italia Nostra“ reichte gegen Benetton bereits Klage bei der Staatsanwaltschaft ein. Das Projekt schade der historischen Identität und der Stabilität des Gebäudes. Die Architekten weisen diese Kritik zurück. Die Fassade bleibe unversehrt, berichtete der britische „Telegraph“. Koolhaas betonte demnach, dass der Palazzo im Zuge seiner 500-jährigen Geschichte mehrmals verändert worden sei durch zusätzlich eingebaute Fenster, abgetragene Türme und Glas im Innenhof. Der Erhalt des Gebäudes sei „eine Geschichte der Veränderung“.
Benetton hatte sich verpflichtet, Venedig weitere sechs Millionen Euro zu zahlen, wenn innerhalb von zwölf Monaten alle Genehmigungen für den Megastore erteilt werden. Berichten zufolge ist der Architektenplan von der Stadt bereits genehmigt. Sollte der Protest der Venezianer nicht noch Früchte tragen, soll der Umbau im Dezember starten - für eine Dauer von voraussichtlich vier Jahren.
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