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„Ein Supergeschäft“

Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln „ist ein Supergeschäft“. Das sagte Marcus Müllner, Verfahrensleiter des Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG), kürzlich bei einer Pressekonferenz in Wien.

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Die Zahlen, die das unterstreichen sollen, lieferte Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ): Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde mit gefälschten Arzneimitteln im Jahr 2010 rund 75 Milliarden Dollar (56,0 Mrd. Euro) Umsatz gemacht. Einer EU-Studie zufolge sei der Handel mit falschen Medikamenten bereits um vieles lukrativer als der klassische Drogenvertrieb, so Schieder.

„Wissen nicht, was Sie bekommen“

Doch falsch bedeutet auch unsicher. „Ein Medikament übers Internet zu kaufen ist gefährlich. Sie wissen nicht, was Sie bekommen“, sagte Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ). Im schlimmsten Fall könne das sogar tödlich enden.

Der Minister erklärte auch, wie man an gefälschte Präparate kommt. Über das Internet wird bestellt, über die Post wird versandt. Vor allem Lifestyle-Arzneien werden gehandelt: Potenzmittel wie Viagra und Cialis, Diätpillen, Haarwuchsmittel, aber auch Herz-Kreislauf-Medikamente. Laut dem Pharmaunternehmen Pfizer, das Viagra einführte, ist der Markt für die gefälschten Varianten des Medikaments mittlerweile umsatzstärker als der Markt für das Original.

Versand aus „unverdächtigen“ Ländern

Die Bekämpfung obliegt zu einem guten Teil dem Zoll. Sendungen aus Nicht-EU-Staaten unterliegen Zollkontrollen. Die Täter sind daher zum Teil dazu übergegangen, die Präparate in die EU einzuschmuggeln und erst dann zu versenden, sagte Gerhard Marosi, zuständig für die Bekämpfung der Produktpiraterie im Finanzministerium. Beim Zoll hilft man sich mit einer „risikoorientierten Kontrollmethode“, bei der unter anderem auf die Herkunftsländer der Pakete geschaut wird. Daher würden die Fälscher ihre Produkte immer mehr aus „unverdächtigen Ländern“ verschicken.

Produkte fast ausschließlich aus Asien

Mit Abstand am häufigsten werden gefälschte Pillen aus Indien beschlagnahmt. Der Anteil betrug in den Jahren 2007 bis 2010 immer zwischen 73 (im Jahr 2008) und 95 Prozent (2009). Erst 2011 gab es in den ersten drei Quartalen einen signifikanten Rückgang auf 56 Prozent. Damit ging der Aufstieg Singapurs zur Nummer zwei mit knapp 32 Prozent Anteil einher. Laut Marosi ist aber zu vermuten, dass es sich auch bei den Produkten aus dem südostasiatischen Stadtstaat eigentlich um indische handelt, die über Singapur versandt werden.

China folgt heuer mit vier Prozent auf Platz drei. Im stärksten Jahr 2008 landete China mit 15 Prozent auf Platz zwei. Eine gewisse Rolle spielten in den vergangenen Jahren auch Georgien, Thailand sowie das extra ausgewiesene Hongkong.

Im besten Fall ohne Wirkstoff, Großteil gefährlich

Eindringlich warnten Stöger und Müllner die Konsumenten, Medikamente im Internet zu bestellen. Dass Arzneimittel ihren Preis haben, liegt laut Müllner am umfangreichen Kontrollverfahren und an der streng reglementierten Produktion. All das falle bei den Duplikaten weg. Im besten Fall ist kein Wirkstoff enthalten, aber 80 Prozent der gefälschten Arzneien sind laut Gesetz als gefährlich oder schädigend einzustufen. Während Originalmedikamente mit Lebensmittelfarben behandelt werden, entdeckten die Fahnder in einem Fall Farbe für Bodenmarkierungen in einem gefälschten Produkt.

Jedes zweite Medikament in Afrika ist Fälschung

Noch wesentlich schlimmer stellt sich die Situation in Afrika dar, erklärte der BASG-Experte. Die WHO schätzt, dass jedes zweite auf dem Kontinent verabreichte Medikament eine Fälschung ist. Pro Jahr gibt es demnach 700.000 Tote in Afrika wegen falscher Arzneien. Zum Vergleich: In der EU liegt der Anteil gefälschter Pharmaprodukte unter einem Prozent.

Doch der Markt ist im Steigen begriffen. Darauf deutet unter anderem die Zahl der Beschlagnahmungen an den EU-Außengrenzen hin, die sich Müllner zufolge zwischen 2006 und 2009 verdreifacht hat. Darüber hinaus ist Österreich nicht nur ein Land der Konsumenten: Auch hierzulande habe man bereits illegale Produktionsstätten entdeckt.

Wer mit gefälschten Medikamenten erwischt wird, dem drohen hohe Kosten. Die Arzneimittel werden beschlagnahmt und vernichtet, die Kosten dafür hat der Verantwortliche zu tragen. Außerdem muss er mit einer Verwaltungsstrafe von bis zu 7.260 Euro rechnen. Konsumenten, die sich selbst mit Fälschungen an die Behörden wenden, gehen aber straffrei aus, wie versichert wurde.

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