300 Millionen Euro Schulden
Mit einem Paukenschlag hat die spanische Fluggesellschaft Spanair am Wochenende ihre Insolvenz bekanntgegeben. Völlig überraschend wurden sämtliche Flüge gestrichen, am Montag folgte die Kündigung aller Mitarbeiter. Von der Pleite der viertgrößten spanischen Fluggesellschaft sind indirekt 4.000 Beschäftigte betroffen.
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Der letzte Flug der Gesellschaft landete am Freitag um 22.00 Uhr. Danach hob kein Spanair-Flieger mehr ab. Weil man sich den Treibstoff nicht mehr leisten konnte, wurden über das Wochenende 647 Flüge gestrichen - zum Teil eine halbe Stunde vor dem geplanten Abflug. Laut spanischen Medien waren 22.000 Passagiere betroffen.

AP/Manu Fernandez
Die Spanair-Mitarbeiter waren mit der Situation völlig überfordert
Hauptaktionär verweigert Finanzspritze
Wie die Nachrichtenagentur EFE aus Justizkreisen in Barcelona erfuhr, wird es in dem Insolvenzverfahren um Verbindlichkeiten von über 300 Mio. Euro gehen. Die größten Gläubiger dürften die skandinavische Fluggesellschaft SAS und die katalanische Regionalregierung sein. SAS ist bis 2009 Mehrheitsaktionär bei Spanair gewesen und hält noch gut zehn Prozent der Anteile. Die Regierung in Barcelona, die über verschiedene Beteiligungen der größte Aktionär ist, hatte rund 140 Mio. Euro in das Unternehmen gesteckt.
Die Region Katalonien, seit 2009 Hauptaktionär, hatte zuvor erklärt, dass sie wegen der „aktuellen Krise“ der angeschlagenen Fluggesellschaft keinen neuen Kredit geben könne. Diese Entscheidung sei nach dem Scheitern der Verhandlungen von Spanair mit Qatar Airways über eine finanzielle Partnerschaft getroffen worden, hieß es. Die Region hatte zuletzt im Jänner 2011 Spanair einen Notkredit von 10,5 Millionen Euro gewährt. Spanair war auch zuvor massiv vom Staat unterstützt worden.
Passagiere mussten für Ersatztickets zahlen
Allein vom Ausfall der 143 Flüge, die für Montag vorgesehen waren, waren laut Angaben der spanischen Flughafenbehörde AENA 15.000 Passagiere betroffen. Viele davon saßen auch in Afrika fest. An einem Flughafen in Mali warteten 170 Passagiere auf einen Weiterflug, eine ähnlich große Zahl in Gambia, außerdem mehrere in Marokko. Konkurrierende Fluggesellschaften wie Iberia, Vueling und Easyjet mussten einspringen und die Passagiere übernehmen.
Unglück von Madrid
Spanair war 1986 gegründet worden. Die Fluggesellschaft war vor allem innerhalb Spaniens aktiv. 2008 wurde die Gesellschaft durch den Unfall einer ihrer Maschinen auf dem Flughafen von Madrid schwer getroffen. 154 Menschen starben, als das Flugzeug beim Start abstürzte.
Das spanische Verkehrsministerium erklärte, die Firma sei verpflichtet, sich um die betroffenen Passagiere zu kümmern. Insbesondere müsse sie ihnen den Ticketpreis erstatten und eine alternative Beförderungsmöglichkeit zur Verfügung stellen. Passagiere berichteten jedoch, dass sie für Ersatztickets zahlen müssten.
„Mittel für den Betrieb fehlen“
Spanair erklärte zur Begründung der sofortigen Einstellung des Betriebs, die Entscheidung sei angesichts der „mangelnden finanziellen Aussichten für die kommenden Monate“ aus Vorsicht und zur Sicherheit getroffen worden. „Wir haben die Entscheidung getroffen, weil uns die Mittel für eine Aufrechterhaltung des Betriebs fehlten“, erklärte Spanair-Präsident Ferran Soriano am Montag dem Sender Catalunya Radio.

AP/Paul White
Hunderte Passagiere saßen auf Flughäfen fest
Bußgeld von bis zu neun Mio. Euro
Die spanische Regierung kündigte am Wochenende Strafmaßnahmen gegen Spanair an. Wegen Verletzung der Regeln über Betriebskontinuität und Passagierrechte könne ein Bußgeld von bis zu neun Millionen Euro auf das Unternehmen zukommen. Das Verkehrsministerium erklärte, dass es wegen zweier schwerer Verstöße gegen das Gesetz über die Luftsicherheit gegen die Firma vorgehe. In beiden Fällen könnten demnach jeweils 4,5 Millionen Euro Strafe fällig werden.
Billigflieger Vueling im Aufwind
Von der Pleite könnte vor allem die spanische Billigfluglinie Vueling profitieren, deren Aktienkurs rapide anstieg. Vueling hat ebenso wie Spanair ihren Sitz in Barcelona und wird vom spanischen Branchenführer Iberia kontrolliert. Iberia musste am Montag wegen eines erneuten Pilotenstreiks 123 Flüge streichen. Der Ausstand richtete sich gegen das Vorhaben des Unternehmens, von März an eine neue Billigfluglinie namens Iberia Express zu betreiben.
Links:
- Spanair(www.spanair.com)
- AENA