Einbußen in Milliardenhöhe
Der Umsturz in Ägypten hatte für die Tourismusbranche des Landes im Vorjahr katastrophale Auswirkungen. Die Zahl der ausländischen Urlauber ging um mehr als ein Drittel zurück. Vor allem Sicherheitsbedenken hielten die Touristen 2011 fern.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Künftig könnte auch die religiöse Ausrichtung des Landes unter der Führung von Islamisten wie der Muslimbruderschaft und den Salafisten zum Problem für die Reisebranche werden. Der Tourismus zählt zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes.
Keine Einschränkungen versprochen
Vor allem die radikal-islamischen Salafisten mit ihrer Partei des Lichts haben mit zum Teil dubiosen Forderungen zur Verunsicherung beigetragen. Von Bikini- und Alkoholverbot sowie Geschlechtertrennung auf dem Strand war die Rede. Zuletzt gaben sich die Salafisten aber pragmatischer und warben für das Reiseland Ägypten.
Die Muslimbrüder zeigten sich hingegen von Anfang an toleranter, bleiben aber zugleich im Vagen. Natürlich werde es für den Tourismus keine Einschränkungen geben, versichern hochrangige Repräsentanten der Bewegung stets, der nach eigenen Angaben viele Beschäftigte der Branche angehören.
Auch der Sprecher der Muslimbrüder, Mahmud Ghoslan, bezeichnete den Tourismus zuletzt als „eine gute Einkommensquelle, genau wie die Landwirtschaft, auf die wir ja auch nicht verzichten würden“. Die Zahl der Touristen, die nur baden wollen, sei aber nicht so groß, „und es wäre zum Beispiel denkbar, dass es künftig verschiedene Orte gibt für ausländische und ägyptische Urlauber“.
Neun Millionen Urlauber im Vorjahr
Reiseveranstalter, Hotelbetreiber und Touranbieter mussten im vergangenen Jahr heftige Einbußen hinnehmen. Das Tourismusministerium ging von mehr als 30 Prozent Umsatzminus aus, obwohl in diese Statistik auch Flüchtlinge aus Libyen mit einflossen. In der Branche ist sogar von einer Halbierung der Gästezahlen die Rede. Kleine Unternehmen abseits der Urlauberzentren haben aufgegeben und ihre Büros geschlossen.
Insgesamt haben nach der Statistik des Tourismusministeriums 2011 rund neun Millionen Urlauber das Land besucht, ein Jahr zuvor waren es noch knapp 15 Millionen. Das erwirtschaftete Einkommen sei von knapp zehn Milliarden auf rund sieben Milliarden Euro geschrumpft.
Links: