Gezielte Angriffe auf Journalisten?
Die syrischen Behörden wollen den Tod eines französischen Journalisten bei einer Demonstration in der Protesthochburg Homs untersuchen lassen. Gilles Jacquier, langjähriger Kriegsberichterstatter des Fernsehsenders France 2, starb laut syrischen Regierungsangaben am Mittwoch durch Granatsplitter.
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Zunächst hatte die Regierung von Präsident Baschar al-Assad „bewaffnete Terroristen“ für den Angriff verantwortlich gemacht - die von den Behörden benutzte Bezeichnung für die Protestbewegung. Die Regimegegner wiesen jedoch jede Verantwortung für die Tat zurück.
Die französische Regierung, Menschenrechtsgruppen und Journalisten-Organisationen hatten eine Untersuchung der Bluttat verlangt, bei der auch 25 Menschen verletzt worden waren, darunter ein niederländischer Fotoreporter. Ein Team des belgischen TV-Senders VRT blieb laut belgischen Medien bei dem Anschlag unversehrt.
„Auf Tötung der Medienvertreter umgestellt“
Der Syrische Nationalrat, der mehrere Oppositionsgruppen vertritt, sprach nach dem Tod des französischen Reporters von einer Wende im Umgang der Assad-Regierung mit den Medien. „Das Regime hat von der Verhinderung einer freien Pressearbeit und Berichterstattung über die Ereignisse in Syrien auf die Tötung der Medienvertreter umgestellt, um so unabhängige Medien zum Schweigen zu bringen“, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung.
In Frankreich sorgte der Tod des Journalisten für Entsetzen. Präsident Nicolas Sarkozy drückte seine Abscheu über die Tat aus. Außenminister Alain Juppe verurteilte die Tat und verlangte ebenfalls eine Aufklärung der Todesumstände. Er forderte die syrische Führung zudem auf, für die Sicherheit ausländischer Journalisten zu sorgen und die Pressefreiheit zu schützen.
Erfahrener Journalist
Der getötete Fernsehjournalist arbeitete nach IPI-Angaben seit 1999 für France 2 in Konfliktgebieten wie Afghanistan, dem Irak und im Kosovo. „Sein Tod ist eine tragische Erinnerung an die ständigen Gefahren, denen Journalisten bei der Berichterstattung in Konfliktgebieten ausgesetzt sind“, heißt es in einer Erklärung. Das Presseinstitut forderte alle Parteien in Syrien auf, das Recht von Journalisten auf freie und sichere Arbeit zu gewährleisten.
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