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Rebellen rüsten auf

Der Einsatz der Arabischen Liga in Syrien steht vor dem Scheitern. Nachdem sich bereits mehrere Beobachter von der Mission zurückgezogen hatten, äußerte sich am Donnerstag auch der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, enttäuscht zu Wort. Nach allem, was seine Beobachter gesehen hätten, drohe dem Land eine neue Gewaltwelle.

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„Ja, ich befürchte einen Bürgerkrieg“, sagte Arabi im Interview mit dem ägyptischen Sender al-Hajat. „Die Ereignisse, die wir sehen und von denen wir hören, könnten zu einem Bürgerkrieg führen.“ Damit bezog er sich auch auf den jüngsten Schulterschluss zwischen Oppositionsgruppen und bewaffneten Rebellen. Gemeinsam mit der „Freien Syrischen Armee“ wolle man das Regime von Präsident Baschar al-Assad stürzen, sagte Burhan Ghaliun, Vorsitzender des Syrische Nationalrats (SNC), am Freitag.

Gespräche mit der Rebellenarmee

Gespräche mit dem Kommandeur der „Freien Syrischen Armee“, Oberst Riad al-Asaad, habe es bereits gegeben. Asaad befindet sich nicht in Syrien, sondern befehligt seine Truppe von der Türkei aus. Für Freitag wurde eine Massenkundgebung unter dem Motto „Unterstützt die Freie Syrische Armee“ aufgerufen. Ziel des Zusammenschlusses sei es, weitere Soldaten zur Fahnenflucht zu bewegen.

Demonstranten in Homs

Reuters

Massenproteste vom Freitag gegen Präsident Assad

Laut der Einschätzung von Mostafa Ahmed al-Scheich, einem desertierten General, wird der Kampf gegen das Regime mehr als ein Jahr dauern. Zwar seien bereits bis zu 20.000 Soldaten desertiert, sagte Scheich der Nachrichtenagentur Reuters, doch das Regime werde in der Armee von der Volksgruppe der Alawiten gestützt, die gut ausgebildet und ausgerüstet seien.

25.000 Rebellen gegen 280.000 Soldaten

Deswegen werde der Aufstand wohl länger als in Libyen, Ägypten und Tunesien dauern - auch wenn die Fahnenflüchtigen die Streitkräfte bereits schwächten. Die meisten Deserteure kämpften aber nicht gegen Assads Truppen, sondern wollten vor allem der Geheimpolizei entkommen, sagte Scheich in einem Telefoninterview, das er von der Südtürkei aus führte.

Nach Schätzung des früheren Generals verfügen die syrischen Streitkräfte über 280.000 Soldaten, darunter Rekruten. 25.000 bis 30.000 kämpfende Deserteure mit leichten Waffen und Panzerfäusten reichten aus, um die Armee in einem bis eineinhalb Jahren zu besiegen. Obwohl die Soldaten streng beaufsichtigt würden und ihre Familien bei Fahnenflucht mit Repressalien rechnen müssten, gebe es immer wieder Deserteure, sagte Scheich. Die meisten von ihnen seien Angehörige der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit.

Kritik an zahnloser Beobachtermission

Die syrische Opposition hält die Beobachtermission für zahnlos, da sie die Gewalt gegen die Massen, die seit Monaten gegen das Polizei- und Geheimdienstregime von Assad auf die Straße gehen, nicht stoppen konnte. Allein am Donnerstag sollen wieder 22 Menschen getötet worden sein. Zwei Beobachter haben sich in den letzten Tagen aus der Mission zurückgezogen.

Nach dem Algerier Anouar Malek schied auch ein sudanesischer Beobachter aus dem 160-köpfigen Team aus. Malek hatte nach einem Besuch in Homs der syrischen Regierung schwere Verbrechen gegen das eigene Volk vorgeworfen. In einem Interview mit dem Sender al-Jazeera sagte er, er habe den Eindruck gehabt, mit der Beobachtermission der syrischen Regierung dabei zu helfen, das Töten fortzuführen.

Der Chef der Beobachtermission, der sudanesische General Mohammed Ahmed al-Dabi, versuchte zu beschwichtigen. Maleks Kritik sei „haltlos“, so Dabi. „Herr Malek ist mit einer Gruppe nach Homs gefahren, aber sechs Tage lang hat er sein Zimmer nicht verlassen und hat sich mit der Begründung, er sei krank, nicht den anderen angeschlossen.“ Liga-Vorsitzender Arabi bezeichnete aber auch die übrigen Berichte Dabis als „äußerst beunruhigend“.

Unklarheit über Konsequenzen

Die Geschwindigkeit der Tötungen sei „ohne Zweifel angesichts der Anwesenheit der Beobachter zurückgegangen“. Sollte die Mission tatsächlich scheitern, warnt Arabi vor den „Auswirkungen auf die Nachbarstaaten.“ Doch welche Konsequenzen der Endbericht, der am 19. Jänner vorliegen soll, haben könnte, ist unklar. „Die Entscheidung wird vom Ministerrat der Liga getroffen. Sie werden entscheiden, ob es Sinn ergibt, die Mission fortzusetzen oder nicht“, sagte Arabi lediglich.

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