Themenüberblick

Auftakt zu weiteren Auktionen

Investoren haben am Donnerstag Spanien und Italien das Vertrauen ausgesprochen. Mit Erleichterung wurden die Ergebnisse der Auktion von Staatsanleihen der beiden Länder aufgenommen. Beide Staaten konnten sich zu überraschend niedrigen Zinsen Geld leihen. An den Börsen in Europa wirkte sich das positiv aus.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Die Wiener Börse schloss in der Gewinnzone. Der Fließhandelsindex ATX stieg gegenüber dem Mittwoch-Schluss (1.893,97) um 21,2 Punkte oder 1,12 Prozent auf 1.915,17 Zähler. Der deutsche Leitindex DAX konnte sich über der Marke von 6.200 Punkten halten. Diese Grenze wurde Donnerstagvormittag erstmals seit Ende Oktober wieder übersprungen.

Milliarden Kapital gesammelt

Spanien sammelte durch die Auktion von Staatsanleihen fast zehn Mrd. Euro ein, die Zinsen sanken ebenfalls. In einem Umfang von rund 4,3 Mrd. Euro wurden Papiere mit drei Jahren Laufzeit zu Zinsen von 3,38 Prozent aufgelegt. Zusätzlich wurden zwei Anleihen mit Laufzeiten bis 2016 um 2,5 und 3,2 Mrd. Euro aufgestockt. Dabei sanken die Zinsen von knapp fünf auf unter vier Prozent. Zudem konnte Spanien fast doppelt so so viel einnehmen wie geplant.

Auch Italien gab Anlass zu Optimismus. Das Land nahm am Donnerstag zwölf Mrd. Euro durch Papiere mit einer Laufzeit von einem halben und einem ganzen Jahr zu deutlich günstigeren Konditionen auf. Die Rendite lag mit 2,735 Prozent so niedrig wie seit Juni nicht mehr. Bei den Anleihen mit einem Laufzeit von einem halben Jahr lag die Rendite bei 1,644 Prozent. Am 12. Dezember war die Rendite bei einer vergleichbaren Auktion noch bei 5,952 Prozent gelegen. Auch die Nachfrage konnte sich sehen lassen. Sie überstieg das angebotene Volumen um das 1,5- bzw. 1,9-Fache.

„Stimmung am Markt schwankt“

Analysten warnen aber vor zu großem Optimismus. „Dass Spanien deutlich mehr Geld als geplant eingesammelt hat, ist sicherlich ein positives Signal“, sagte Sebastian von Koss, Anleiheanalyst bei HBSC Trinkaus. „Allerdings sollte das nicht überschätzt werden, die Schuldenkrise ist deshalb noch nicht ausgeblendet, und die Stimmung am Markt schwankt stark.“

„Italien nicht ansteckend“

Die Versteigerungen sind der Beginn einer Reihe von Anleiheemissionen von Schuldenstaaten. Sowohl Italien als auch Spanien sind auf dem Radar der Finanzmärkte. Italien gilt als Dreh- und Angelpunkt der Schuldenkrise mit eine Staatsverschuldung von 120 Prozent des BIP und einer Wachstumsschwäche. Premier Mario Monti versuchte erst am Mittwoch, die Finanzmärkte zu beruhigen: „Italien ist für die Euro-Zone nicht ansteckend.“ Schon im Dezember hatte er ein hartes Sparpaket in Höhe von 30 Mrd. Euro vorgelegt.

Die Risikoprämien für Italien waren zuletzt auf eine Höhe gestiegen, die Experten für langfristig nicht erträglich halten. Allein 2012 muss sich Italien 300 Mrd. Euro frisches Kapital beschaffen, um auslaufende Schulden zurückzahlen zu können. Am Freitag soll die nächste Emission erfolgen.

Spanien erreicht Ziel nicht

Etwas entspannter ist die Schuldensituation in Spanien mit einer Verschuldung von 60 Prozent des BIP. EU-Währungskommissar Olli Rehn hatte Spanien aber erst am Mittwoch dazu aufgerufen, die Reformen zu verstärken und insbesondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu reduzieren. Vor allem der spanische Bankensektor, aber auch das Haushaltsdefizit gelten als Risiko für das Land. Erst vor wenigen Tagen verkündete der neue Ministerpräsident Mariano Rajoy, dass Spanien seine Ziele beim Defizitabbau im vergangenen Jahr nicht erreicht haben dürfte.

Links: