„Globaler Knackpunkt für Frustration?“
Die Persönlichkeit des Jahres hat für das „Time“-Magazin 2011 keinen Namen: Die US-Zeitschrift entschied sich bei ihrer traditionellen Wahl heuer für den anonymen Demonstranten und ehrte damit die Menschen, die von den Protesten in der arabischen Welt bis zur „Occupy“-Bewegung auf die Straße gegangen sind.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Auf dem Titelbild der Ausgabe, die ab Freitag an den Kiosken aufliegt, ist eine arabische Demonstrantin zu sehen, deren Gesicht von einem goldenen Tuch verhüllt ist. Die Demonstranten in diesem Jahr hätten für immer verändert, wie man den Begriff der „Macht des Volks“ zu verstehen habe, begründete das Magazin seine traditionell viel beachtete Wahl.
„Sie haben widersprochen“
Aus der Sicht des Magazins haben die heurigen Protestbewegungen alle ihre Wurzeln im Nahen Osten. „Der Protest hat etwas Ansteckendes“, sagte „Time“-Chefredakteur Richard Stengel. Das Gefühl, das Demonstrationen etwas bewirken könnten, habe sich vom „arabischen Frühling“ aus in den Rest der Welt ausgebreitet. „Das sind Leute, die bereits Geschichte geschrieben haben und die auch in Zukunft Geschichte schreiben werden.“
„Gibt es einen globalen Knackpunkt für Frustration? Es sieht beinahe so aus, als würden überall Leute sagen: ‚Es reicht‘" (...) Sie haben widersprochen. Sie haben gefordert. Sie verzweifelten nicht, auch wenn die Antworten in einer Tränengaswolke oder Kugelhagel zurückkamen. Sie haben im wahrsten Sinn des Wortes verkörpert, dass die Handlung eines Einzelnen kollektiv kolossale Umbrüche bewirken kann“, hieß es in dem Kommentar weiter.
Konservative Stockerlplätze
„Der Demonstrant“ setzte sich bei der redaktionsinternen Wahl gegen den chinesischen Dissidenten Ai Weiwei (Platz drei) und US-Admiral William McCraven (Platz zwei) durch, der die Mission zur Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden geleitet hatte. An der vierten Stelle lag US-Finanzpolitiker Paul Ryan, einer der wichtigsten republikanischen Widersacher von US-Präsident Barack Obama im Ringen um das US-Budget.
Im vergangenen Jahr hatte „Time“ den Gründer des sozialen Netzwerks Facebook, Mark Zuckerberg, als Persönlichkeit des Jahres auf den Titel gehoben, im Jahr davor US-Notenbankchef Ben Bernanke. 2008 wurde der damalige Präsidentschaftskandidat Obama mit der Ehre bedacht. Andere „Personen des Jahres“ waren etwa US-Präsident George W. Bush, Popsänger Bono und Amazon-Chef Jeff Bezos.
Links: