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Weitreichende Auswirkungen

Die ehemals drittgrößte Bank Litauens, Bankas Snoras, ist nun auch offiziell pleite. Ein Gericht in Vilnius gab letzte Woche dem staatlichen Konkursantrag statt und bestellte einen Vertreter der Consultingfirma Zolfo Cooper als Masseverwalter.

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Die litauische Regierung hatte Bankas Snoras am 16. November notverstaatlicht, nachdem der Verdacht bestand, dass die bisherigen Eigentümer - darunter der 36-jährige russische Geschäftsmann Wladimir Antonow - versucht hätten, einen Teil des Bankvermögens dem Zugriff von Gläubigern und Kunden zu entziehen.

Auch lettische Tochter mitgerissen

Der Zusammenbruch der Bankas Snoras, deren Schuldenstand auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt wird, riss das lettische Tochterinstitut Krajbanka mit in den Abgrund und brachte die lettische Regierung finanziell in Bedrängnis.

Während die Regierung in Lettland via Staatsgarantiefonds den Krajbanka-Kunden das Abheben von zuletzt insgesamt rund 200 Mio. Lats (287 Mio. Euro) ermöglichte, beschloss die Regierung in Vilnius erst kürzlich 3,265 Mrd. Litas (946 Mio. Euro) lockerzumachen, um die Snoras-Kunden zu befriedigen. Das Zögern der Vilniuser Regierung hatte zuletzt zu einer schweren Verstimmung mit Lettland geführt. Der Zusammenbruch der beiden Banken machte in Lettland auch die Vollverstaatlichung der Fluglinie airBaltic - mit bisher rund 47 privaten Anteilseignern - notwendig.

Litauen drängt auf Auslieferung

Das Nachbarland Litauen hatte bisher vergeblich versucht, die beiden für die Snoras-Pleite als verantwortlich vermuteten Geschäftsleute Antonow und Antanas Baranauskas aus Großbritannien ausgeliefert zu bekommen. Antonow, der ebenso wie Baranauskas von der litauischen Justiz wegen mutmaßlicher Unterschlagung und Urkundenfälschung international zur Festnahme ausgeschrieben ist, wurde in London vor zwei Wochen festgenommen - kurz darauf auf Kaution aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Haftbefehl soll mangelhaft dokumentiert und begründet gewesen sein. Die britische Justiz will am 16. Dezember die endgültige Entscheidung über das litauische Auslieferungsbegehren fällen. Die Agentur BNN berichtete unter Berufung auf regierungsnahe Quellen in Riga, die britischen Behörden nähmen Litauen nicht für voll.

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