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Gerüchte sorgen für Aufregung

Aus Angst vor Bankpleiten sind in Lettland am Sonntag und Montag die Geldautomaten leergeräumt worden. Über den Kurznachrichtendienst Twitter war zuvor verbreitet worden, dass die schwedischen Geldhäuser in einer Schieflage seien. Diese Gerüchte über Probleme bei der Swedbank und anderen in Lettland aktiven schwedischen Banken sorgten für die panikartigen Abhebungen.

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Die lettische Polizei leitete am Montag Ermittlungen zu den Gerüchten ein. Die Sicherheitspolizei vermutet laut der baltischen Nachrichtenagentur BNS, die Gerüchte könnten bewusst in Umlauf gesetzt worden sein, um „die Situation in Lettland zu destabilisieren“. Auch Ministerpräsident Valdis Dombrovskis schloss sich dieser Sichtweise an.

In vielen lettischen Städten bildeten sich seit Sonntagabend Schlangen vor den Automaten des landesweit größten Geldinstituts. Mehr als 10.000 Swedbank-Kunden hoben bis Montagfrüh über zehn Mio. Lats (14,3 Mio. Euro) via Bankautomaten in Lettland ab - zehnmal soviel wie sonst. Eine Sprecherin der lettischen Swedbank-Tochter korrigierte Montagnachmittag die angegebene Gesamtsumme von Barabhebungen am Wochenende auf 24 Mio. Lats nach oben.

Lage hat sich beruhigt

Sprecherin Kristine Jakubovska sagte gegenüber der baltischen Nachrichtenagentur BNS, in der Zahl seien noch keine Informationen über die Aktivitäten der Kunden vom Montag enthalten. Die höchste Aktivität an den Geldausgabeautomaten sei am Sonntagnachmittag und in der Nacht auf Montag registriert worden, so die Sprecherin. Seit den mehrfachen Dementis über angebliche Zahlungsprobleme der Swedbank in Lettland, Estland und Schweden habe sich die Situation aber augenscheinlich beruhigt.

Laut Maris Mancinskis, Swedbank-Chef in Lettland, waren zu Tagesbeginn am Montag 130 der rund 300 Swedbank-Automaten ohne Scheine. Mancinskis sagte in einer Frühsendung des lettischen Fernsehens, die abgehobenen Beträge würden den Betrieb der Bank in keiner Weise beeinträchtigen, es handle sich um rund ein Prozent der gesamten Einlagen.

„Ernste Vorgänge“

Mancinskis führte die Panikreaktion der Kunden auch auf die überraschende Pleite der Krajbanka im vergangenen Monat zurück. Krajbanka ist eine Tochter der litauischen Bank Snoras. Litauens Zentralbank hatte das Geldinstitut für pleite erklären müssen, ihm die Lizenz entzogen und es anschließend verstaatlicht. Den beiden Eigentümern, dem Russen Wladimir Antonow und seinem litauischen Partner Raimondas Baranauskas, wirft die Justiz massiven Betrug vor.

Die schwedische Finanzinspektion (FI) beurteilte die Vorgänge in Lettland als „ernst“. Bankenaufsichtschef Martin Noren sagte am Montag, vor allem das geschwundene Vertrauen der Letten in die Swedbank sei eine ernste Sache. Die Abhebungen der vergangenen Tage in Lettland seien für die Swedbank indes kaum mehr als ein „kurzfristiges Liquiditätsproblem.“

Nicht nur Bank versuchte zu beruhigen

Die Gerüchte über Probleme der Swedbank in deren Heimatland Schweden und im Nachbarland Estland hätten bereits in der vergangenen Woche begonnen, zunächst habe das Management diese aber als „nicht allzu ernst“ eingestuft. Die Swedbank habe keine Ahnung, woher die Gerüchte kämen.

Die Swedbank hatte die Gerüchte am Sonntagabend umgehend als falsch zurückgewiesen. Die Spekulationen über mögliche Probleme seien unbegründet, sagte eine Banksprecherin der baltischen Nachrichtenagentur BNS. Die Position der Bank sei mehr als solide. Lettlands Bankenaufsicht sagte, die Gerüchte seien grundlos. Es sei nicht nötig, sich um die finanzielle Situation der Swedbank zu sorgen.

Suche nach Ursprung

Der lettische Wirtschaftsminister Daniels Pavluts twitterte sogar, die schwedische Bank sei stabil. Der lettische Innenminister Rihards Kozlovskis vermutete indes, dass die Gerüchte nach einem „technischen Gebrechen“ bei den automatischen Services der Swedbank entstanden sein könnten. Allerdings hätten auch andere Banken einen starken Anstieg der Automatenbehebungen verzeichnet.

Die Swedbank und die SEB gehören ebenso wie die Danske Bank zu jenen skandinavischen Finanzinstituten, die den Markt im Baltikum beherrschen. Die Finanzkrise vor drei Jahren bescherte diesen Banken herbe Verluste. Auch in Dänemark geriet die Danske Bank am Montag ins Gerede, nachdem Spekulationen aufgetaucht waren, ob der Staat in der Lage sei, einen Zusammenbruch der Danske Bank zu bewältigen. Experten des US-Hedgefonds Luxor Capital kamen zu dem Schluss, dass das nicht der Fall wäre.

Nicht das erste Problem mit Banken

Der lettische Bankensektor wird von Banken mit schwedischen Eignern dominiert. Durch ihr starkes Kreditengagement hatte vor allem die Swedbank stark mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen. Die Swedbank gehört in Europa zu den am besten kapitalisierten Finanzinstituten.

Probleme in der Bankenbranche haben in Lettland eine lange Geschichte. Jüngst musste die Bank Latvijas Krajbanka wegen Betrugsvorwürfen gegen die litauische Mutter geschlossen werden. Nach dem Zusammenbruch der Parex Bank 2008 war Lettland gezwungen, Hilfen des Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Union zu beantragen.

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