Für Vorstand nur „Einmaleffekte“
Bei der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) wird der Verlust immer größer. Nach einem Defizit von 689 Mio. Euro nach neun Monaten teilte die Bank am Freitag mit, dass der Jahresverlust 2011 in der AG (Einzelabschluss) über einer Milliarde Euro zu liegen kommen wird.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Mitte Oktober hatte der Vorstand auf AG-Ebene den für heuer erwarteten Verlust mit 900 Millionen Euro - mit einer Bandbreite von plus/minus 150 Mio. Euro - beziffert. Auf Konzernebene wurden damals 500 bis 750 Mio. Euro Verlust erwartet.
Noch zehn Prozent mehr Verluste
Weil Sonderabschreibungen auf Risiken und Beteiligungen anfallen und die Lage in einigen Ländern im Osten schwierig ist, wurde die Verlustprognose am Freitag nochmals revidiert: Laut ÖVAG-Mitteilung wird sich „die am 13. Oktober bekanntgegebene Bandbreite für den Verlust im Konzernabschluss gemäß IFRS aus heutiger Sicht um zumindest zehn Prozent erhöhen. Im Einzelabschluss wird die angegebene Verlustbandbreite in einem ähnlichen Ausmaß ebenfalls überschritten werden.“ Das heißt: In der AG (Einzelabschluss) droht nun ein Verlust von rund 1,2 Mrd. Euro, im Konzern von etwas mehr als 800 Mio. Euro.
Grund für die riesigen Verluste sind Abschreibungen auf die Tochter in Rumänien, Abwertungen auf Griechenland und Credit Default Swaps (CDS) und andere Länderrisiken. Auch das einst eingeschossene Kommunalkredit-Partizipationskapital muss abgewertet werden. Der Vorstand spricht von „Einmaleffekten“.
Der nächste Rückschlag
Es ist der nächste in einer Serie von Rückschlägen für das Institut, das sich nun mit einem Umbau des Sektors für künftige Krisen rüsten will. Die ÖVAG werde künftig nach dem Vorbild der niederländischen Rabobank lediglich als Zentralinstitut für die 62 regionalen Volksbanken fungieren, hieß es im Oktober. Damit kann sich die ÖVAG das Kapital der regionalen Banken zurechnen lassen und hofft, auf eine höhere Kernkapitalquote zu kommen.
Die einzelnen Institute erstellen Finanzkreisen zufolge zwar weiterhin ihre eigenen Bilanzen, stehen im Krisenfall aber füreinander ein. Bisher gehört die ÖVAG zu knapp 61 Prozent den regionalen Volksbanken und zu 23 Prozent dem deutschen genossenschaftlichen Spitzeninstitut DZ Bank.
Staatshilfe wird vorerst nicht zurückgezahlt
Erst im Juli war das Institut wegen seiner dünnen Kapitaldecke als eine von wenigen europäischen Banken durch den „Stresstest“ gefallen. In Anbetracht der düsteren Lage werde der Konzern aber die erste Tranche von 300 Mio. Euro Staatshilfe, die heuer fällig gewesen wäre, nicht zurückzahlen. 2009 hatte die Bank eine Milliarde staatliches Partizipationskapital bekommen. In einer ersten Reaktion hatte das Finanzministerium im Bedarfsfall „weitere Maßnahmen zur Unterstützung der ÖVAG“ angekündigt. Jetzt seien aber einmal die Eigentümer gefordert, hieß es in einer Aussendung.
Weniger Erlös durch VBI-Verkauf?
Unter Druck ist die ÖVAG auch von einer anderen Seite: Laut „Standard“-Informationen will die russische Sberbank den Preis für die Ostbankentochter Volksbank International (VBI) nochmals nach unten drücken, die Rede sei inzwischen von rund 500 Mio. Euro. Am Freitag sollte Sberbank-Chef German Gref wieder in Wien verhandeln. Die VBI gehört zu 51 Prozent der ÖVAG, den Rest halten deutsche DZ- und WGZ-Bank und französische Volksbanken.
Der Verkaufsvereinbarung vom September zufolge war ein Preisband von 585 Mio. bis 645 Mio. Euro festgelegt worden. Nach der letzten drastischen Gewinnwarnung der ÖVAG war höchstens vom unteren Ende, also 585 Mio. Euro, die Rede gewesen. Dass es nun noch weniger werden könnte, wird mit schlechter als erwartet laufenden Geschäften - vor allem in Ungarn - begründet.
Weit unter geforderter Kapitalquote
Nach eigenen Bankberechnungen per Ende September hatte die ÖVAG 5,5 Prozent Kapitalquote „nach EBA-Systematik“. Von der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) sind neun Prozent bis Juni 2012 gefordert. Das wären 3,5 Prozentpunkte Differenz oder fast zwei Drittel. Und es ist um einiges mehr als die vorerst auf Halbjahresbasis von der EBA ermittelten 972 Millionen Euro Kapitalbedarf. Die finalen EBA-Berechnungen sind noch nicht öffentlich. Klar ist, dass der Bedarf bei der ÖVAG mittlerweile jenseits der Milliardenschwelle liegt.
Die Volksbanker hoffen indes immer noch, dass sie von der hohen Zielquote nächstes Jahr verschont bleiben. Die EBA habe nämlich bereits festgehalten, der Kapitalbedarfsbetrag sei als „Pro forma“-Berechnung zu verstehen, da sich die ÖVAG mitten in einem Umstrukturierungsprogramm befinde. Die Bank soll stark schrumpfen. Damit, so wird in Wien argumentiert, würde sie nicht mehr unter das strenge EBA-Reglement für grenzüberschreitende Großbanken fallen.
In einer Sonderhauptversammlung am Mittwoch informiert der Vorstand gesetzesgemäß die Eigner über den aufgelaufenen Verlust. Da muss dargelegt werden, wie der Verlust abgebaut und das Kapital gestärkt wird. Es gibt Spekulationen über eine Kapitalherabsetzung. Das wies die Bank zurück.
Links: