„Federn gelassen, aber nicht gerupft“
Mit Niederlassungen von Ungarn über den Balkan bis in die Ukraine ist die börsennotierte Raiffeisen Bank International (RBI) in den Top Ten der ausländischen Kreditinstitute in Zentral- und Osteuropa (CEE). Entsprechend hoch war das Tempo der Expansion dort vor allem vor der Finanzkrise 2008. Doch nun bremst RBI-Vorstandschef Herbert Stepic.
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Es sei „durchaus möglich, dass wir uns aus dem einen oder anderen Land in der Zukunft zurückziehen werden“, sagte Stepic bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. Das sei ein Thema, mit dem man sich derzeit „intensiv“ beschäftige. Welche Länder das genau sein könnten, präzisierte Stepic allerdings nicht. Es liegt jedoch auf der Hand, dass es Märkte sein dürften, auf denen es derzeit Probleme bzw. auf lange Sicht wenig Entwicklungspotenzial gebe.
Größerer Ärger in Ungarn
Probleme hat die RBI in Ungarn, wo laut am Donnerstag veröffentlichten Unternehmensergebnisse für die ersten drei Quartale ein Verlust von 286 Mio. Euro anfiel. Für das Gesamtjahr erwartet Stepic ein Minus von rund 320 Mio. Euro. Hauptsächlicher Grund dafür sind hohe Kreditrisikodotierungen der Ungarn-Tochter wegen eines neu eingeführten Gesetzes, das es Kunden erlaubt, Fremdwährungskredite unter Marktwert zurückzuzahlen. Auf den Lasten dafür bleiben die Banken sitzen.
Trotzdem werde sich die RBI nicht aus Ungarn zurückziehen, sondern „aus heutiger Sicht“ dort aktiv bleiben, sagte Stepic am Donnerstag - wenngleich er nicht abstreite, dass in dem Land „schon sehr stark auf den Nerven ausländischer Banken getrampelt wird“. Die Verluste in Ungarn müssen jedenfalls mit einem Kapitalnachschuss abgedeckt werden.
„Rupfen erspart geblieben“
Damit dürfte sich die für das vierte Quartal fällige „substanzielle Rekapitalisierung“ der Ungarn-Tochter maximal auf einem Niveau von 320 Mio. Euro bewegen. Trotzdem zeigte sich Stepic optimistisch, dass die Bank nach einem Gesamtnettogewinn von 745 Mio. Euro zwischen Jänner und September auch das Gesamtjahr mit schwarzen Zahlen abschließen werde. „Wir sind großer Hoffnung, dass wir 2011 ein positives Ergebnis haben.“
„Wir mussten im dritten Quartal ein paar Federn lassen“, sagte der RBI-Chef. „Das Rupfen, wie es andere Banken erlebten, ist uns erspart geblieben.“ Raiffeisen sieht sich mit Banken und Töchtern auf 18 Märkten in CEE intern durchwegs ausreichend „versichert“: „Wir haben ein tragfähiges Geschäftsmodell, sind auf den richtigen Märkten, können schlechte Länder wie derzeit Ungarn durch andere Länder kompensieren“, sagte Stepic.
Den Liquiditätspuffer bezifferte der RBI-Chef mit 21 Mrd. Euro. Damit sei man auch für Veränderungen gewappnet, die möglicherweise noch bevorstünden. „Wir erhöhen unsere Widerstandsfähigkeit gegen den derzeitigen Abschwung.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass demnächst ein „goldenes Zeitalter“ anbrechen werde, beurteilt Stepic als eher niedrig. Trotzdem sei er „glücklich“, in Osteuropa aktiv zu sein, selbst wenn es da und dort „plätschert“.
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