„Keine Schuldzuweisungen“
Die neue Zeitschrift „analyse:berg“ erscheint künftig zweimal jährlich und ist für alle Interessierten im In- und Ausland via Internet erhältlich. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt von Alpinpolizei, Kuratorium für alpine Sicherheit (KURASI), dem Alpenverein (ÖAV) und dem Bergrettungsdienst (ÖBRD).
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Der Alpinwissenschaftler, Journalist, staatlich geprüfte Berg- und Skiführer, gerichtlich beeidete Sachverständige und ehrenamtliche Bergrettungsmann Walter Würtl ist einer der Autoren. Der Tiroler ist sich bewusst, dass der journalistische Grat dabei schmal sein kann.
„Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass unsere Unfallanalysen dazu da sind, mögliche Fehlerquellen beim Bergsteigen zu identifizieren und sie in der Alpinausbildung künftig zu berücksichtigen. So dienen sie der Verhütung von Unfällen. Es geht explizit nicht um Schuldzuweisungen oder um Verurteilungen, sondern um das Lernen aus Fehlern, die andere gemacht haben. Von dieser Seite betrachtet, kann selbst ein dramatisches Unglück, bei dem Menschen ihr Leben verloren haben, noch einen letzten Sinn haben“, so Würtl.
Weltweit einzigartiges Zeitungsprojekt
Der vorliegende Unfall vom Großglockner sei ein markantes Beispiel, betont Würtl, wie wertvoll die akribische Ermittlungstätigkeit der Alpinpolizei Österreichs sei. Ohne ihre „mit kriminaltechnischem Geschick und exzellentem Fachwissen geführten“ Erhebungen wäre die journalistische Aufbereitung für eine interessierte Öffentlichkeit unmöglich.
„Während man bei einem ähnlichen Fall in fast jedem anderen Staat der Erde für immer vor ungelösten Rätseln stünde, können wir uns in Österreich künftig glücklich schätzen, die Ressourcen der Alpinpolizei für die Aufarbeitung des Unfallgeschehens in der neuen Fachzeitschrift zur Verfügung zu haben“, so Würtl.
„Geschenk“ für Bergsteiger
Hans Ebner leitet die Alpinpolizei im Wiener Innenministerium. Der Kärntner ist neben seinem Job als Offizier der Exekutive selbst Polizeibergführer sowie ziviler Berg- und Skiführer. „Wir sind bisher weltweit in der Tat das einzige Land, wo so etwas möglich ist. Die Freigabe von Ermittlungsdaten über Unfälle ging nur mit der Zusicherung an die zuständige Politik, dass alle Daten und Fakten anonymisiert in dieser Zeitschrift dargestellt werden.“
Die „amtlichen Erhebungen, Recherchen und Statistiken sind auch ein ‚Geschenk‘ an die alpinistische Community, das der Unfallverhütung dienen soll. So gesehen sind wir als Alpinpolizei nicht nur ermittelndes Organ der Staatsanwaltschaft, sondern auch Freund und Helfer für alle, die Bergsport betreiben und im Gebirge unterwegs sind; beruflich wie privat“, so Ebner.
Die erste Nummer der neuen Fachzeitschrift „analyse:berg“ erschien vor wenigen Tagen und beschäftigt sich mit ausgewählten Unfällen des vergangenen Sommers 2011. Wegen der besonderen Umstände und der mentalen wie physischen Härte des (vergeblichen) Rettungseinsatzes für die Polen auf dem Großglockner wurde dieser Fall aus dem Jahr 2010 dazugenommen.
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