„Es hätte Chancen gegeben“
Drei Menschen sind im Oktober 2010 bei dem Gipfeldrama auf dem Großglockner ums Leben gekommen. Der Einsatzleiter der zuständigen Bergrettung, Peter Ladstätter, erinnert sich an die Geschehnisse von damals. In einem Interview mit der neuen Zeitschrift „analyse:berg“ reflektiert er noch einmal den Einsatz - und die Fehler der polnischen Bergsteiger.
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Wie bei vielen Einsätzen auf dem Berg, zumal unter widrigen Wetterbedingungen, war auch auf dem Großglockner eine schwierige Entscheidung zu treffen, erzählt Ladstätter: „Es waren Bergretter dabei, die sagten, dass wir die Verletzten in maximal 40 Minuten erreichen könnten, wenn wir Gas geben. Anderen war es zu gefährlich. Die schwierigste Entscheidung musste auf dem Kleinglockner getroffen werden, dem Vorgipfel.“ Das Rettungsteam ist dann im Sturm nicht mehr weitergegangen, um nicht selbst in große Lebensgefahr zu kommen.
Aber selbst der Abstieg in die rettende Schutzhütte war für die Einsatzkräfte gefährlich. Ab der Adlersruhe gingen alle immer angeseilt: „Der Sturm war teilweise so stark, dass einzelne Männer aus dem Stand einfach umgerissen wurden.“ Alle, so Ladstätter, die bei dem Einsatz ganz oben dabei gewesen seien, würden diesen Berg wegen der häufigen Einsätze auch bei widrigsten Verhältnissen kennen.
„Problem mit ‚Hättiwari‘“
Wichtig sei in solchen Fällen ein eingeschworenes Team, bei dem jeder wisse, was er sich selbst zutrauen könne und wann es Zeit sei umzukehren. Auch habe sich einmal mehr gezeigt, wie wichtig Schutzhütten seien. An einen Hubschraubereinsatz sei nicht zu denken. Genau deshalb sei auch das Verhalten der Bergsteiger so problematisch gewesen, sagt Ladstätter.
Hätten sie den Vater, dem es nicht mehr gut ging, auf die windgeschützte Seite des Berges transportiert, ihn dort wärmend in ihre Mitte genommen und sofort Rettung gerufen, dann hätte es Chancen gegeben, dass alle überleben: "Aber ich habe immer ein Problem mit der Philosophie ‚Hättiwari ...‘ (’Hätte ich, wäre ich, Anm.).
Das Problem mit den Handyanrufen
Zu den Aufgaben der Bergrettung gehören auch das Informieren und die Betreuung der Angehörigen. Mitglieder eines Kriseninterventionsteams hätten sie zusätzlich lückenlos betreut. Zudem werden die Verwandten und Freunde an Ort und Stelle in so einem Fall in die Bergung miteinbezogen - vor allem, damit sie sich nicht auf eigene Faust falsch verhalten. So ist es etwa problematisch, wenn Angehörige einen Vermissten immer wieder mit dem Handy anrufen. Dadurch könnte bei diesem der Akku leer werden und dadurch nicht mehr gepeilt werden - was ansonsten manchmal nach anfänglichen Schwierigkeiten doch noch möglich ist.
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