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Land der Sprit- und CO2-Schleudern

Venezuela schwimmt in Öl: Als einer der größten Erdölproduzenten der Welt ist das Land von dem Rohstoff abhängig, geschätzte 80 Prozent der Exporterlöse und die Hälfte der Staatseinnahmen kommen aus dem Ölgeschäft. Auch wenn Autos knapp und teuer sind, der Treibstoff ist es nicht. Umgerechnet maximal zehn Cent kostet ein Liter - um etliches weniger als die gleiche Menge Wasser.

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Ermöglicht wird der Spottpreis durch eine enorme Subventionierung. Auf den Benzinpreis müssen die Venezolaner also nicht achten - kein Wunder, dass der Verbrauch wohl das letzte Entscheidungskriterium beim Autokauf ist.

Hinzu kommt die Knappheit auf dem Pkw-Markt: Weil die Wartezeit auf einen Neuwagen bis zu zwei Jahre betragen kann, nimmt der Wert eines ausgelieferten Autos rapide zu, so dass letztlich ein Gebrauchtwagen nur noch teurer zu haben ist als ein neues Modell. Das sorgt dafür, dass Sprit- und CO2-Schleudern das Straßenbild prägen.

Ausschreitungen nach Preiserhöhungen

Daran änderte sich auch nichts, als Venezuela 2004 dem Kyoto-Protokoll beitrat. Begegnen wollte die Regierung von Präsident Hugo Chavez dem zunächst mit der Verpflichtung, dass alle neuen Autos auch mit Flüssiggas betrieben werden müssen. Doch aus den Köpfen der Venezolaner lässt sich das „Volkseigentum“ Öl und Benzin nicht leicht verdrängen. Seit den 50er Jahren wird der Sprit massiv subventioniert und ist praktisch für nichts zu haben.

1989 versuchte die damals sozialdemokratische Regierung mit einem Sparprogramm, neben den Kosten für Verkehrsmittel und Lebensmittel auch den Benzinpreis leicht zu erhöhen. Ausschreitungen mit Hunderten Toten waren die Folge.

Auch für Chavez tabu

„Wenn der Benzinpreis steigt, dann fällt der Präsident“, lautet das ungeschriebene Gesetz Venezuelas - und das weiß auch Chavez. Kaum einen Bereich des Landes hat er in seiner langjährigen Amtszeit nicht umgekrempelt, beim weltweit billigsten Treibstoff blieb aber alles beim Alten, auch wenn davon vor allem die Reichen profitieren, also jene, die sich große Spritfresser leisten können.

Mehrmals betonte Chavez zwar, dass der Benzinpreis mittelfristig steigen müsse, nur sei derzeit „nicht der richtige Zeitpunkt“ dafür. Heuer startete das Energie- und Erdölministerium den vorsichtigen Versuch einer Kampagne für den verantwortungsvollen Umgang mit Benzin - wie erfolgreich diese war, ist schwer abzuschätzen.

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