Themenüberblick

Großbank vor Zerschlagung

Die belgisch-französische Bank Dexia wird das erste große Opfer der europäischen Schuldenkrise. Die Regierungen in Paris und Brüssel bereiten nach Angaben vom Mittwoch eine Zerschlagung des Finanzinstituts mit rund 35.000 Mitarbeitern vor.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Bereits am Donnerstag könnte ein Konzept vorgelegt werden, sagte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Francois Baroin in Paris. Dexia werde fraglos im derzeitigen Zustand nicht weiterexistieren können. In der Nacht zuvor hatte die belgische Regierung angekündigt, dass die problematischen Altlasten des Geldhauses in eine „Bad Bank“ überführt werden sollten.

Solche Zweckgesellschaften können risikobehaftete Vermögenswerte und Wertpapiere übernehmen, die stark an Wert verloren haben und nicht mehr handelbar sind. Nach Angaben von Baroin könnten die französische Staatsbank CDC und die Postbank dann das Kommunalfinanzierungsgeschäft von Dexia übernehmen.

„Einlagen sicher“

Belgiens Ministerpräsident Yves Leterme meldete sich am Donnerstag zu Wort und bezeichnete die Einlagen der heimischen Kunden als sicher. Leterme sagte dem Radiosender RTL, der Staat garantiere den Fortbestand des belgischen Teils von Dexia. Dessen Scheitern stehe nicht zur Debatte. Damit gehe die Garantie über die bestehende Sicherung von Einlagen bis zu 100.000 Euro hinaus, betonte Leterme.

Mit Frankreich werde derzeit über eine gerechte Aufteilung der Rettungskosten verhandelt. Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass Frankreichs „AAA“-Rating wegen der Dexia-Krise gefährdet sein könnte.

Kunden heben 300 Millionen ab

Noch offen war zunächst, was mit dem Privat- und Geschäftskundengeschäft in Belgien und Luxemburg geschieht. Dexia gehört in den beiden Ländern zu den drei größten Banken in diesem Bereich. In der Türkei besitzt sie zudem die Deniz-Bank mit rund 500 Niederlassungen.

Aus Furcht vor einem Zusammenbruch der Bank holten Dexia-Kunden bereits am Dienstag rund 300 Millionen Euro von ihren Konten, berichtete die belgische Zeitung „De Tijd“ (Mittwoch-Ausgabe) unter Berufung auf Unternehmensquellen. Das sei aber nur ein geringer Teil der gesamten Spareinlagen. Dexia habe lediglich bestätigt, dass „einige Kunden ihr Geld abheben“.

Bereits 2008 gerettet

Als Hauptgrund für die Schieflage der Dexia-Gruppe gelten Liquiditätsprobleme. Weil die Bank problematische Wertpapiere für 95 Milliarden Euro hält, gilt sie an den wegen der Schuldenkrise misstrauischen Märkten als Risikofaktor und hat große Schwierigkeiten, sich frisches Kapital zu besorgen.

Die Sorgen sind nicht neu. Bereits 2008 musste die Bank mit staatlichen Milliardenhilfen aus Frankreich, Belgien und Luxemburg vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Die neue Euro-Krise ließ aber offensichtlich zu wenig Zeit für die Umsetzung der danach entwickelten Umbaupläne.

Frankreich fürchtet um „AAA“-Rating

In Frankreich bemühten sich Politik und Spitzenbanker unterdessen darum, Gelassenheit zu vermitteln. Zentralbankchef Christian Noyer wies Befürchtungen zurück, dass Staatshilfen für Dexia zu einer Herabstufung der bisher hervorragenden französischen Kreditwürdigkeit führen könnten. Solche Vermutungen seien übertrieben und falsch, sagte Noyer gegenüber dem Sender Europe 1. Andere Institute seien nicht bedroht, die Lage sei insgesamt stabil. „Wir werden unsere Banken niemals fallen lassen“, sagte der Generalsekretär der Regierungspartei UMP, Jean-Francois Cope.

Links: