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IWF macht Druck

Die taumelnde belgisch-französische Bank Dexia lässt bei den Politikern in Europa die Alarmglocken schrillen. Die Rufe des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach einer besseren Kapitalausstattung für Europas Banken stoßen nicht mehr auf taube Ohren.

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Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sagte am Mittwoch nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso, die Banken hätten angesichts der Schuldenkrise nicht genügend Kapital. Deutschland sei bereit für Kapitalspritzen nach einheitlichen Kriterien. Finanzminister Wolfgang Schäuble und seine ausländischen Kollegen fürchten, dass es sonst erneut zu einer Finanzkrise kommen könnte.

Gefahr liegt im Bankensektor

Dexia zeige, dass die Eskalationsgefahr im Bankensektor liege, sagte Schäuble. Die mit 4,8 Milliarden Euro in Griechenland engagierte Bank zittert vor weiteren Abschreibungen und soll nun zerschlagen werden. Ein hochrangiger deutscher Banker sagte, der Fall Dexia habe in der Politik für große Nervosität gesorgt. Deutsche Banken seien relativ gut für eine Krise gerüstet, sagte Schäubles Sprecher Martin Kotthaus am Mittwoch. Die EU-Finanzminister hatten am Dienstagabend vereinbart, bis zur nächsten Sitzung über die Lage ihrer Banken und Maßnahmen zur Krisenabwehr zu berichten.

Das Problem ist, dass die Finanzmärkte den tatsächlichen Entwicklungen wieder einmal mehrere Schritte voraus sind. Die Nomura-Bank schätzt laut „Economist“, dass sich allein der zusätzliche Kapitalbedarf der Banken zur Erfüllung der durch Basel III vorgeschriebenen höheren Eigenkapitalquote auf mehr als 100 Milliarden Euro beläuft. Das Bankenabkommen gibt den Geldhäusern dafür eigentlich bis zum Jahr 2019 Zeit, doch die Märkte sind ungeduldig und fordern, dass die Banken dieses Niveau bereits früher erreichen.

Geldbedarf nicht einzuschätzen

Doch die größte Schwierigkeit ist die aktuelle europäische Schuldenkrise und die Frage, wie viel Geld die Banken auf die Seite legen müssen, um eine Eskalation der Krise zu überstehen. Das hängt laut „Economist“ schlicht davon ab, von welchem Szenario man ausgeht. Wenn Griechenlands Schulden geordnet und mit einem mäßigen Haircut restrukturiert würden, seien die Kosten relativ leicht zu bewältigen. Selbst ein 50-prozentiger Haircut würde demnach nicht griechische Banken mit maximal zehn Milliarden Euro treffen.

Möglicherweise müssen sich selbst Banken auch auf Abschreibungen ihrer Staatsanleihen aus Portugal, Italien oder Spanien einstellen - und dann geht es laut „Economist“ um Summen von bis zu 300 Milliarden Euro. Eine Möglichkeit, Rücklagen zu bilden, ist der Verkauf von Firmenteilen - doch dafür fehlen oft die Käufer, ebenso wie für die Ausgabe neuer Aktien. Der einfachste Weg ist, weniger Kredite zu vergeben - freilich mit potenziell dramatischen Folgen für die Realwirtschaft. Vor allem in den von der Schuldenkrise besonders stark betroffenen Ländern klagen Unternehmen bereits seit Monaten, dass sie nicht oder nur schwer an Kredite herankommen.

Alarmglocken schrillen

Der IWF erneuerte seine Forderung nach Kapitalspritzen für die Banken auf dem Kontinent. Europa-Direktor Antonio Borges bezifferte die Summe, die nötig sei, um das Vertrauen in die Branche wiederherzustellen, auf 100 bis 200 Milliarden Euro. Im Sog der Schuldenkrise trauen sich die Banken gegenseitig kaum noch über den Weg und horten ihr Geld im großen Stil bei der Europäischen Zentralbank (EZB).

In der Nacht zum Mittwoch parkten sie dort mehr als 213 Milliarden Euro. Das ist die größte Summe seit Juli 2010 und ein Alarmsignal: „Von den Ausmaßen her ist diese Geldmarktkrise mindestens so groß wie 2008“, so ein Händler. „Da liegt einiges im Argen, und es entspannt sich nicht.“

„Jedes Land muss eigene Banken sichern“

Einen konkreten Plan, wie die angeschlagenen Banken an frisches Kapital kommen, gibt es aber noch nicht, wie EU-Beamte einräumten. „Wir sind uns bewusst, was an den Märkten passiert und wie sich das auf die Banken auswirkt“, sagte die Sprecherin der Kommission. „Aber die unmittelbaren Probleme drehen sich eher um Liquidität als um Zahlungsfähigkeit.“ Im Umfeld einer großen deutschen Bank hieß es, es gebe keine Gespräche über einen großangelegten Rekapitalisierungsplan für europäische Banken. „Das wäre auch unrealistisch. Jedes Land muss seine eigenen Banken sichern“, sagte der nicht genannte Banker.

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