Spannende Verleihung in Venedig
Der Preis für den besten Film bei den Filmfestspielen in Venedig geht heuer an den russischen Regisseur Alexander Sokurow für seinen Film „Faust“. In der Titelrolle: der 41-jährige Österreicher Johannes Zeiler neben der deutschen Schauspielerin Hanna Schygulla.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

AP/Andrew Medichini
Johannes Zeiler strahlt in Venedig
Das auf Deutsch gedrehte Werk basiert auf der gleichnamigen Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe, ist allerdings eine sehr freie Adaption durch den 60-jährigen Filmemacher. Die Auszeichnung wurde am Samstagabend von der Jury unter Vorsitz von US-Regisseur Darren Aronofsky („Black Swan“) vergeben.
Der russische Regisseur vollendete mit dem in Deutschland, Spanien und Island gedrehten „Faust“ seine Tetralogie über „große Spieler“, die gescheitert sind, wie Sokurow erklärte. Nach Filmen über Adolf Hitler, Lenin und den japanischen Kaiser Hirohito ergänzt der Filmemacher seine Reihe nun allerdings um eine fiktive Figur.
Polanski ging leer aus
Die Jury bei der 68. „Mostra“ hatte die Auswahl zwischen 23 Filmen. Als Favorit für den Goldenen Löwen galt der französisch-polnische Filmemacher Roman Polanski, der das Bühnenstück „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza mit Christoph Waltz, Kate Winslet und Jodie Foster verfilmte. Hollywood-Star George Clooney ging mit seinem Politthriller „Die Iden des März“ in den Wettbewerb, und der kanadische Regisseur David Cronenberg mit dem teils in Österreich gedrehten Film „A Dangerous Method“ („Eine gefährliche Methode“) über Sigmund Freud.
In zwei Rollen am Start
Nicht unerwartet wurde bei der Preisverleihung Samstagabend der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender als bester Schauspieler ausgezeichnet. Der 1977 in Heidelberg geborene Sohn eines Deutschen und einer Irin, bekannt aus „Inglourious Basterds“ und schon in dem Venedig-Wettbewerbsbeitrag „A Dangerous Method“ von Regisseur David Cronenberg als C.G. Jung zu sehen, begeisterte in dem Film „Shame“ des Regisseurs Steve McQueen als sexsüchtiger, gebrochener Charakter, der nach seinem Glück im Leben sucht. Oscar-Preisträger Christoph Waltz ging bei der Preisverleihung leer aus.

AP/Andrew Medichini
Fassbender in Triumphpose
Als beste Schauspielerin wurde die Chinesin Deanie Ip geehrt. Sie spielt in dem berührenden Drama „A Simple Life“ eine alte Dame, die nach jahrzehntelanger Arbeit als Hausmädchen ins Altersheim abgeschoben wird. Für die beste Regie wurde ebenfalls ein Chinese ausgezeichnet: Regisseur Cai Shangjun gewann den Silbernen Löwen für sein Werk „Ren Shan Ren Hai“ („People Mountain People Sea“).

AP/Andrew Medichini
Deanie Ip beste Schauspielerin
Spezialpreis für Glawogger
Der österreichische Filmemacher Michael Glawogger wurde bereits am Nachmittag im Zweitwettbewerb „Orizzonti“ ausgezeichnet. Er erhielt für seine Dokumentation über Prostitution, „Whore’s Glory“, den Spezialpreis der Jury, habe er doch „die älteste Profession als Spiegel eines globalen Labyrinths aus Sex und Kommerz mit erstaunlicher visueller Eloquenz und Präzision“ eingefangen.
„Ich würde diesen Preis gerne heute nach Thailand, Bangladesch und Mexiko tragen, um den Frauen zu zeigen, wie außergewöhnlich das ist, was sie mir mit auf den Weg gegeben haben. Und dass sie wahrgenommen und verstanden werden“, erklärte Glawogger anlässlich der Überreichung der Auszeichnung. Glawoggers Film wurde vom Österreichischen Filminstitut und vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens finanziert.
Den Preis für das beste Drehbuch erhielten Efthimis Filippou und Yorgos Lanthimos für die griechische Produktion „Alpis“ von Regisseur von Yorgos Lanthimos. Der Spezialpreis der Jury ging an die italienisch-französische Produktion „Terraferma“ von Emanuele Crialese.
Link: