„Orizzonti“-Preis für „Whores’ Glory“
Mit seiner lebendigen und farbenfrohen Bildersprache hat sich der Österreicher Michael Glawogger in den letzten Jahren auch international einen Namen gemacht. Für „Whores’ Glory“ begab sich der Regisseur nun schon zum dritten Mal auf eine Reise durch verschiedene Kulturkreise. Dem Film wurde in der Nebenreihe „Orizzonti“ der Filmfestspiele von Venedig der Spezialpreis der Jury zugesprochen.
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Für die Jury der „Orizzonti“-Reihe, bestehend aus dem Vorsitzenden Jia Zhangke, Stuart Comer, Odile Decq, Marianne Khoury und Jacopo Quadri, fängt Glawogger in seinem Film „die älteste Profession als Spiegel eines globalen Labyrinths aus Sex und Kommerz mit erstaunlicher visueller Eloquenz und Präzision“ ein. „Whores’ Glory“ trägt den Untertitel „Ein Hurenfilm“ und ist ein filmisches Triptychon.
Der Film nimmt sich - mit dem gleichen dramaturgischen Prinzip wie „Megacities“ und „Workingman’s Death“ - der weltweiten Prostitution am Beispiel Thailand, Bangladesch und Mexiko an. Es gehe ihm darum, den Alltag zu zeigen, der eben nicht aus Zwangsprostitution und Gewalt bestehe, erklärte Glawogger in Interviews. Er zeigt die kulturell bedingten Unterschiede im Rotlichtmilieu - den Umgang der Freier und Zuhälter mit den Frauen und die Verortung der Prostitution innerhalb der jeweiligen Gesellschaft.

Filmladen Filmverleih/Vinai Dithajohn
Die thailändischen Prostituierten in „Whores’ Glory“ geben sich selbstbewusst und -bestimmt
Stempeluhr und gustierende Freier
Im buddhistischen Thailand kann sich der Mann in einem Bordell namens „Fish Tank“ die Mädchen aussuchen, die in einer Glasbox sitzen. Vor Beginn der Schicht treffen sie sich an der Stempeluhr und in der Garderobe, scherzen, schminken sich und richten sich die Haare. Danach geht es ab in einen Glaskubus, in dem sie wie Ware präsentiert werden. Auf der anderen Seite der Scheibe gustieren die Freier: „Hier sind wir Männer eine Ware für die Frauen. Wir bringen das Geld“, so die krude Theorie mehrerer Thai-Männer, die ihre Ehefrauen zwar sehr zu schätzen wüssten, sie aber nicht befriedigend genug fänden.
Die Arbeitgeber preisen die Mädchen an, wissen genau, wer für „alles“ zu haben ist und um welchen Preis. Verhandelt wird nicht. Über Alternativen denken die Prostituierten vor Glawoggers Kamera auch nach, eine Ausbildung zur „seriösen“ Masseuse etwa - doch das sei teuer und im Vergleich zu Sex total anstrengend.

Filmladen Filmverleih/Maya Goded
In Kabinen empfangen die Prostituierten in Mexiko ihre Freier
Wenig Freiwilligkeit in Bangladesch
Weniger freiwillig - auch wenn Glawogger nichts von Zwangsprostitution hören will - geht es in den Bordellen Bangladeschs zu. In der „Stadt der Freude“, einem Rotlichtbezirk, leben junge Frauen, die vor der Armut in ihren Dörfern in die Hände der Puffmütter geflohen sind und dort manchmal zehn oder mehr Freier pro Tag bedienen müssen. Aggressive Männer, die für einen Spottpreis mehrmals täglich die Dienste der Prostituierten in Anspruch nehmen, die davon gerade genug zum Leben verdienen, keine Chance, dem Elend der heruntergekommenen Szene zu entkommen.

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Hinweis
„Whores’ Glory“ von Michael Glawogger ist in Österreich seit Freitag im Kino zu sehen.
Streng muslimisch hält man sich dabei an gewisse Regeln. Die Frauen ziehen sich nicht aus, Oralsex ist Tabu („Mit dem Mund werden die Suren des Koran gesprochen“). Doch die Zügel sind fest in weiblicher Hand: Pro Zuhälterin arbeiten vier junge Frauen, die Männer haben sich an die Regeln zu halten.
Keine Tabus in Mexiko
Im mexikanischen „La Zona“ gibt es hingegen kaum Tabus. Freier und Huren sprechen sehr ausgiebig und offen über Geschlechtsakt, Sexpraktiken und die Vorzüge einzelner Prostituierter. Die Verzweiflung der Frauen äußert sich hier rauer: Drogen, Zynismus und Hoffnungslosigkeit regieren im Bezirk, durch den die sexhungrigen Männer mit ihren Autos - oft in Gruppen - kreisen.
Wie auch schon in „Working Man’s Death“ mischt Glawogger Interviews und Dokumentation mit Inszenierung und hält, nachdem er über fast die gesamte Länge des Films explizite Sexszenen ausgespart hat, zum Schluss noch einmal richtig mit der Kamera auf eine arrangierte Begegnung zwischen Freier und Prostituierte drauf. „Ich finde, in einem Film über Prostitution muss man auch einmal zeigen, worum es geht“, so seine Erklärung im Interview mit der APA. Um Befriedigung geht es dann anscheinend nicht.
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