„Italien wird niemals pleitegehen“
Nachdem bereits am Freitag Rekordverluste an der Mailänder Börse die Spekulationen über eine Eskalation der Schuldenkrise in Italien angefeuert hatten, sorgt nun auch ein „schwarzer Montag“ für anhaltende Nervosität.
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Der Leitindex von Italiens wichtigstem Handelsplatz verzeichnete mit knapp vier Prozent das größte Minus seit März 2009. Besonders betroffen waren Bankenwerte, darunter etwa die Intesa Sanpaolo mit einem Minus von 7,74 und die Bank-Austria-Mutter UniCredit mit einem Minus von 6,33 Prozent. Laut der Wirtschaftszeitung „IlSole24Ore“ erinnern die Vorgänge bereits an die Lehman-Pleite im Jahr 2008.
Der Zeitung zufolge „verbrannten“ die italienischen Banken allein am Montag den Gewinn der letzten zwei Jahre. Auf den Pensionsmärkten zogen die Renditen der italienischen Staatsanleihen weiter an. Die Kreditausfallversicherungen (CDS) für fünfjährige italienische Anleihen verteuerten sich so stark wie noch nie.
Minus bei UniCredit
Am Dienstag setzte sich der Absturz fort. Die Mailänder Börse geriet unter starken Beschuss. Zu Handelsbeginn sank der Mailänder Aktienindex FTSE Mib um 4,08 Prozent. UniCredit meldete zu Handelsbeginn erneut ein Minus von 7,11 Prozent. Wegen starker Kursverluste waren die UniCredit-Aktien am Montag vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden.
Europas Börsen im Abwärtsstrudel
Die Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien zog am Montag aber nicht nur Italiens Finanzmärkte, sondern die Börsen in ganz Europa in einen Abwärtsstrudel. Auch die US-Aktienmärkte haben Befürchtungen über eine Ausweitung der Euro-Krise belastet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 1,2 Prozent schwächer bei 12.505 Punkten aus dem Handel.
Der Euro fiel erstmals seit dem 23. Mai unter die Marke von 1,40 Dollar. Zum Schweizer Franken gab die Gemeinschaftswährung auf ein Rekordtief von 1,1669 Franken nach. Der „Angriff auf Italien“ sei somit laut „Repubblica“ „auch ein Angriff auf den Euro“.
Spaniens Finanzministerin Elena Salgado zeigte sich besorgt über die Entwicklung in Italien: Die Bedrohung sei „viel systemischer“ und betreffe „nun die Euro-Zone als Ganzes“, sagte sie in Brüssel am Rande eines Treffens der Euro-Finanzminister. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble bemühte sich um Gelassenheit: „Italien ist auf einem guten Weg“ und der Sparplan „sehr überzeugend“.
Merkel fordert „wichtiges Signal“
Weiter „festes Vertrauen“ gestand auch Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel ihren italienischen Amtskollegen Silvio Berlusconi zu. Gleichzeitig forderte Merkel von Italien aber eine baldige Umsetzung des erst vergangene Woche beschlossenen, rund 40 Milliarden Euro schweren Sparpaketes.
„Die Verabschiedung eines Haushalts, der den Anforderungen an die notwendige Sparsamkeit und Haushaltskonsolidierung auch Rechnung trägt“, sei laut Merkel ein „ganz wichtiges Signal, das von Italien selbst gesendet werden muss“. Merkel unterstrich zudem, dass Deutschland und auch alle Euro-Partner fest entschlossen seien, „die Stabilität des Euro insgesamt zu verteidigen“.
„Italien ist ein reiches Land“
Lorenzo Bini Smaghi vom Direktorium der Europäischen Zentralbank stärkte seinem Heimatland demonstrativ den Rücken: „Italien wird niemals pleitegehen, es ist ein reiches Land, das eindeutig in der Lage ist, seine Schulden zurückzuzahlen.“ Bini Smaghi drängte Italiens Banken gleichzeitig aber auch zur Stärkung ihrer Kapitalbasis, da es derzeit für Unsicherheit sorge, dass die Finanzinstitute des Landes weniger gut als ihre ausländischen Konkurrenten kapitalisiert seien.
Nach Ansicht von Antonio Vigni, Vorstandsmitglied der italienischen Banca Monte Paschi, sind die Kurseinbrüche am Freitag und Montag Folge eines Angriffs von Spekulanten. Damit würden dem Banker zufolge nicht die Fundamentaldaten der betroffenen Länder oder deren Finanzinstituten reflektiert.
Schweigsamer Berlusconi
Italiens Regierungschef Berlusconi verzichtete am Montag auf eine öffentliche Stellungsnahme. Dabei wurden ungewohnt kritische Worte Berlusconis gegenüber seinem Finanzminister Giulio Tremonti noch als einer der Gründe für die Kursstürze vom Freitag gewertet. Nun ziehe es Berlusconi „aus Verantwortung“ vor zu schweigen, um weitere Polemiken zu verhindern, wie dessen Sprecher, Paolo Bonaiuti, im „Corriere della Sera“ zitiert wurde.
120 Prozent Schulden
Der italienische Staat sitzt auf einem Schuldenberg von rund 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes - obwohl die EU die Obergrenze auf 60 Prozent festgelegt hat. Nur Griechenland ist mit 150 Prozent noch höher verschuldet. Sollte Italien wegen unbezahlbar hoher Zinsen vom Kapitalmarkt abgeschnitten werden, wären die Folgen weitaus gravierender als beim kleineren Griechenland. Der Euro-Rettungsschirm wäre mit einer faktischen Staatspleite dieser Größe überfordert.
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