Pompeji, Kolosseum und Hadriansvilla
Mit der Sperrung von Teilen der weltberühmten Hadriansvilla vor den Toren Roms hat die Debatte über den maroden Zustand von Italiens Kulturschätzen zuletzt seinen bisherigen Höhepunkt erreicht. Kulturminister Gianfranco Galan ortet nun erstmals Zeichen der Besserung: Grund dafür ist, dass in den jüngsten Budgetplänen „erstmals seit 20 Jahren“ keine Kürzungen im Kulturressort vorgesehen seien.
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Allein für das Areal der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Hadriansvilla stehen laut Galan zudem vier Millionen Euro bereit. Weitere Finanzspritzen in Millionenhöhe versprach Galan zudem für die Restaurierung des Nero-Palastes Domus Aurea und die archäologischen Ausgrabungsstätten auf dem Palatin in Rom. Garantiert seien zudem die bereits zugesagten Mittel für die laufenden Instandhaltungsarbeiten in Pompeji, so Galan laut „Corriere della Sera“.
Besetztes Theater in Rom
Dort sorgte der Einsturz vom „Haus der Gladiatoren“ im Vorjahr für einen Aufschrei der Empörung und schlussendlich auch zum Rücktritt von Galans Vorgänger Sandro Bondi. Nach monatelangen Vorwürfen der Untätigkeit warf dieser im März das Handtuch, nachdem es ihm nach eigenen Worten nicht gelungen sei, die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi von der bedeutenden Rolle von Kultur in Italien zu überzeugen.

AP/Salvatore Laporta
Die Einsturzstelle in Pompeji
Ungeachtet der Beruhigungsversuche des vom Landwirtschafts- ins Kulturministerium gewechselten Galan stöhnt Italiens Kulturbetrieb unterdessen weiter unter den drastischen Kürzungen gleich mehrerer Sparpakete. In einem offenen Brief an Galan machten zuletzt etwa die Kulturschaffenden der Region Piemont auf die prekäre Situation aufmerksam. Angesichts geschlossener bzw. nur mehr unregelmäßig geöffneter Bibliotheken, Theater, Kinos und Museen könne demnach von keinem funktionierenden Betrieb die Rede sein, wie die Zeitung „La Repubblica“ aus dem Brief zitiert.
Schuhmagnat renoviert Kolosseum
Die Beteiligung privater Geldgeber gilt neben der Kürzung der Kulturgelder als weitere umstrittene Sparmaßnahme, mit der die Regierung in Rom offenbar verzweifelt versucht, die Löcher in seinem Budget zu stopfen. Monatelang wurde etwa für die Renovierung des Kolosseums nach privaten Förderern gesucht, bis Anfang des Jahres schließlich der Gründer der Schuhfirma Tod’s, Diego Della Valle, als Retter von Roms Wahrzeichen präsentiert wurde.

Fotolia/Tonino Corso
Castello della Colombaia in Trapani
Dennoch bleiben Zweifel an der Breitenwirksamkeit der für Italien neuen Art der Kulturförderung. Zahlreiche antike Bauwerke warten seit Jahrzehnten auf eine Renovierung und sind vom Verfall bedroht. Darunter etwa das Schloss der Karthager (Castello della Colombaia) in Trapani auf Sizilien, dessen Finanzierung in Höhe von mehreren Millionen Euro nach den Angaben des Regionalsenders Telesud3 nun gestrichen wurden.
Schwindende Besucherzahlen
Geht es nach der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) ist „der wahre Grund für den verheerenden Zustand“ in Italiens Kulturbetrieb allerdings nicht in fehlenden Geldern, sondern vielmehr in der „Unfähigkeit, vorhandene Mittel auszugeben“ zu finden. Von den im Vorjahr für den Kulturhaushalt vorgesehenen Mitteln von knapp einer Milliarde Euro seien demnach lediglich 45 Prozent ausgegeben worden. „Die restlichen 545,2 Millionen blieben unberührt in der Kassa“, was laut „NZZ“ in jedem anderen Land einen handfesten Skandal zur Folge hätte.
Missmanagement wurde zuletzt auch im Zusammenhang mit der Hadriansvilla genannt. Der Einbruch bei den Besucherzahlen von 187.000 (2000) auf 108.800 im Vorjahr sei Beobachtern zufolge auch auf mangelnde Öffentlichkeitsarbeit zurückzuführen. In kaum einem anderem Land würden laut „Corriere“ UNESCO-Weltkulturstätten derart stiefmütterlich behandelt wie in Italien.
Peter Prantner, ORF.at
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