Retten, was zu retten ist
Sein Erscheinen war bereits ungeduldig erwartet worden, am Sonntag ist Medienmogul Rupert Murdoch dann endlich in London eingetroffen. Der 80-Jährige soll nach dem Abhörskandal die Zügel in der Europa-Tochter News International wieder fester anziehen. Bezeichnenderweise hielt er bei seinem Eintreffen die letzte Ausgabe der „News of the World“ in der Hand.
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Wie der Sender Sky News berichtete, ließ sich der Medienzar unverzüglich zu den Büros seines britischen Zeitungshauses News International im Osten Londons fahren, das „News of the World“ bis Sonntag herausgab. Als Reaktion auf den Skandal hatte das Murdoch-Unternehmen am Donnerstag die Einstellung der Boulevardzeitung nach 168 Jahren verkündet.

Reuters/Olivia Harris
Murdoch mit der letzten Ausgabe der „News of the World“.
Kritik an Murdochs Entscheidungen
Auf Murdoch wartet keine einfache Aufgabe. Lange als „Königsmacher“ in der britischen Journalistenszene bezeichnet, muss sich Murdoch nun harscher Kritik stellen. Zum einen über die moralisch und gesetzlich fragwürdigen Methoden seiner Mitarbeiter, zum anderen auch über die Entscheidung, die Zeitung einzustellen und damit 200 Journalisten auf die Straße zu setzen. Denn Branchenkenner sehen darin weniger eine Strafmaßnahme für den Abhörskandal, sondern vielmehr einen taktischen Schachzug, um den Deal um den PayTV-Sender BSkyB nicht zu gefährden.
Milliardendeal auf Eis gelegt
Bisher trug sein Sohn James Murdoch die Verantwortung für die Vorgänge in Europa. Er war es auch, der den Zeitungsmitarbeitern die Nachricht über die Schließung mitteilte. Doch mittlerweile ist dem 38-Jährigen der Skandal längst über den Kopf gewachsen. Das zeigen auch die Reaktionen aus der britischen Regierung. So ist mittlerweile von einem raschen Durchwinken der Milliardenübernahme keine Rede mehr. Man brauche noch Zeit mit den Überprüfungen, lautet die offizielle Erklärung.
Auch dürften Ermittlungen gegen Murdoch Jr. eingeleitet werden. Insgesamt könnten zwölf Personen angeklagt werden, darunter auch hochrangige Polizisten, wie britische Medien vermuten. Auch die Chefin von News International, Rebekah Brooks, soll einvernommen werden. Der „Sunday Telegraph“ berichtete, dass Brooks im Zusammenhang mit der Affäre befragt werden solle. Sie war in den Jahren 2000 bis 2003, also zur Zeit der Abhöraktionen, Chefredakteurin der „News of the World“. Bisher stellte sich Murdoch immer hinter Brooks. Auch am Sonntag antwortete er auf die Frage, was für ihn Priorität habe, mit einem Fingerzeig auf Brooks.
Druck auf Cameron steigt
Immer stärker unter Druck gerät auch die Regierung von Premierminister David Cameron, der enge Beziehungen zum Murdoch-Konzern pflegt. Die oppositionelle Labour-Partei forderte die sofortige Ernennung eines Ermittlungsrichters zur Untersuchung der Affäre. Camerons früherer Sprecher Andy Coulson, einst ebenfalls Chefredakteur von „News of the World“, war am Freitag vorübergehend festgenommen worden.
Medienberichten zufolge wurden indessen Mails der Polizei übergeben, die Coulson schwer belasten. Demnach würde mit den Dokumenten bewiesen, dass er Zahlungen an Polizisten für Informationen gebilligt habe. Auch die Abhöraktionen seien nicht von einzelnen „schwarzen Schafen“ in der Redaktion, sondern systematisch durchgeführt worden, sollen die Mails beweisen.
Halbherzige Entschuldigung
Die Zeitung selbst, die den Abhörskandal zu verantworten hat, verabschiedete sich am Sonntag mit einer halbherzigen Entschuldigung von ihren Lesern. „Danke und auf Wiedersehen“, titelte die Zeitung. „Nach 168 Jahren sagen wir unseren 7,5 Millionen loyalen Lesern ein trauriges aber stolzes Lebewohl.“ Auf ihrer letzten Titelseite brachte die Zeitung eine Collage vergangener Schlagzeilen.
In einem Leitartikel hob das Blatt noch einmal seine „hohen Standards“ hervor, gleichzeitig wurden aber auch Fehltritte eingeräumt: „Wir sind, einfach gesagt, vom Weg abgekommen.“ Für einige Jahre hätten einige Mitarbeiter die Standards der Zeitung „schändlicherweise“ missachtet. Das Abhören von Telefonaten sei ein „fürchterliches Fehlverhalten“ gewesen, für das es keine Rechtfertigung gebe. Zu den jüngsten Vorwürfen, dass die Zeitung Polizisten für Informationen bezahlt hätte, schwieg die Redaktion.
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